Tanya Morgan – Moonlighting

Wenn sich drei MCs zu einer Gruppe zusammen tun ist das nichts Besonderes. Wenn diese drei MCs ein Album aufnehmen auch nicht.

Wenn diese drei MCs ihrer Band aber den Namen „Tanya Morgan“ gegeben haben, wird das alles interessant. Um nicht zu sagen etwas abstrus. Wenn sich diese drei Herren zusätzlich noch im Internet kennen gelernt haben und auch noch die Hälfte ihres Debütalbums übers Netz produziert haben, verspricht die ganze Sache dann so oder so interessant zu werden.
Zunächst haben es Pea, Illyas und Donwill aber erstmal „nur“ bei dem seltsamen Bandnamen belassen und ihr Debütalbum schlicht „Moonlighting“ getauft. Auf dem hört man den Jungs aus Brooklyn und Cincinnati einen deutlichen Native Tongue Einfluss a la Tribe Called Quest oder De La Soul an.

Wer sich an den De La Klassiker „De La Soul Is Dead“ erinnern kann, wird sogar beim Albumkonzept Parallelen finden: Da macht ein Tape in bester Bäumchen-Wechsel- Dich Manier von Hörer zu Hörer die Runde und bleibt dennoch bis zum Schluss unverstanden.
Spätestens bei den Produzentennamen hört dann aber zunächst die Gemeinsamkeit mit den ursprünglichen Native Tongues auf, denn nicht Pete Rock oder Jay Dilla haben die Beats gelacet sondern Brickbeats und the Beatmaker.
Deren Instrumentals kommen nun aber wiederum so jazzy und entspannt, dass es diese auch locker Anfang der 90er hätte geben können und sich der Kreis so schon fast wieder schließt.
Wenn dann die drei MC in “Ode to Tanya” keinesfalls ihre Crew representen, sondern sich vielmehr gegenseitig battlen, um die Gunst einer Lady Namens (Überraschung): „Tanya“ zu gewinnen, ist es für mich durchaus vorstellbar, dass Pea, Illyas und Donwill 1991 durchaus bei jener „Roller Skating Jam Named Saturdays“ von De La Soul am Start gewesen wären.

Um noch kurz bei De La zu bleiben, Dave, Maseo und Pos hätten Tanya Morgan ganz sicher auch nie „Kicked Out The House“, denn ein Tracks wie „We Right Here“ hätte ihnen sicherlich bestens gefallen. Nicht nur wegen der catchy Hook mit übrigens ungepitchtem(!) Vocalsample, entspannt vorgetragenen Reimketten und eben jenem Humor, den wohl nur Leute entwickeln können, die ihrer Band einen Frauennamen geben, sammeln Pea, Illyas und Donwill eifrig Pluspunkte beim Hörer.

Spätestens bei „We Right Here” dürften alle, die bei Tanya Morgan zunächst auf eine Neo Soul oder R’N’B Sängerin hofften, maßlos enttäuscht sein, während Rapfan ein Wiedersehen mit dem Beginn der Neunziger feiern: Ein minimalistischer Beat bestehend aus knochentrockenen Drums, hübsch gesampelten Bläsern, dazu eine melodiöse Hook, smoove Flows und clevere Rhymes. Bitte was will man mehr?

Vielleicht einen völlig durchgeknallten Reggeatune Namens „Just Cause I Got Locks”, in dem es um die Probleme von Menschen mit lockigem Haar geht, die nur wegen der Frisur von ihren Omas für Mädchen und vom Rest der Welt für Bob Marley gehalten werden…
Zu Beginn ihres Album erklären Tanya Morgan durchaus hochtrabend: “The last time Brooklyn and Cincinnati got together a classic was made… ”
Wahrscheinlich werden sich die Herren aus- wie sie sagen „Brooklinnati“, damit abfinden müssen, dass es soweit dann doch nicht reicht. Aber dennoch ist „Moonlighting“ ein sehr gelungenes Debütalbum, das die von Bands wie Little Brother wieder Salonfähige gemachte Native Tongue Tradition weiterführt. Also Backpack aufgezogen und reingehört.

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