Nyze – „Geben & Nehmen“

Der „Nemesis“-Sampler von EGJ– Boss Bushido ist für jeden Deutschrap-Fan ein Begriff, oder? Man mag es kaum glauben, aber Nyze, der 1981 in Saarbrücken geboren wurde, hat sich schon vor gut einem Jahr auf „Nemesis“, „Seelenblut“ und diversen anderen Ersguterjunge-Releases bemerkbar gemacht. Nach einigen Features mit Chakuza, Saad und Bushido ist es jetzt an der Zeit für das erste Solo-Album des Newcomers.

Nachdem ich „Geben & Nehmen“ im Schnelldurchlauf durchgeskipt habe, stelle ich fest, dass das sein Debütalbum auf jeden Fall einen fetten Sound hat. Um mich zu versichern, dass die Beats wie gewohnt von Beatlefield, Kingsize oder Decay sind, studiere ich das Booklet, welches von Nyze höchstpersönlich gestaltet wurde, und lese dort Namen wie Chakuza, Bizzy, Bushido und die mir bislang unbekannten Phleck und Sumo.

Als ich "Geben & Nehmen" komplett durchgehört habe, stelle ich fest, dass Nyze ein ganz  vernünftiges Debüt geschaffen hat. Leider haben die Texte, die den Konsumenten durch das Debüt begleiten, in Tracks wie „Atme Rauch“ nicht den Flow, den ein guter Track haben sollte. Ein anderes Beispiel ist das englisch-sprachige Feature mit Verb Kent, das total in die Hose gegangen ist, “Eine Line“ mit Reimen wie: „ich sag ja zu Schwulen-Witzen, Mädchen reden über mich, wenn sie in der Schule sitzen“, „Ich sitze in Nike-Airs und Jeans am Steuer, siehst du das Shirt und die Nikes haben die gleiche Farbe wie Feuer…“. Die „Ich rappe über Schwule und sag 100x Nike“-Idee war am Anfang noch ganz lustig, doch mittlerweile bin ich bei Lied 16 angekommen und habe ähnliche Textpassagen schon öfters in „Geben & Nehmen“ gehört. Nun gut, vielleicht steht er ja einfach nur auf Nike. Wer weiß?

Trotz den zwei, drei Fehlschlägen auf der CD hat Nyze auch viele gute Tracks kreiert, zu denen man nicht wirklich viel sagen muss, weil sie durch ihre Authentizität und dem passenden Beat ein gutes Bild ergeben. Im Battletrack „N.Y.Z.E.“ legt der Wahl- Berliner richtig los…“N.Y. ich lad das Magazin, leg an, drück ab, erschieße dein Team, komm schon du weißt du bist nur ein Freak…“, „Ich mach Scheine nur mit Aussehen…“, „N.Y.Z.E., du weißt wer der Boss ist…

Nyze, der in seiner Jugend Probleme und Ärger magisch anzuziehen schien, kann auch anders. Im Billy-Feature "Alles was ich brauche" beweist er, dass ihm seine weiblichen Fans auch am Herzen liegen. Ohne es vielleicht mitzubekommen, hat er mit „Alles was ich brauche“ und „Bis zum Ende“ an den Erfolgen von Bushidos „Hoffnung Stirbt Zuletzt“ und „Augenblick“ angeknüpft und hat nach einem weniger gutem Start in meiner Review bewiesen, dass er durchaus die Chancen hat, unter der Obhut vom Labelboss Bushido erfolgreich zu sein. „No comment“ erhält Bushidos Gastauftritt in „Es Ist Okay“. Bushido hat das Talent, dass er in acht von zehn Tracks das Maximum raus holt und somit auch in diesem Fall seinen Schützling Nyze ins rechte Licht rückt.

Cem Toraman, besser bekannt als Summer Cem, gibt mit Kingsize und Nyze in „Die Farbe Von Blut“ einen zum Besten. Der eine oder andere Hörer wird sich fragen: „Kingsize sitzt doch in seiner Funktion bei Ersguterjunge eigentlich hinter den Reglern?“ Eigentlich, aber wie meine Recherchen ergeben haben, war Yunus Cimen alias Kingsize in seiner Zeit vor dem produzieren auch als MC tätig. „Und der Regen fällt schnell, der Dobermann bellt, Schein auf Schein, siehst du jetzt wir stapeln das Geld…

So kurz vor Schluss möchte ich noch auf den aggressivsten Beitrag durch Nyze und Chakuza eingehen. Chakuza, der seinen Still als „Streetrap“ bezeichnet, hat in „Schlägereimusik“ seinem Stil alle Ehre gemacht. Von Parts wie „Ich pack den Basi in den Kofferraum…“, „Das ist Schlägereimusik aus deiner Nase läuft Blut und für`n 10er kriegt man deinen Arsch heute im Puff. Du hast ne`Beziehung, eine Beziehung mit einem Mann und wenn sie euch sieht, fängt deine Mom zu weinen an…“ über „Das ist Schlägereimusik, das ist Mukke, die die Rippen bricht. Wir drehen sie auf und dann kommen unsere Kumpels und zerficken dich…“ bis hin zu „und deine Crew will es meinen Männern zeigen. Du frisst meine Boots, bis meine Schuhbänder hängen bleiben…“ enthält der Track die komplette Härte der Straße. Ich kann nur hoffen, dass  die selbsternannte Sittenwächterin des Bundestags, Monica Griefahn, diesen Track nie zu hören bekommt und Nyze vielleicht schon bald ein Re-Release von „Geben & Nehmen“, ohne „Schlägereimusik“ planen muss.

Fazit: Ein gelungenes Debüt, welches in keiner Ersguterjunge-Sammlung fehlen sollte.

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