Sentino – „Ich bin deutscher HipHop“

Sentino, der Berliner Weiße mit Schuss, will mit „Ich bin deutscher HipHop“ ganz nach oben an die Spitze. In der Vergangenheit musste er zahlreiche Rückschläge einstecken, oft wurden dem Rap-Talent Steine in den Weg gelegt. Bei seinem Label 5 vor 12 aus Reutlingen hat er nun endlich die Rückendeckung erhalten, die er sich immer wünschte. Seit dem 20.10.2006 steht nun sein erster Longplayer in den Plattenregalen, bleibt abzuwarten, ob seine langjährige Arbeit die erhofften und vor allem reifen Früchte tragen wird.

Wer auf dieser Platte nach dem Namen von DJ Desue sucht, der wird garantiert nicht fündig werden. Persönliche Differenzen sorgten für den Split zwischen dem Berliner Produzenten und dem Rapper mit chilenisch-polnischer Abstammung. Desue bildet das neue Tag-Team mit Fler, aber Sentino holte sich neue, keineswegs unbekannte Produzenten mit ins Boot. Für die Produktionen zeigen sich Monroe, Shuko, Brisk Fingaz, Roe Beardie, DJ Ilan, Sti und Mad Skill verantwortlich.
Die von Droopy Goldberg und Bugati produzierte Single „Ich bin deutscher HipHop“ erschien bereits vor einigen Wochen mit einem innovativen Video. Sentino will mit diesem Titel auf keinster Weise verdeutlichen, dass er allein den HipHop in Deutschland regiert, man sollte ihm nur den notwenigen Respekt zollen und ihn mit auf der Rechnung haben. Der Hauptstadt-Rapper nimmt aber defintiv kein Blatt vor den Mund, was der erste Track „Zum Adel verpflichtet“ verdeutlicht. „Ein neuer König regiert das Land…“, wie viele Könige haben wir jetzt eigentlich? Wie auch immer, der Hörer wird von den ersten Liedern garantiert überzeugt sein. Mit Tracks wie „Jahre sind Tage“, „Judas“ und „Gehobene Klasse“ wird er zahlreiche Kritiker zum Schweigen bringen. Inhaltlich wertvolle und vielseitige Texte treffen auf melodische und perfekt passende Instrumentals: dieser Sound zählt unbestritten zur gehobenen Klasse.
Jeder Rapper lebt sein Leben, steht meist auf eigenen Füßen und geht seinen Weg. „Mein Weg“ ist wahrhaftig ein herausragender Song mit herausragendem Feature, Azad aus Frankfurt. Der Bozz überzeugt mit seiner absoluten Authentizität und Originalität auf ganzer Länge, Sentino rundet die ganze Angelegenheit gelungen ab. „Die Welt steht Kopf“ und „Danke dir Mom“ spiegeln Sentinos gefühlvolle Seite wieder; zwei gelungene Songs, die ein Longplayer mit Chartpotenzial beinhalten sollte.
Wer gibt einen Fick? Woher kommt der Typ? Sentino steht für Berlin und auf was er einen Fick gibt, beschreibt der Track „Berlin Berlin“. Allerdings gibt es eine Frage, die sich mancher Hörer am Ende des zweiten Parts stellen wird. „Ich kenn paar Typen, die Typen wie dich verprügeln, zum Paket verschnüren und Zack auf deinen süddeutschen Hügel…“. Wer sollte sich hiermit angesprochen fühlen?
Seine schon angesprochene Herkunft wird auf „Vater Staat“ repräsentiert. Menschen machen Fehler, die Politik macht Fehler, möge die Menschheit und das gesamte System aus den Fehlern lernen. Der Song „Horizont aus Gold“ muss ebenfalls aus einem bestimmten Grund angesprochen werden. Kein deutscher Rap-Fan würde vermuten, dass Roe Beardie dieses Instrumental beigesteuert hat. Eine absolut untypische aber überaus originelle Produktion des Headrush-Produzenten. Mit den Deutschrap-Hoffnungsträgern Megaloh und  Manuellsen als Feature-Guests beweisst Senti abermals, dass er keine halben Sachen macht und so werden „Catch mich“ und „Frühstück für Champions“ zwei  weitere Pluspunkt dieser Scheibe.

Dieses Album ist in jeder Hinsicht mit Superlativen gespickt, doch wie funktioniert es insgesamt, ist es Sentino gelungen einen Deutschrap Meinlenstein abzuliefern? Nun  „Ich bin deutscher HipHop“ wird der deutschen Szene gut tun. Nach sehr guten Alben von Azad, Optik Records, Manuellsen und Bushido, bringt nun auch Sentino ein Album auf allerhöchstem Niveau an den Start, wenngleich es für den Thron wahrscheinlich noch nicht ganz reicht. Nach all den Eskapaden der Vergangenheit, bleibt zu hoffen, dass  „Der Don“ dieses Mal für seine harte Arbeit und das entsprechende Engagement belohnt wird, denn verdient hätte er es auf alle Fälle.

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