VA – Die 2te – Schmuf Hamburg Sampler Vol. 2

Was Haben Hamburg und Frankfurt gemeinsam? In beiden Städten gibt es einen Bozz oder zumindest einen Big Baus Of The Nauf. Sowohl die beiden Bosse wie auch deren Camps nehmen nicht nur stadtintern, sondern auch innerhalb Deutschlands eine führende Rolle ein und so haben es andere Camps schwer, wahr genommen zu werden. Wahrscheinlich kann man bei Schmuf Hamburg davon ein Lied singen. Nun verschippern Temmy Ton, Bo Flower und DJ Schmiddlfinga 17 Tracks direkt aus dem Hamburger Hafen in Form eines Labelsamplers.

Nach einem Intro, das von Slang Daddy (aka Sleepwalker) gesprochen wird und einem folgenden DJ Interlude geht es gleich mit dem Schmuf Allstars-Track „OOH“ zur Sache. Auf dem zeigen sich sowohl Temmy Ton wie auch Bo Flower im Gegensatz zu ihrem letzten mir bekannten Release (Bo Flowers "Heile Welt") stark verbessert. Saubere Flows, nette Texte und eine energiereiche Hook. Auch Solo überzeugen mich Herr Flower und Frau Ton in „Das letzte Lied“ und „So Kanns Gehen“.  Produktionstechnisch ist ein Grime-Elektro angehauchter Track wie „Ich Komm Zu Dir“ für 0815 Hörer sicher gewöhnungsbedürftig, mich erfreut der Mut des Produzenten und vor allem das Talent von Temmy Ton, so einen Stampfer zu reiten. Technisch hohes Niveau. Auch Schmiddelfinga, der sich sowohl als DJ wie auch als Produzent und Rapper präsentiert, beweist textlich Charisma und hat eine Stimme, (und das wird er wohl nicht zum ersten Mal hören) die an Dendemann erinnert. Das ist aus meinem Mund ein Lob und da er einen komplett anderen, leicht ragga-angehauchten Style fährt, keinesfalls Byter-verdächtigt.
Man hält es real im Hause Schmuf, wie nicht zuletzt die Bo Flower-Kollabo mit Holger Burner, Biba, Any MC, DJ12 Finger Dan und DJ Cirkle  beweist. Getreu dem Motto „Früher war doch alles besser“ wird den alten Tagen nachgeweint. Ich finde das nachvollziehbar, aber ausgelutscht. Ebenfalls vor allem beatmäßig ein böser Griff in’s Klo ist „Verrückt“ auf einem 0815 Elektro Beat, gibt es keine textliche, wie auch keine musikalische Innovation. „Du bist Deutschland“ ist ein netter Versuch, politisch etwas auszusagen, der keinesfalls scheitert, aber auch wenig neue Sichtweisen hervorbringt. Die weiteren Tracks der Facelifter & Niles the Nightmare, der Razorblader, Spensa n Hill und  Jales & Knopf sind annehmbare Kost, aber hauen mich nicht vom Stuhl. Vor allem die Produktionen schrecken mich teilweise etwas ab. Etwas mehr Kreativität und etwas weniger dann doch sehr saubere Synthieklänge, hätte ich mir erhofft.

Alles in Allem gelingt den Schmuf Hamburgern dennoch eine interessante Kompilation, die hier und da Schwankungen aufweist. Nichts desto trotz ist es erfreulich, eine Kompilation zu hören, in der nicht Gangster das Wort führen, sondern MCs. Zwar machen sich mittlerweile wieder mehr Rapper auf den steinigen Weg, abseits der ausgetretenen Gangsterpfade der Industrie, aber Schmuf Hamburg sind vorne mit dabei. Ich bin gespannt auf neues Material. Wenn die Entwicklung ebenso positiv verläuft, wie nach dem Bo Flower-Album, dürfte vor allem an dem überaus talentierten Temmy Ton bald kein Weg mehr vorbei führen. Gelungener Sampler.

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