B.A. Child – Extended Player

München ist seltsam: Auf der einen Seite Synonym für Bullenschikane und Schickeria, Hauptstadt des wohl ungemütlichsten Bundeslands für Kiffer, Skater und alle, die nicht nach BWL-Studium aussehen. Auf der anderen Seite Geburtsort und Heimat bouncender Beats mit guten Flows, wie man sie in Restdeutschland oft schmerzlich vermisst. Populärstes Beispiel sind wohl Blumentopf, die vor Jahren aus dem tiefen Süden heraus ihren Siegeszug durch die Republik antraten.

Ob die Luft oder doch eher das Wasser für den speziellen Münchner Flow verantwortlich sind spielt eigentlich keine Rolle, solange das Ergebniss stimmt. Und das tut es bei B.A. Child auf jeden Fall. Auf seiner Debut-EP "Extended Player" präsentiert der MC 6 Tracks, die es in sich haben. Entstanden ist die Platte nicht an einem Stück, die Tracks sind über einen Zeitraum von 6 Jahren aufgenommen worden und spiegeln sehr unterschiedliche Lebenssituationen wieder. Dem Gesamtwerk tut das aber keinen Abbruch, im Gegenteil sorgt der zeitliche Abstand in der Entstehung für Abwechslung ohne dass die Platte in Einzelteile zerfallen würde.

Die Scheibe hat nicht nur interessante, groovige Beats, die zum größten Teil von Davin Stiles und Lex LeRoi produziert wurden und auf die souverän und abwechslungsreich gerappt wird, sie hebt sich auch inhaltlich angenehm von 0815-Ramsch ab. Intelligente, authentische Texte ohne BlingBling-Gepose, ein Spektrum von Battle ("Die Wende") über Lovers bis zu philosophischen Hymnen auf das Leben selbst, ein paar sehr feine Combinations u.a. mit der Sängerin Cecile auf "Hassliebe". Persönliches Highlight ist der letzte Track, "Popshit/La Vie", ein französisch/deutscher Tune gesungen mit Emilliano & Shelm auf einem leicht melancholischen Beat. Zu guter Letzt ist die EP auch noch sauber produziert worden, der Sound ist klar, die Bässe druckvoll, nicht unbedingt der Standard für so kleine Produktionen, die ohne eigenes Label im Rücken produzieren. Und um den ganzen noch einen aufzusetzen kann man sich auf der Homepage von B.A. Child auch noch einen Vorgeschmack auf die EP holen.

Insgesamt ein sauberer Einstieg – We wait for more

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