Jaques Shure, DUB, AK.a, Ramean, Def Low, Game Dogg – Rookie Roundup Volume 4

Ja, es ist mal wieder Zeit und ja, es hat diesmal etwas gedauert, doch nun präsentieren wir Euch mal wieder voller stolz das Rookie Roundup Volume 4. Wie die Sonne im Frühling sind wir mal wieder zurück und schreiben über die CDs der Künstler, die noch keine Videos auf den beliebten Klingeltonsendern- geschweige denn Klingeltöne überheupt in den Ringtonecharts haben. Aber sowas kann sich ja bekanntlich schnell ändern…
Der Grund für einen langen Winter fast ohne Rookie Roundup ist sehr einfach. Die Anzahl der guten und beschreibungswürdigen Demos, lässt in letzter Zeit etwas nach. Nichts desto trotz sind hier ein paar CDs, bei denen es einem warm um’ s Herz werden lässt. Ganz so wie es im Frühjahr sein soll.
Dieses mal erfreuen uns die Releases der Herren Jaques Shure, DUB, AK.a, Ramean, Def Low und Game Dogg.

Den Anfang dürfen die wahrscheinlich jüngsten in unserer Rubrik machen. Die Herren JayJay und Felix Flav aka Def Low präsentieren auf ihrem Debütalbum in 14 Tracks jede Menge Humor und Ironie auf guten bis mittelmäßigen Beats. Erfreulich ist, dass die Jungs (nach meinen Informationen sind sie zwischen 19-20 Jahre alt) einen eigenen Stil haben- auch wenn an diesem noch zu feilen sein wird. JayJay‚ s Humor begrüße ich zwar zunächst, aber er wirkt mir teilweise dann doch einfach zu angestrengt und Ironie im Übermas muss nun auch nicht sein. Vor allem wenn sie dann so gezwungen wirkt wie etwa in  „Traum“. Auch an den Reimen sollte vielleicht noch etwas gearbeitet werden, denn der Zwang sich zu reimen, scheint mir da manchmal die oberste Devise zu sein.  Dennoch sehe ich für meinen Teil  die beiden Herren auf einem guten Weg. Für ein Debütalbum ist das unter dem Strich dann doch recht ordentlich. Sollten sie am Ball bleiben, dürfte Münchens Rapzukunft nicht die schlechteste sein.

Schon etwas länger am Mic ist AK.a. Sein neuestes Album trägt den Titel „Klänge Der Erinnerung“ und ist- was nach einem solchen Titel auch irgendwie klar ist, ein Stück eher deep gehaltener Rap. AK.a selbst gibt- so die Presseinfo, recht wenig auf die Tendenzen und Trends der deutschen HipHop-Szene. Das ist sicher ein guter Ansatz, aber andererseits behauptet das jeder 2. Rapkünstler zur Zeit und so klingen dann auch die Alben.
Doch nun zur Musik. Zunächst will ich einige lobende Worte über die Produktionen von Waes, DJ Spinback, Sladeea, den Megaheadz und Absolude verlieren. Dank ihrer durchweg verschiedenartigen Beats wird das Album abwechslungsreich. Es trifft nun nicht jedes Instrumental meinen Geschmack, aber Abwechslungsreichtum ist immer begrüßenswert und Totalausfälle gibt es auch keine zu verzeichnen.
Leider trifft Abwechslungsreichtum nur bedingt auf den Flow von AK.a zu. Etwas mehr Variabilität und verschiedenartige Reimschemen hätten das ordentliche Debütalbum des Recklingshauseners noch deutlich aufgewertet. Auch thematisch ist vieles gut gemeint, aber das ist und bleibt dann doch  das Gegenteil von gut gemacht. Tracks wie „Wo Ist Rap“ oder „Arbeitstitel Wochenende“ stechen positiv aus einer Ansammlung von Titeln über Rap oder Rapper hervor. Auch wenn er über andere Thmen rappt, bedient mir AK.a zu viele Kliches und wirklich Neues kommt nicht bei rum.
Etwas überladen wird das Album mit unzähligen Filmzitaten. Sowas finde ich ja prinzipiell Klasse, aber wenn vor jedem Track ein Zitat kommt, nervt das dann doch irgendwann. Dennoch eine nettes Album, viel Anstrenhung, Liebe zur Musik, gute Ansätze aber noch nicht der ganz große Wurf.

Über Ramean heisst es auf der Homepage seines Labels: Der Persisch abstammende MC mit dem Namen "Ramean" ist alles andere als der typische Deutsch-Rapper! Mit immer wieder neuen Innovationen begeistert er sein gesamtes Umfeld und verliert dabei trotzdem nicht den Blick für das Wesentliche! Mit seinem Style und einem immensen Selbstvertrauen zeigt er auf seinen, größtenteils sogar selbst produzierten Beats ein enormes Potential an zukunftsfähigem Deutsch-Rap! Wer seine Songs hört, spürt schnell wovon hier die Rede ist. Rock on !
Das verspricht viel und in Sachen Professionalität lässt sich dem Artwort seines Album schon entnehmen, dass der MC aus Braunschweig noch einiges vor hat und dass er auf einem guten Wegzu sein scheint.
Nur noch ist nicht alles Gold was da glänz. In Sachen Flow geht bei Ramean einiges, aber ganz sicher nichts außergewöhnliches. Wortwitz würde ich mir stellenweise mehr wünschen. Gerade in dem der storrytelling Track „Du Hast Den Falschen Ausgesucht“ wirkt mancher Reim sehr gezwungen. Mich stört am Ende des Album, dass sich die Produktion und die Raps auf einem ordentlichen Level bewegen aber andererseits auch nichts wirklich unerwartetes mehr geschieht.
Doch genug der Kritik, Ramean ist auf einem sehr guten Weg. Thematisch weiss er mich zu überzeugen. Lange habe ich kein Album mehr gehört, in dem so wenig über die Rapszene gesprochen wurde und der MC bewiesen hat, dass er mit offenen Augen durch die Welt geht und es durchaus versteht Ereignisse in Reime zu packen. Danke dafür, ich bin mal gespannt, wie der nächste Release wird.

Game Dogg hat mich mit seiner CD „Süheyl“ vor echte Probleme gestellt. Das Album des Müncher MCs ist komplett auf Türkisch. Das ist kein Problem, aber netterweise gibt auch das Layout der CD keinerlei Infos her, worum es den nun inhaltlich auf dem Album geht. Aber was auch immer es sein mag, es wird stellenweise verdammt gut präsentiert. „Kabus Flex“, „Inle“, „Türkstar“ aber auch „Annam“ sind Tracks, die ich flowwise in der ersten Rapliga einordnen würde. Teilweise rappen Game Dogg und Gäste sogar gekonnt Doubletime- sehr schön sag ich da. So was wünscht man sich doch von den Newcomern in dieser Rubrik.
Die Produktionen kommen auch ordentlich rüber und basieren teilweise auf orientalischen Samples, auch das ein oder andere Synthiebrett ist zwischendurch anzutreffen. Totalausfälle verzeichne ich keine und so bleibt mein einziges Problem, wenn man es denn so nennen will, die Sprache…
Hätte ich Game Dogg verstanden und er wäre inhaltlch so variabel geweßen wie er flowt, wäre er sicher ein ernsthafter Anwärter auf den ersten Platz dieser Rubrik gewesen, so scheitert er an der „Sprachbarriere“…

Als nächstes und auf dem zweiten Platz dieser Ausgabe haben wir mal wieder einen Künstler aus dem Roaster von „Skyline Records“ aus Frankfurt.
DUB heisst der Mann und seine EP ist nicht nur mit „Unaufhaltbar“ betitelt sondern das gilt auch für den Durchmarsch dieser CD in dieser Sektion.
Neben dem gewohnt satten Klang und höchst unterschiedlichen Beats von DJ Hard2Def, Dino und Mr. Shack kommt DUB mit souveränen Flows. Auch thematisch wird dem Zuhörer einiges geboten. Gemeinsam mit Giova erklärt der MC aus Frankfurt: „Ich bin Assi“. Das artet nun aber nicht in peinliches Gefronte aus, sondern ist neben saftigen Punchlines auch der ausgestreckte Mittelfinger für alle Hater im Internet und sonst wo .
Der Titel „Kalte Welt“ spricht ja eigentlich für sich. Wieder rappt Giova mit und wieder gibt es deutliche Ansagen, nur geht es diesmal eben um die Gesellschaft und die Rücksichtslosigkeit und Kälte der Menschen untereinander.
Der für mich beste Track der EP ist zugleich der persönlichste der ganzen CD. „Migawari“ kommt auf einem entspannten Beat und DUB zeigt sich nachdenklich, dazu kommt eine vom MC selbst eingesungene Hook (!) und der Track mit der besten Atmosphäre dieser EP  ist für mich klar. Wahrscheinlich ist dieser Track sogar das gelungenste Lied, das ich diesesmal in dieser Ausgabe hören durfte.
Spätestens nach dem Ende des Schlusstracks "Migawari" hat DUB bewiesen, wie facettenreich auch eine EP sein kann und dass es bestimmt kein Fehler ist, 7 gute Tracks auf eine CD zu packen und auf Lückenfüller zu verzichten. Schönes Ding, man ist ja fast versucht zu sagen: „Bewährte Skyline Qualität“.

Der Sieger dieser Ausgabe heisst diesmal Jaques Shure und sein Vorsprung gegenüber der Konkurrenz ist zwar knapp, aber durch großartige Produktionen, Flowsicherheit und eine inhaltliche Vielfalt und Stärke sehr gut begründbar.
Wer annimmt hinter dem französischen Namen "Jaques" stecke ein MC aus der Grande Nation, wir erstmal enttäuscht sein, wenn ich die Herkunft von Herren Shure aufdecke. Der MC, der sich laut Pressetext nicht scheut auch mal ein Pferd zu verspeisen, kommt aus Heilbronn- also Baden Württemberg und gehört dem dortigen Künstlerkollektiv Wortsport an.
Was seine 5 Tracks umfassende EP vor allem auszeichnet sind deutliche und vor allem teilweise unbequeme Ansagen. Das fängt im Intro an, das hier Nitro heisst. Hier zeigt Jaques, dass es durchaus noch MC in Deutschland gibt, die Respekt vor den Anfängen der Kultur und den Pionieren haben. So erwähnt er den Deutschrap Urvater Torch und fragt in die Runde, wer  denn bitte überhaupt noch eben jenen Mann kennt? Im weiteren geht es in diesem Track dann um Berlin. Die kritische Haltung Jaques gegenüber unsere Hauptstadt und der dortigen Rapszene finde ich teilweise überzogen, wenn auch nicht völlig unverständlich. Mit den Sidos, Bushidos und Aggro Berliner kann er nicht viel anfangen. Muss er auch nicht, nur scheinen viele Heads außerhalb Berlins die durchaus gegebene Vielfalt der Szene unserer Hauptstadt nicht zu sehen.
Sei’s drum, ein Track wie „Stop“ macht all das vergessen, auf einem Brett von Beat erzählt Jaques wie es in seinem Club zugehen würde- oder besser vor der Tür. Da ständen nämlich jede Menge aufgedonnerte Chicks im Mini und ihre Macker "im schlichten weisen T-Shirt in xxl"  und kämen nicht rein, weil sie in Jaques  Club  „fehl am Platz sind wie Lackschuh“. Sehr schön, Jaques Club gefällt mir.
Ebenfalls erwähnenswert der Track "Er & Er". In diesem Lied geht es um das Verhältnis und das Leben eines Vater und dessen Sohnes. Mit stellenweise sehr interessanten und gut durchdachten Zeilen sammelt Jaques einen weiteren Pluspunkt.
Apropos Pluspunkt, die Produktionen aus dem Wortsport-Produzentenlager sind allesamt großartig ausproduziert und ebenso vielseitigkeit wie auch musikalisch gelungen.
Was bleibt zum Schluss?  Ein guter MC, eine hörenswert EP, großes Kino: Happy End.

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