Caiman – Blau Luxemburg

Dunkel und grau ist die Welt da draußen. Depressionen allerorts und gesichtslose Personen schleichen umher. Nein, ich beschreibe nicht, was ich gerade sehe, wenn ich aus dem Fenster in den zu lang geratenen Winter in diesem Land schaue, aber es würde irgendwie passen.

Diese Atmosphäre findet man auch bei dem neuen Album des Frankfurter Rappers Caiman wieder. Mittlerweile Wahlberliner, hat er sich mit „Blau Luxemburg“ ein Alter Ego geschaffen, das versucht in einer Welt klarzukommen, die ihm zunächst sehr feindlich erscheint.
„Blau Luxemburg“ ist ein Konzeptalbum, auf dem sich Songs und kleine Skitz abwechseln und die Handlung Schritt für Schritt vorantreiben. Die Geschichte zeichnet ein düsteres Bild unserer Welt, in der Blau versucht sich gegen seine Umwelt zu wehren – er traut micht mal mehr seinen Freinden – und sich dabei selbst treu zu bleiben. Es fängt damit an, dass er auf einem Bahnhof aufwacht, ohne zu wissen, wie dort hingekommen ist und unsanft vom Bahnpersonal rausgeschmissen wird – der Trip beginnt!

Blau hat das Gefühl, dass sich alles und alle gegen ihn verschworen haben, hat Stress mit seinem Chef, mit der Polizei und befindet sich schließlich auf der Flucht mit dem Zug aus der Stadt raus, als er im Waggon einschläft und im Traum ein Wesen sieht, dass wie ein Alligator aussieht, aber sprechen kann.
Dieses Wesen beantwortet ihm Fragen zu seinem Leben und gibt ihm letztlich den Rat, sein Ego z.B. durch das Rappen aufzuwerten und immer an sich selbst zu glauben. Nur so kann man etwas ändern in der Gesellschaft. Blau Luxemburg schöpft daraus Mut, sich endlich gegen die Regeln dieser Gesellschaft aufzulehnen und sich ein Netzwerk aufzubauen, um nicht alleine darzustehen. So kommt es im letzten Track dann zum großen Finale, dass solltet aber jeder selbst rausfinden.

„Blau Luxemburg“ ist eine komplexe Scheibe, mit der man sich schon intensiver befassen muss. Caimans Rapps sind mal tiefgründig und nachdenklich, mal aggressiv und direkt, immer dem Handlungstrang und der dazugehörigen Stimmung folgend. Das gilt genauso für die musikalische Untermalung, die von verspielt melodiös bis zu düster schleppend, sämtliche emotionale Facetten abdeckt. Für Punchline-Liebhaber und Fans von „Spit“-Fanatiks ist „Blau Luxemburg“ sicherlich nicht das richtige. Hier geht es darum, sich voll und ganz auf die Geschichte und deren Charaktere einzulassen und sich auf einem Trip, tief in die Welt von Blau Luxemburg zu begeben.

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