Lil Wayne – The Carter II

Es ist noch gar nicht so lange her, da schrien aggressive Südstaatler einem Ansagen wie „Make’em Say Ugh“, „It Ain’t My Fault“, „Ha“, „Back That Ass Up“ oder „Tear Da Club Up“ entgegen. All diese Titel gehen auf die Konten der größten Labels New Orleans‘ – No Limit und Cash Money („Tear Da Club Up“ auch zum Großteil auf das Konto der Three 6 Mafia). Anyway, allesamt doch eher Hymnen, welche einem das exzessive Feiern näher bringen sollten. Die Lyrics waren doch nur nebensächlich. Es ging vorrangig um die Performance. Dieser Ruf haftete stets an beiden Labels. Während bei No Limit kein Lyricist in Sicht ist, hat man bei Cash Money schon einen in den eigenen Reihen entdeckt, der schon seit 1997, damals im zarten Alter von 15 Jahren, auf der Gehaltsliste des Labels stand – das ehemalige Mitglied der Hot Boyz, Lil Wayne. Schon in seinen jungen Jahren konnte er neben seinen Kollegen Juvenile, B.G. und Young Turk eine sehr gute Figur machen, was er zweifelsohne seinem unnachahmlichen Flow und seiner Stimmkraft zu verdanken hat.

Mit den Hot Boyz und drei Soloalben im Gepäck hatte der junge Südstaatler bis 2004 aber noch nicht den wirklich großen Hype um seine Person erlebt gehabt. Doch sein viertes Album „The Carter“ sollte das ziemlich schnell ändern. Auf einmal war sogar Jay-Z an ihm interessiert,  jedes dritte Rapalbum wurde mit einem Weezy-Feature ausgestattet und dann noch der große Durchbruch mit „Soldier“ von Destiny’s Child, wo er neben T.I. den Süden representen durfte. Das nennt man Aufstieg! Doch woran lag es? Lil Weezy hat seinem Style eigentlich nur eins hinzugefügt – überragende Lyrics.

Auf „The Carter II“ bleibt er seiner Linie treu und bietet seine Lyrics auf einem konstant hohem Level. Schon der Opener „Tha Mobb“ weiß die soeben aufgestellte These zu stützen. Man nehme ein typisches Heatmakerz-Instrumental (ihr wisst schon, souliger Background mit einer hochgepitchten Vocalspur), welches eine Gesamtdauer von knapp fünfeinhalb Minuten hat und lasse Weezy ungefähr 5 Minuten am Stück und ohne Hook darüber rappen – fire! Apropos Heatmakerz, das komplette Album entfernt sich musikalisch ziemlich stark vom typischen Cash Money-Sound – nein, noch krasser – es klingt über weite Strecken sogar eher nach einem Künstler von der Ostküste. Mag natürlich auch an Mannie Fresh’s Weggang von Cash Money liegen. Lyrische Genüsse sind zumal das Intro („Fly In“), das Midtro (wie ich es mal taufe) („Carter II“) und das Outro („Fly out“), die allesamt auf dem gleichen Background basieren. Da gibt’s dann Lines wie „Photophobia / no Kodak moments / ferce walls with my pictures on’em / nah / I ain’t even in the school-yearbook / I don’t do too much possing / got a cool killer look / ah!“. Größtes lyrisches Potential findet man meines Erachtens nach aber auf „Lock And Load (ft. Kurupt)“, wo besonders der 2.Vers heraussticht.

Die erste Single des Albums ist jedoch ein notorischer DownSouth-Joint und schimpft sich „Fireman“. Auch überzeugend. Weiterhin findet man großes Clubpotential gepaart mit Kampfansagen bei „Hit em up“, welches stark nach Vorne geht und Lust auf Konfrontation weckt (im Sinne von freudigem Rumgeschubse). Süß hingegen ist „Receipt“, welches von einer gesampelten Vocalspur in der Hook begleitet wird (ja, genau – Heatmakerz) und in welchem Weezy von seiner Angehimmelten erzählt (kurzer Kaffee-Klatsch: die Rede ist natürlich von Trina). Wobei ich nicht glauben mag, dass die Frau das Haus putzt und wartet, bis Weezy nach Hause kommt. „Shooter“ hingegen ist einfach nur freaky und kreiert einen Mix aus Bob Marley, Gangstarr und John Coltrane. Wobei der Song eigentlich auf Robin Thicke’s „Oh Shooter“ beruht und auch Original-Tonspuren aus dem Song enthält. 

Das Album beinhaltet insgesamt 22 Tracks und somit bleibt auch noch etwas Platz für mittelmäßiges Material wie „Feel Me“, „I’m A Dboy (ft. Baby)“, „Weezy Baby“ oder „More Fire“, welches der schwächste Track des Albums ist. Wenn er auch noch nicht der „Best Rapper Alive“ ist, unter den Top-a-Top MC’s bleibt Weezy jedenfalls ganz vorn dabei.

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