Sway – This Is My Demo

Es ist schon lustig. Während das 22-jährige UK Raptalent Sway auf der einen Seite von Kritikern, die sich selbst wohl als open minded und vorwärts gewandt sehen, über alle Maßen gelobt wird, sehen die Gralshüter der wahren und guten HipHop im Falle von "This Is My Demo" rot. Und beide haben sie Recht.

Zunächst legt Sway auf seinem Demo, das natürlich keines Falls seine Demo ist, im ersten Track „This Is My Demo“ gleich los wie nix Gutes und haut dem Zuhörer Grime-typischen Doubletime-Rap der Sonderklasse um die Ohren. Aber das ist längst nicht alles. Sway kann auch wortwitzig sein. In „Hype Boys“ beweist er sich als Lyricist vor dem Herren. Beispiel gefällig: “lies spread around like viruses/so how can I survive in this / even the truth lies – in people’s irises”.

Dazu kommt, dass sein Debütalbum eine inhaltliche Track-Bandbreite aufweist, die von Anti-Gangster (Hype Boys) über zerrütteten Beziehungsverhältnisse (Pretty Ugly Husband)  zu den Folgen von illegalen Downloads (Download) bis zum obligatorischen Liebeslied (Month In The Summer) reicht. Dabei überzeugt mich Sway raptechnisch über alle Maßen. Von abwechslungsreichen Reimschemen im Midtempobreich bis zum energiegeladenen grimetypischen Highspeedrap wird alles geboten. Wie Sway dazu in „Little Derek“ mit seiner Stimme spielt, ist dabei ebenso originell, wie auch innovativ.
Da, wo Kollege Kano mich etwas enttäuscht hat, überzeugt mich Sway. Er hat seine musikalischen Wurzeln, also den Grime, nicht vergessen, zieht das Ding aber so durch, dass auch weniger offene Zuhörer nicht vor den Kopf gestoßen werden.
Zwar sind die zumeist elektronisch gehaltenen Produktionen nicht das Beste und Innovativtse, was ich aus dem UK jemals gehört habe, aber dann doch OK. Immerhin hat Sway einen Beat vom Grime Topproduzentenm Terror Danja abstauben können und das heisst was…
 
Aber es gibt auch Schwächen auf Sways Album. Teilweise werden die Hooks gesungen, was nun nicht per se schlimm sein muss. Wenn es dann aber zu soft, popig oder im schlimmsten Fall sogar sülzig wird, missfällt mir das sehr und passt nach meiner Ansicht auch nur bedingt zu dem Gesamtkonzept vieler Tracks.
Leider driftet Sway vor allem am Ende seines Album in Tracks wie „Back For You“, dank klebrig-sülziger Pophooks, in ebene jene vorher angedeuteten Gefilde.

Pound Is Stronger Then The Dollar“ sagt Sway – und da hat er Recht. Leider ist das Pfund auch um einiges stärker als der Euro. Gerade in Deutschland wird es wohl keinen 22-jährigen geben, der über solches Reimtalent verfügt wie er.

Somit ist Sways Album mehr als ein weiteres Album aus dem UK, das die Grime-Welle surft. Nein „This Is My Demo“ ist ein nächster Schritt in eine eigene neue Richtung.
Hätte Sway sein Album etwas weniger poppig gehalten, wäre er ein ernsthafter Anwärter auf den Thron der UK-Grime/Rap-Szene gewesen. So bleibt Dizzee Ras da erstmal sitzen und Sway darf der Roll Deep Crew weiter beim Thron-sägen helfen.

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