Blackbox, Pera Susu & DJ Crates, Delegation, DBC und Giovandino – Rookie Roundup Volume 3

Deutschland sucht den Superstar!?!?
Falsch – rap.de sucht den Rookie der Ausgabe!
In der 3.Ausgabe unserer allseits beliebten Rookie Roundup-Sektion standen die Werke der Herren von Blackbox, Pera Susu & DJ Crates, Delegation, DBC und Giovandino zur Debatte. Eine schöne Runde kam diesmal zustande und das Finden eines Siegers verlief dementsprechend schwierig. Ausfälle gab es in dieser Ausgabe keine zu vermelden. Schön war zumal die musikalische Bandbreite der vorliegenden Releases. So dürfte ein jeder HipHop-Fan mindestens ein passendes Release unter den Rezensierten finden.

Beginnen wollen wir mit einer Crew, die in der Nähe von Bonn ansässig ist und sich Blackbox nennt. Ehrlich gesagt bin ich der Meinung, dass AggroBerlin genügend Diss-Songs verkraften musste und mittlerweile klar gestellt worden ist,  dass ein Kokain-Flash nicht cool ist. Das tun Isme, Lanze und Spell Supreme auf ihrer EP direkt beim ersten Song „Dein Block“, der in der Hook propagiert, dass man den Block des Maskenmanns abziehen wird, ein weiteres Mal. Außerdem trachtet man nach Sido’s Maske und betitelt ihn und seine Labelmates als Popstars. Ansonsten zeichnet sich die EP durch die pumpenden Beats von DJ Noplan aus, die nicht das Nonplusultra darstellen, jedoch durchaus den ein oder anderen Hüftschwung nach sich ziehen. Raptechnisch zeigen die Herren MC’s eine solide Vorstellung, versagen jedoch bei der inhaltlichen Komponente, die nicht über den Standard hinaus kommt. Vorrangig beschäftigt sich die EP mit Representen und Prahlen.„Morgen“ ist die Ausnahme. Ein deeper Track,  der dem Zuhörer vermitteln will, dass dieser sein Schicksal selber in der Hand hat und tun und lassen kann, was er will. Keine Neuerfindung, dieses Thema aber ein solider Track auf einer soliden EP.

Der folgende Release besticht im Allgemeinen durch seine lyrisch dargebotenen Ergüsse. Für ein Debütalbum ist ein Tracklisting mit ganzen 17 Songs zuzüglich 4 Interludes eine gute Leistung. So hat der Zuhörer die Möglichkeit, sich ein genaues Bild von den Fähigkeiten des Künstlers / der Künstler zu machen. Das akustische Treiben des Siegener MC’s Pera Susu und seines Produzenten DJ Crates kann man getrost mit zwei Worten zusammenfassen: deeper Conscious-Rap. Jedoch sagt dieses Unterfangen nicht automatisch etwas über den qualitativen Output eines MC’s aus. Zwar mag Pera Susu seinem Gewissen und Herzen freien Lauf geben und mit der Absicht, dem Zuhörer etwas Großartiges zu übermitteln, an das Album ran gegangen sein doch kratzen seine Raps oftmals nur an der Oberfläche ohne wirklich Tiefgründiges zu offenbaren. Seine Metaphern mögen in dieser Konstellation relativ selten im Kontext des deutschen Rap-Biz vorkommen, werden aber durch seinen teilweise äußerst anstrengenden Flow und seine eintönigen Reimschemen deklassiert. Das Material ist wirklich nicht schlecht, reiht sich aber eher in der Mittelmäßigkeit ein. Wirklich großes bietet „Geborgenheit“, das Nazz’n’Tide-featurende „Hunger“ und „Pegasus“. In Bezug auf die Produktion hat DJ Crates einen soliden Job gemacht, der den lyrischen Output von Pera Susu gekonnt zu tragen weiß. Hier stechen besonders die Beats zum eben schon erwähnten „Pegasus“, dem ersten „Interlude“ und „Aufbruch“ heraus. Kein schlechtes Werk, dass jedoch über die komplette Spielbreite etwas eintönig und unausgereift erscheint. Gutes Feature sind zumal die im Booklet vorhandenen Songtexte.

Mit einem gut durchdachten Artwork, dass keine eindeutige Aussage über das inhaltliche Treiben der Protagonisten der Delegation zulässt, kreiert dieses Album schon vor dem Konsum eine gewisse Spannung. Die Delegation, bestehend aus dem Mainzer Rolex und der Koblenz-Connection rund um hiobMC, dem Produzenten Mystik Manners und DJ ep, zeigt sich auf ihrem Album äußerst kompromissbereit. So beinhaltet „Command & Conquer“ eine Vielzahl von Stimmungen. Zwischen repräsentativem Material und Battle-Attitüden sticht hauptsächlich die sogenannte „Deepness“ heraus, die sowohl Rolex als auch hiobMC hervorragend zu bedienen wissen. So kann man Stücke wie „Steh Auf“, „Angst“ und „Freundschaft“ bedenkenlos abknicken und getrost als anregendes Input verzeichnen. Auch in Puncto Storytelling, Wortwitz und anregende Punchlines wird der Zuhörer mit durchaus kreativem Material bedacht („D.o.p.e.=MC³“, „Buddy Beck’s“ & „V.I.P.“). Leider bewegt sich die Produktion nicht ganz auf dem Level der MC’s, was dem Ganzen jedoch keinen Abbruch tut. Erwähnenswert sei zudem der MC J2K, der auf „Angst“ mit seinem kompletten Flow und einer überzeugenden Delivery Akzente setzt.

Nun sollte man ja nicht annehmen, dass es in Braunschweig im Bezug auf HipHop nichts zu holen gibt, denn die Jungs der DBC (Die Beathaviour Clik) kommen genau aus dieser unscheinbaren Stadt. Vor Jahren konnte ein Act aus ihren Reihen sogar einen Major-Deal mit Def Jam Germany verbuchen. Jetzt kommt die Crew rund um Nix, DNS, IQ und DJ FX mit ihrem Streetalbum daher, um Braunschweig auf der Karte zu  platzieren. Dieses Unterfangen kann man getrost als gelungen abhaken, denn bei diesen Jungs lässt sich feststellen, dass sie schon etliche Jahre mit HipHop verbracht haben. Ihre Flows sind gefestigt, die Delivery klar und die Aussagekraft sowie der Wortwitz sind auch reichlich vorhanden. Auf ihrem Streetalbum haben sie sich keine Schranken gesetzt und rappen eigentlich freudig über alles, was ihnen gerade in den Sinn zukommen scheint. Repräsentatives muss auf einem Streetalbum natürlich immer massenhaft vorhanden sein ähnlich wie Battle-Tracks aber auch im Bezug auf introperspektives Material wird der Zuhörer fündig. „Durch Die N8“ ist ein sehr gelungenes Beispiel. Die Beats bestehen teils aus eigenen und teils aus Ami-Prduktionen, die für Streetalben ja relativ üblich sind. Hierbei hat man eine gute Auswahl getroffen und so ein breit gefächertes Soundspektrum kreiert, welches von Down-South-Rhythmen bis hin zu kopflastigen East-Coast-Produktionen reicht. Zu erwähnen seien auch die hervorragenden Cuts von DJ FX, der einen hervorragenden Job macht. Warum man am Ende noch auf „Starboy“ in Richtung Harris (wenn auch nicht namentlich erwähnt) schießen muss, ist mir jedoch nicht ersichtlich. Trotzdem ein guter Release, der mit Sicherheit unter der Hörerschaft weitere Erwartungen wecken dürfte.

Und schon sind wir am Ende der 3. Ausgabe unseres Rookie Roundup angelangt. Die Gewinner dieser Ausgabe kommen aus der Mainmetropole Frankfurt. Mit Skyline Records ist ja vor geraumer Zeit ein neues Label an den Start gegangen und mit Giovandino’s "Flashbackz" erweitert man dort nun die noch sehr kurze Diskografie des Labels. Die beiden MC’s Giova und Dino sind im eigentlichen Sinne keine Rookies mehr, was man sowohl aus ihren Lebensläufen als auch aus ihrem reimtechnischen Schaffen ersehen kann. Das Debüt präsentiert sich mit gefestigten Flows, komplett ausproduzierten Beats und der gewohnten Frankfurter Härte. So finden sich neben Kampfansagen im Stil von "Front Mich", "In Den Dreck" und "Attacke" aber auch tiefgründige Lyrics auf "Drama", "Mein Glauben" und "Kraft". Die Beats sind eher von der düsteren Sorte mit einer gewissen mystischen Komponente, die oftmals durch die Nutzung von Streichern intensiviert wird. Äußerst empfehlenswert sind zudem die Crew-Cuts "Pacman" und "Übernahme", die gekonnt das Potential der Kollegen JMF, Cass, AJ, Styl Bik und U.S.I. unter Beweis stellen. Ein kleiner Minuspunkt lässt sich am Ende jedoch ausmachen. Das Album mag sehr professionell daher kommen, was das reimtechnische, als auch das musikalische Können anbelangt. Jedoch wünscht man sich, in Bezug auf die Texte noch etwas mehr Flexibilität und Kreativität.

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