Favorite – Harlekin

Im Jahr 2005 veröffentlichte Selfmade Records das Kollaboalbum von Favorite & Jason „Rappen Kann Tödlich Sein“. Nun ist es 2007 Zeit für Favorite, sein Solodebüte abzuliefern. Es trägt den klanghaften Namen„Harlekin“ und soll Favorites teilweise „schwarzen“ Humor unterstreichen. Das Favorite einen Sinn für überspitzt dargestellte Punchlines hat, wurde einem auch schon bei „Rappen kann tödlich Sein“ bewusst: jedoch kann man sagen, dass er in Sachen „kein Blatt vor dem Mund nehmen“ noch einmal eins draufgesetzt hat.

Der 20-jährige Essener verarscht in seinen Tracks alles und jeden. So zum Beispeil auch seinen Labelboss Flipstar (Creuzfeld & Jakob) auf„Ein Rapper Reicht“. Fav spittet: „Dein scheiß Labelboss wollte mich signen. Ich nahm´ diesen Groupie mit Backstage. Er keulte´ mir ein. Ich geh´ meinem Label nicht fremd. Sogar Flipstar gibt an, dass er Favorite kennt! Dieser Favorite-Fan.“ Dieser Track liefert einen sehr guten Einstieg in das Album. Der mir bisher unbekannte Produzent Joshimixu bastelte einen hymnenartigen Beat für diesen Track, dessen Trompeten und Hörner den flexenden Fav deutlich unterstützen.

Einige Kritiker, zu denen ich nicht zähle, werden Favorite wohl vorwerfen, dass er mit seinen Zeilen wohl manchmal sehr unter die Gürtellinie geht. So könnten sich z.B. einige beim vom Jimmy Ledrac produzierten Song „Index“ anstoßen. Hier droppt er folgende Zeilen: „Ich chille nur mit bösen Satanisten. Wir zünden deine Kirche an und töten ein paar Christen!“ und weiter… „Christenschwein! Duck Down! Bevor du eine Kugel frisst. Oh Shit, sorry! Ich vergas´ dass du ein (…) bist..“ . Jeder, der diese Zeile hört, wird wissen, welches Wort sich hinter der gemuteten Stelle verbirgt. Die Betonung liegt hierbei auch deutlich auf vergas´.
Ich finde das„Index“, so wie er ist, ein sehr guter Track, eine runde Sache und vor allem ein Beispiel für Punchlines ist. Wir sollten in Sachen Rap nicht immer alles so ernst nehmen, sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt.

Doch Favorite machte für„Harlekin“ nicht nur Tracks, die seine Battle-Qualitäten beweisen, sondern liefert auch einen Einblick in das Leben des Favorite. In „Aus Und Vorbei“, verarbeitet er den alltäglichen Trennungsschmerz, den jeder Mann schon erlebt hat, auf seine eigene Art und Weise. Hierfür hat Rizbo, der Hausproduzent bei Selfmade Records, ein Beat gezaubert, der perfekt zu dieser Thematik passt.

Das traurige Schicksal, dass Fav seine Eltern im zarten Alter von 12 verloren hat, verarbeitet er in „Gegen Den Herrn“. Er macht Gott dafür verantwortlich und rechtfertigt mit diesen Song seine Wut auf Gott. „Warum ist die Welt so verletzend? Und warum mussten Fremde meine Eltern ersetzen? Mit welchen Rechten gehst du vor und nimmst uns Menschen, die wir brauchen? Bis heute sieht man immer noch die Trauer in meinen Augen!“
Es ist ganz klar, dass Favorite hiermit beweist, dass er tiefgründigere Texte ebenso gut beherrscht wie Representer- und Battlesongs.

Insgesamt ist das Album ein bisschen kurz geraten. Es besteht zwar aus 18 Trackmarken, doch fünf davon sind Intro, Skits oder Outro, die man nicht als Song werten kann. Man hätte gerne noch etwas mehr zu hören bekommen, weil Favorite Flow mit Thematik, guten Reimen und Hammer-Punchlines kombiniert.
Wir schauen mal, wann man wieder etwas vom Essener zu hören bekommt.

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