Serk, She-Raw & Amun – 41 Karat

Ich muss zugeben, ich hab mich diesmal etwas schwer getan mit der Bewertung dieses Produkts. Der Grund ist einfach. Bei diesem Trio handelt es sich mal wieder um ein paar Berliner Lokalpatrioten. Das ist natürlich nicht das Problem, ganz im Gegenteil. Leider wird aber auch in Sachen Battle das Berliner Klischee bedient, und das wirkt sich eher negativ aus – in diesem Fall. Anders gesagt, das Album ist an den Stellen ziemlich gut, wo diese Pfade verlassen und andere eingeschlagen werden. Das ist für mich auch genau das, was die drei auf der Habenseite verzeichnen können.

Der weibliche Part des Trios wurde im letzten halben Jahr bereits zur Genüge, als neue, weibliche Allroundhoffnung gefeiert. Nach dieser aktuellen Hörprobe würde ich sagen – könnte hinhauen. She-Raw lässt sich zwar auch noch einigen Platz für Weiterentwicklungen, aber was sie zeigt, ist überzeugend. Ihre Stärke liegt für mich dabei klar in ihrer Vielfältigkeit. Sie ist nicht die allerbeste Rapperin, mit dem allerbesten Englisch, hat aber eine ansprechende Stimme und Gesangspotential. Sowohl bei den Hooks für die Rapsongs, als auch bei dem alleinstehenden Gesangsstück „Just A Friend“, weiß sie sich sehr gut zu behaupten. Mir drängt sich irgendwie ein Vergleich mit Lumidee auf, den ich nach einiger Überlegung sogar ziemlich passend finde.

Ein Phänomen ist für mich der Featuresong von „Zwang“. Der mir bisher unbekannte MC, liefert einen ganz ordentlichen Part ab. Was sehr interessant dabei ist, ist die Tatsache, dass er in puncto Flow und Stimme original wie Afrob klingt. Man macht den Song an und wundert sich, warum Afrob nach den Ereignissen der letzten Zeit nun eine Berlinhymne trällert… Ansonsten nicht schlecht.

Im Song „Game Over“, machen die beiden männlichen Protagonisten dieses Produkts deutlich, dass sie der Meinung sind, sie wären in jeglicher Hinsicht das non plus ultra. Was die restlichen Bereiche des Lebens angeht, kann ich das nicht beurteilen, nur im Bezug auf Rap. Aber von den in diesem Song aufgestellten Behauptungen sind sie noch ein gutes Stück entfernt. Die Härte kommt zu übertrieben rüber, und das Geflexe will irgendwie nicht so richtig hinhauen.

Mein absolutes Highlight, ist der Solotrack von Serk. Selbst produziert ist „Ich Zähl Die Dunklen Tage“ eine wirklich gelungene, unverkrampfte Reggaenummer, bei der auch Serk mit einem gewissen Charme gesangstechnisch punkten kann. Von der Raptechnik her sind zwei Sachen festzustellen. Bei den Reimen handelt es sich, bis auf einige Ausnahmen, immer um Einzelreime. Technisch ist das Ganze also nicht auf dem neusten Stand. Flowmäßig wird es immer da besonders kritisch, wo versucht wird, in doppelter Geschwindigkeit über den Beat zu kommen.

Die drei trauen sich, in verschiedene Richtung zu experimentieren, was natürlich gut ist, aber noch keinen roten Faden erkennen lässt. Also zum Teil sehr gute Ansätze, aber insgesamt noch zu unausgereift.

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