Meni, CHS, Donato, FRK, Cam N Phroe – Rookie Roundup Ausgabe 1

Nachdem sich das rap.de Design erst vor kurzem verändert hat, zieht nun die Redaktion nach und präsentiert eine Neuerung: Von nun an gibt es das „Rookie-Roundup“.
Hier messen sich nun zumeist unbekannte Artists und am Ende wir eines der vorgestellten Alben zum Album der Ausgabe gekürt.

Sollte das Niveau der nächsten Releases mit denen in dieser Ausgabe mithalten können, werden wir Rezensoren einen harten Job und die Zuhörer jede Menge Spass mit Releases auf überdurchschnittliche hohem Niveau haben. Was vor allem Meni und CHS mit ihren Debutalben abliefern, ist stellenweise so gelungen, dass auch Donato, der immerhin von Pal One und Mnemonic am Mic unterstützt wird, das Nachsehen hat. Aber auch Cam N Phroe und FRK zeigen mit ihren Alben, dass in der Deutschen HipHop Szene jede Menge Potential vorhanden ist.  

Aber nun zu Sache, den beiden Stuttgartern Cam N Phroe wird die Ehre zuteil diese Ausgabe zu eröffnen. Wahlweise sind die zwei Schwaben „Ein Herz Und Eine Seele“ oder machen kurzen Prozess und bringen Widersacher „Ums Eck“– Zumindest gehe ich davon aus, dass die Titel ihrer Doppel EP so zu verstehen sind. Diese EP komm mit amtlichen Beats, netten Flows aber auch kleinen Schwächen.
Teilweise neigen die Jungs nämlich dazu Worte über zu betonen und lang zu ziehen. Das führt zu einer merkwürdigen Aussprache und stört teilweise den Hörgenuss. Stellenweise sind mir auch die Reime etwas zu simpel: „Ich geh ums Eck/ bekomm bloß keinen Schreck…“ Dafür zeigen die Jungs in Tracks wie „Wir Bringen Dich Um’s Eck“ feat Nikk L Jaxon dann aber auch, dass jede Menge Potential vorhanden ist und dass sie zu den wenigen MCs gehören, die sogar singen können. Alles in Allem ein schönes Album mit jeder Menge Herz und einer Prise Humor, aber noch nicht der ganz große Wurf.

Der hätte den Rappern von der Front Rapper Konferenz, kurz FRK, durchaus gelingen können, aber bei dem überaus hohen Niveau dieser Ausgabe fällt es dann doch negativ ins Gewicht, dass die EP der Jungs leider nur fünf Tracks umfasst. So zeigen die Jungs auf "FRK, What?!" nur einige ihrer Stärken, aber vor allem der Track „Normal, Der…“ sprüht geradezu vor Witz und guten Einfällen. Völlig unverständlich ist mir dann aber, warum die Jungs in ihrem letzten Track auf einem Beat rappen, der auf dem Sample von „Easy“ wahlweise in der Commodores oder Faith No More Version besteht. Das Lied ist sogar im Radio ausgelutscht und muss nun nicht auch noch in einer Version mit Raps drüber kommen. Dennoch ist den Herren Sord, PhuX Mulder und DJ Wax Wizard ein ambitioniertes Debutwerk gelungen, das definitiv Appetit auf mehr macht und welches es darüber hinaus zum kostenlosen Download auf der Page der Jungs gibt, also auschecken ist Pflicht!

Unter anderen Umständen wäre Donatos Album wohl nicht in dieser Rubrik erschienen, da sowohl die Produktionen, Features und nicht zuletzt die Leistung des MCs aus Dortmund mehr als beachtlich sind. Da aber die beiden nachfolgenden Releases mehr als nur auf Augenhöhe mit Donatos Debut „Damals Wie Heute“ stehen, findet er sich nun in dieser Ausgabe wieder.
Bevor ich mich der eigentlichen Musik widme hier ein paar Namen, die auf dem Album zu finden sind: in Sachen Beats wären da unter anderem Roey Marquis II, Srewaholic und Brisk Fingaz mit gerappt haben Trauma, Mnemonic, Rawstar und His Madness, Pal One! Sowohl von den Produzenten als auch von den Features her, spielt Donato also weit oben in der Rapliga. Tracks wie „Alles Anders“, „Damals Wie Heute“, „Sightseeing III“, oder auch „Kindergeburtstag“ sind sehr gelungen und vor allem in „Alles Anders“ beweist Donato lyrisches Talent. Mit einfachen Worten und völlig ungekünstelt erzählt er von einem langweiligen Sonntag, das Fazit:
"Nimm den Tag so wir er kommt, wenn du kämpfst wird alles Scheisse/ Auch wenn du dir was vornimmst, meistens wird immer alles anders/ Irgendwas stellt sich immer zwischen dich und deine Pläne/ Also erwarte am besten gar nichts, dann gibt es auch keine Enttäuschung".

Die einzige Schwäche des MCs aus Dortmund ist sein teilweise monotoner Flow, Donato rappt stetig in der gleichen Stimmlage und was anfangs wenig stört, fällt auf Albumlänge dann doch irgendwann negativ ins Gewicht. Dennoch Nice One!

So, und was nun kommt ist Rezensorenalptraum pur.
 
War schon Donatos Release auf Toppniveau, so kommen jetzt zwei Debutalben, die Hoffnung machen und bei denen es sehr schwer ist, eines besser zu bewerten als das andere.
Kommen wir zuerst zu CHS, dessen Album heißt „Bildlich Gesprochen“ und was der gute Mann aus Düsseldorf mit Wurzeln in Thüringen abliefert, ist ganz großes Kino. Mir ist bisher kein Release unter die Augen gekommen, das auf so hohem Niveau und ganz ohne kitschig oder pathetisch zu sein, Dinge wie den Fall der Mauer, die Geschichte der DDR und die Probleme, die heute in Ostdeutschland bestehen, thematisiert. Dabei erhebt CHS weder den Zeigefinger, noch lamentiert er.
Es gelingt ihm vielmehr seine Aussagen in Reime zu packen, die ebenso anspruchsvoll wie  ungezwungen klingen.
Die Beats hat er übrigens auch selbst produziert und das auf hohem Niveau.
So treffen melodische Instrumentals auf interessante Themen und daher bleibt die Skip-Taste meines CD-Players ungedrückt. In Tracks wie „Allein In Der Dunkelheit“, „Ostwind“, „Erscheinungen“ und „Mach’s Dir Bequem“ zeigt CHS auf seinem Debutalbum die Reife eines Rap-Routiniers.
Seine einzige Schwäche teilt CHS mit Donato. Wie der Dortmunder flowt er mir auf Dauer etwas zu abwechslungslos, allerdings macht die inhaltliche Stärke des Albums diese Schwäche mehr als nur wett.  

So, der Newcomer Release dieser Ausgabe kommt aus Stuttgart, heißt aus  „Heiterem Hummel“ und wurde von Meni „mit Liebe gemacht“.
Bei dem Herr aus Schwaben handelt es sich nach eigenen Angaben übrigens, um keines der „1000 Raptalente, das seine Zeit verwendet, um deine zu verschwenden.“
Stimmt, selten habe ich ein Album gehört, das so vielfältig daher kommt und von Battle- über Spass- bis Consciouslyrics wirklich alles zu bieten hat.
Da geht „Dismissed“ feat. Deve „in die nächste Runde“ und würde jede Folge der MTV-Serie so enden, wie in diesem Track beschrieben, würde ich diese Sendung wahrscheinlich häufiger sehen als „Die Simpsons“. Ebenso humorvoll ist der „Rappende Therapeut“, wo Meni in verschiedene Rollen, die jeweils ihr eigenes Problem, ihre eigene Stimme oder ihren eigenen Akzent haben, schlüpft.
Sehr gelungen ist auch „Miss R107“. In diesem Track vergleicht Meni Frauen mit diversen Autos und deren Zubehör: „Oft ist von vorne die Optik nicht schlecht/ Und hinten kommt dann ein Pavianarsch wie beim Audi A6“. Wer bei dem Track nicht lachen kann, geht wohl zum Lachen häufiger in den sprichwörtlichen Keller, als zum Bier holen.
Ernsthafter wird es dann bei „Pendelgesetz“ feat. Deve. Hier erzählen beide MCs Geschichten aus der Vergangenheit verschiedener Personen und mahnen am Ende mit der Botschaft: „ Du hast dich lange vor der Wahrheit gedrückt und heute schlägt sie wie ein Pendel zurück!“.
Battlelastig aber keineswegs sinn- oder besser inhaltslos wird es dann bei „Misch Dich Nicht Ein“, ein gelungener Battletrack, in dem auch Deve und Ialone eine recht gute Figur machen. Bei „Wenn Das Liebe Ist“ wird es dann beattechnisch interessant, denn Meni greift bei diesem Track keinesfalls auf einen Sample- oder Synthiebeat zurück, sondern hat eine Jazzband in’s Studio geladen und alles live einspielen lassen. Das Ergebnis ist ein schöner Beat mit schönen Raps und mindestens ebenso schönem Gesang von der talentierten Franziska Wunderlich.
Ganz ohne Kritik kommt aber auch Meni nicht davon, teilweise wird er mir zu persönlich. Vor allem bei dem Track „Nachruf Für Oma“ mag Meni ein persönliches Interesse an dem Thema haben, aber als Außenstehender begegne ich dieser Thematik einigermaßen desinteressiert…

So, das war’s dann aber auch schon an Kritik und ich verbleibe mit dem Verweis, dass vor allem Donato, CHS und Meni Alben abgeliefert haben, die hoffentlich ihre Hörerschaft finden werden. So warte ich also gespannt auf die nächsten Releases. Achja und an alle anderen Nachwuchs MCs: Mehr davon!

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