Lord Scan – Ich Bin’s

Den Klan werden Einige der geschätzten User noch kennen – und den Mann, der für den Sound diese Rapcrew verantwortlich ist, vielleicht sogar vermisst haben. Doch nun ist Lord Scan, seines Zeichens nicht nur Rapper sondern auch Sprüher, zurück und beehrt uns mit seinem ersten Soloalbum – nach eben jenem Klan.
Auf diesem sind sämtliche Beats, sämtliche Texte sowie das gesamte Design vom Lord  höchstpersönlich erstellt worden und so gibt es hier garantiert 100 % Lord Scan. Fragt sich nur, ob der künstlerische Alleingang am Ende die richtige Entscheidung war?

Als ich die CD anfange zu hören wird sofort deutlich, dass Scan im Gegensatz zu den alten Kollegen Italo Reno und Germany den Klan-Wurzeln treu geblieben ist. Die Beats sind weiterhin sehr synthetisch und eigen. Zu Beginn des Albums geht das für mich noch sehr gut klar, aber am Ende der LP wünsche ich mir dann doch andere Beats, werden die dominierenden Synthieklänge für mich doch mehr und mehr eher zum nervtötenden Gefiepe, als zu hörbarer Musik. Doch dazu später mehr.

Doch da sind ja noch die Raps, und vor allem inhaltlich überzeugt der Lord auf ganzer Linie. Nach dem gelungen Opener „Ich Bin’s“ betriebt Der gute Lord mit „WähltLord Scan erstmal Eigenwerbung und die hört sich bei ihm so an: "Für den desolaten Zustand: Wählt Lord Scan/ Für kranken Funk aus dem Computer, bitte: Wählt Lord Scan/ Für den echt defekten Wahnsinn, Für die beste Rap-Dynamik/ Für den Flash und für die Panik rat‘ ich: Wählt Lord Scan…“

Die Argumentation stimmt, da bleibe ich doch gerne dabei und wähle Lord Scan.
Und das war sicher kein Fehler, „Flashbacks Teil 2“ verarbeitet die letzten Jahre und die Enttäuschungen, die Lord Scan erfahren musste. „ChromFinger“ ist die obligatorische Sprayer-Hymne, aber hier mal etwas anders als gewohnt. „Das Leben Ist Schön“ ist ein sehr persönlicher und stellenweise auch selbstkritischer Track, der mir gut gefällt und der deutlich macht, dass Lord Scan eine Persönlichkeit ist, welche durchaus Raps mit Aussage zu kicken weiss.

Das einzige Problem, dass ich mit dieser CD habe, sind die Beats, die mir teilweise etwas zu anstrengend sind. Es ist sicher nie übel, wenn eine Produktion den momentanen Trend völlig außer Acht lässt und ein eigener Stil vorhanden ist. Mir geht es in diesem Falle aber so, dass die Beats nur selten in den Hintergrund treten und stets dominant zu hören sind. Selbst nach mehrmaligem Hören erschließen sich mir manche Harmonien überhaupt nicht, was dazu führt, dass mir der Beat fast schon als Geräuschkulisse vorkommt.

Doch der erfrischend andere Rapstyle des Lords und die inhaltliche Stärke machen diese LP zu einem hörenswerten Album. Bei vielen Tracks geht der komplett eigene Stil des Minder Urgesteins wunderbar auf, an einigen Stellen eben eher weniger.
Dennoch wünsche ich mir mehr Künstler von diesem Format, die das Talent und den Mut haben, etwas Eigenes zu erschaffen. Also seid doch so nett und wählt Lord Scan.

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