Gangland

Gangland. Wie der Film mit Tupac. Gangland. Gangland, Gangland, Gangland. Wenn ich diesen Namen noch öfter höre, zweifle ich an der Intelligenz mancher Developer. Selten gab es ein stumpferes, langweiligeres oder penetranteres Spiel als Gangland.

Amerika im frühen 20.Jahrhundert. 5 Brüder haben sich von Palermo aus nach New York aufgemacht, um dort Ruhm und Reichtum zu erlangen. Halt! 5 Brüder? Erst waren es 4, doch dann wurde Papa Mafiaboss sauer und schickte den 5. Bruder hinterher, um die anderen 4 Brüder zu töten. Blablabla das seid natürlich ihr und ihr übernehmt später die Macht über New York City. Gähn.

Zu Anfang wählt ihr einen der Fünf Brüder, mit dem ihr das Spiel bestreiten wollt. Wen ihr dabei wählt, wirkt sich nicht auf den Spielspass aus, alle Möglichkeiten offenbaren die Betonklötze an den Schuhen desselbigen. Ihr seht das ganze Geschehen aus einer eigentlich frei drehbaren 3d-Perspektive von oben, nur dass ihr sie eben nicht frei drehen könnt. Halt, drehen könnt ihr sie, ein bisschen nach links und ein bisschen nach rechts, 2 Zentimeter reinzoomen und ach ja, rauszoomen auch. Laut Entwicklerteam Media Mobsters ist einer der größten Pluspunkte ihres Spiels die Möglichkeit, zwischen OpenGL und DirectX Grafik zu wechseln. Okay, jetzt mal ehrlich: Wenn so ein Punkt hinten auf einer Spielepackung steht… Gibt es denn nichts anderes? Oh, schau her: „Einzigartiger Genre-Mix aus Echtzeitstrategie, Rollenspiel, Simulation und jeder Menge ACTION!“. Warum noch nie vorher jemand auf die Idee gekommen ist, diese Genres zu kombinieren? ES GEHT NICHT!

Zum Beispiel: Ihr habt euch für einen der Brüder entschieden und bekommt euren Auftrag von Don Wasweissichwas. Ziel: Irgendwelche Typen umlegen. Dazu heuert ihr irgendeinen Taugenichts mit dicken Wummen respektive Muskeln an, welcher euch auf Schritt und Tritt folgt. Mit der Maus klickt ihr dann auf die Stelle, wo ihr hinlaufen wollt und per Auswahlrechteck markiert ihr die Einheiten. Okay. Der Feind wird gesichtet. Nun, Mit ausgewählter Mannschaft auf den Feind klicken und ca. 2 Minuten lang ohrenbetäubendem Tommygunfeuer lauschen, da ihr zwei Meter vor dem Gegner steht und das Schadensystem wie eben in einem Echtzeitstrategiespiel läuft. Da ihr dann spontan von allen Gangstern im Umkreis ins Feuer genommen werdet, bleibt euch gar keine Zeit mehr, euch Hinzuknien (was eine der Zwei Möglichkeiten beim Angriff ist) oder den sekundären Angriff zu aktivieren, etwa das Werfen von Dynamitstangen (das ist dann die zweite Möglichkeit beim Angriff, die ihr habt). Und das ist eigentlich schade, denn das Handbuch versprach uns doch die Möglichkeit, sich hinter allem Möglichen Deckung zu suchen. Aber genau das passiert in der Realität quasi nie! Nun zum Rollenspielteil. Ähhh… Ihr steigt in Stufen auf und bekommt mehr Hitpoints und Ansehen. Schnell zum Simulationsteil. Ihr übernehmt Geschäfte (abhängig von eurem Ansehen), schmiert Ladenbesitzer, rekrutiert diverse Zwielichtige Gestalten, überfallt Geldboten anderer Bosse, gründet einen Familie und züchtet den Mafianachwuchs heran, spielt also GTA3 Vice City von oben mit schlechter Steuerung und Familie. Und Autos könnt ihr fahren, ui, toll. Von einem Bordstein zum anderen, da ihr diese nicht überfahren könnt. Ich kann definitiv Autofahren, bei Gangland jedoch habe ich es noch nie geschafft, in einer Strasse, die zusätzlich alle sehr eng sind, in drei Zügen zu wenden, ohne das Auto vom Neuzustand in ein halbes Wrack zu fahren!! Und ich kenn verdammt viele, die es probiert haben.

Unglücklicherweise werdet ihr im Spielverlauf immer wieder mit Drive Bys beauftragt, also: Sandsack besorgen, Antidepressiva bereitlegen, immer schön auf den Puls achten (wenn euch schwarz vor Augen wird, hinlegen und die Beine hochlegen) und die nächsten Stunden verplanen.

Also: Grafik und Sound sind miserabel, die Steuerung verkorkst, das Spielsystem zu kompliziert, die Missionen sind unfair und die Wirtschaftssimulation im Spiel ist der Tropfen, der mich zum überlaufen bringt. Lieber spiele ich hundertmal Dark Angel für PS2, als diesen Schund. Daran kann auch der gut gemeinte Multiplayer mit bis zu 8 Spielern nichts dran ändern. Geschlampt ist geschlampt, daran kann man nichts ändern. Ich kann nur hoffen, dass sich Media Mobsters das nächste Mal weniger vornimmt und dafür mehr umsetzt, als einfach nur falsche Komplexität und Handlungsfreiraum vorzugaukeln. Achja: Zum Brüllen sind die skurrilen Dialoge, die euch stundenlang aus den Lautsprechern entgegenhallen! Es wurde sogar die deutsche Stimme des Paten himself (der aus den Filmen) benutzt. Löblich, nur sagt euer Boss fast nichts im ganzen Spiel.

Fazit:
Kauft euch dieses Spiel nicht, sondern spart lieber auf GTA San Andreas oder legt euch ganz altmodisch Gangsters oder Gangsters 2 zu, die sind zwar älter aber (wie so oft) besser.Wer aber den Paten 1-3 rückwärts auswendig kann und in der Grundschule bereits durch einen weißen Nadelstreifenanzug aufgefallen ist, kann darauf warten, bis das Spiel in ein paar Monaten verramscht wird und es sich dann für 10 Euro oder so holen.

Pro:
– Es deinstalliert sich ohne Reste
– Beim Lesen der Anleitung bekommt ihr eine Ahnung dessen, was man alles hätte machen können
– Hm.. geringe Hardwareanforderungen?

Contra:
– Spielprinzip, Steuerung, Grafik, Schwierigkeitsgrad, Sound, Missionsaufbau, alles.
– Autos sind nicht vernünftig steuerbar
– Die übersicht geht nicht nur verloren, sie verschwindet für immer auf eine kleine Insel und schreibt euch nicht einmal eine Karte
– Unendlich hohle Dialoge und Kommentare
– Lahmes Spielgeschehen
– Umständliche Steuerung, man wünscht sich alles viel intuitiver und wüsste auch, wie es sein müsste, es ist aber einfach nicht so!!!
– Die vielen NPCs erschweren eure Übersicht so sehr, dass ihr gar nicht wissen könnt, wer wer ist und zu wem er gehört.

Singleplayer: 1
Multiplayer: 2

Developer: Media Mobsters
Publisher: BigBen Interactive
Spieler: 1-8
USK: 16

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