Mike Crush – Halbum I

Nein, dass Cover des „Halbum I“ des in Frankfurt ansässigen Mike Crush sagt nichts über seine musikalische sowie lyrische Ausrichtung aus! Das blaue Auge der Lady wurde nicht durch Gewalt herbeigeführt, soviel ist sicher. Es kann ziemlich Zeit-intensiv werden, wenn man sich den Kopf darüber zerbricht, was dieses Bild denn schlußendlich aussagen soll. Metaphorisch betrachtet dürfte es sich auf die kraftvolle Art, wie Mike seine Lines an die Zuhörer richtet, beziehen. Denn was das ehemalige Mitglied der Gruppe Red Rum mit seinem Debütalbum vom Zaun reißt, ist nicht von schlechten Eltern.

Wer das splash! 2005 aufgesucht hat, könnte zu dem Zeitpunkt schon mit dem „Introducing Mike Crush“-Flyer konfrontiert worden sein, der von der Spieldauer einem Mixtape glich. Hier machte Mike klar, was die Rapwelt von ihm zu erwarten hat. Mit „Schlagzeilen“ hat er einen gewagten „publicity stunt“ hingelegt, in welchem er sich auf humorvolle Weise mit futuristischen Geschehnissen innerhalb der HipHop-Szene auseinander setzt. Ähnlich wie 50 Cent, der ein vergleichbares Konzept auf „How To Rob An Industry N***a“ nutzte, hat Mike Crush keine Skrupel gezeigt, große Namen zu nennen. So werden hier unter anderem die Massiven Töne, Curse, die Beginner aber auch Sido und Aggro-Berlin durch den Kakao gezogen.

Auch das „Halbum I“ geizt nicht mit anstößigen Wortspielen und einer Menge Humor. So kam es, dass Mike sich Gedanken gemacht hat, wie sein Leben als grauer Greis wohl aussehen mag. Mit „Opa Gangsta“ stellt er die These auf, dass man im hohen Alter mit einer gehörigen Portion HipHop im Blut nicht verlernt haben muss, wie tief die Baggys zu hängen haben oder wie man eine Chai klar macht. Beim Bonustrack „Nur Für Die Demo“ ereilte ihn die Vorstellung, dass bei einem seiner Auftritte nur Crack-Headz am Start waren, die jedoch durch den kalten Entzug noch während des Auftrittes das Zeitliche segneten. Der Humor mag vielleicht nicht Jedem zusagen. Zumindest wird es nicht langweilig.

Ernstere Töne finden sich hingegen auf „Ticken“, welches seinen alten Partner Üba3ba featuret und sich äußerst sozialkritisch mit der Jugend und deren Arbeitsmöglichkeiten beschäftigt. An den Reglern des Aschaffenburgers P (u.a. verantwortlich für Jonesmann’s „Fick Dich“) entstand „Geb Nicht Auf“, welches ein ungewöhnliches Feature von Blaze sportet. Dieser nahm neben einem Vers noch die komplette Hook auf – besser noch – er sang die Hook ein. Und was der gute Mann stimmlich zu bieten hat, ist nicht zu verachten. Das Ganze erinnert am Ende zwar stark an „Kopf Hoch“ von Azad & Jonesmann, stellt trotzdem einen der stärksten Songs des Albums.

Lässiger zeichnet sich „Wir Sind So (ft. Ram-C & Efe)“, das Efe’s Affinität zum Sound der Westküste offen legt. Lyrisch beschäftigt man sich mit Bitches und Indo. „Alles Mir“ lässt akustisch eine starke Inspiration von Dr. Dre durchblicken und weiß auch zu überzeugen. Mike erzählt hier von seiner Schulzeit und wie es ihm so ergangen ist.

Eine ausgefeilte Story und unzählige Schmunzerl erwarten den Hörer dann mit „24 – Der Film“, auf welchem Mike einen Psychopathen mimmt, der es in seinen letzten 24 Stunden noch mal so richtig krachen lässt.  Zu erwähnen seien noch „I Don’t Care“ und „Nix Zu Reden“. Dem Zuhörer mögen Mike’s Art zu Rappen und seine Betonungen anfangs etwas seltsam und vielleicht auch nervig erscheinen, doch nach einigen Spins wird man wohl zum Entschluß kommen, dass dies ein kreativer Pluspunkt und ein klares Zeichen von individuellem Flavor ist. Da kann man auch über die Skills-Schwankungen hinweg sehen. Mike Crush und sein Produzent Efe haben mit dem „Halbum I“ ein sehr annehmbares Album geschaffen, dass zu Polarisieren vermag, alles in Allem aber ein großer kreativer Lichtblick ist. 

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