SOCOM: US Navy Seals

Fast ein halbes Jahr, nachdem SOCOM in den Staaten für einige Wellen gesorgt hat, erscheint Sonys Online-Flaggschiff nun endlich auch in Deutschland. Ein wenig verwunderlich ist dies schon, da in den Staaten bereits der 2. Teil in Entwicklung ist, aber das soll uns jetzt mal nicht weiter tangieren. SOCOM steht übrigens für Special Operations Command, im Klartext: EliteNavy Seals Einheit, die auf Infiltrationen und Einsätze hinter der Front spezialisiert sind. Im Endeffekt bedeutet das für euch, dass ihr es in der Regel mit einer Überzahl von Gegnern zu tun habt und ein 4-Mann Team steuert. Das Besondere dabei, das SOCOM von anderen Taktik-Shootern unterscheidet, ist die Kontrolle der Teammitglieder per Headset. Dieses wirdmitgeliefert und ist für den vollen Spielgenuss nablässig. Ihr selber habt nur die Kontrolleüber einen Soldaten, Codename Kahuna, und erteilt Befehle an eure 3 Mitkämpfer Boomer, Spectre und Jester. Dabei heißt es fleißig Befehle auswendig lernen, die ihr dann per Druck auf „Kreis“ ins Mikro eingeben müsst. Befehle bestehen im Prinzip aus drei Teilen: Dem „wer“, dem „Was“ und dem „Wohin“. Beispiel: Ihr seid in einer Dschungelruine und wollt, dass eure Teammitglieder den Weg zum nächsten Tor freikämpfen. Also gebt ihr den Befehl „Team, Angriff nach, Fadenkreuz“. Per Funk bestätigt nun ein Soldat den Befehl (oder auch nicht, wenn ihr nuschelt), und das Team setzt sich in Bewegung. Dabei arbeitet die KI der Teammitglieder hervorragend, nur manchmal verwundern mich die Aktionen der Mitkämpfer(an einem Gegner vorbeigehen, ihn ignorieren und dann von ihm `nen Genickschlag mit demGewehrkolben bekommen… Eliteeinheit, jaja…). Sehr löblich ist die Sprachunterstützung für mehrere Sprachen, wem der zackige Ton der Amerikaner mehr liegt, der schaltet im Optionsmenü auf Englisch, und schon geben die Teammitglieder im Militärenglisch laut.

Jetzt aber mal zum eigentlichen Spiel. In den Singleplayermissionen erwarten euch eigentlichdie Standard-Taktikshooteraufgaben: Geiseln retten, Informationen beschaffen und so weiter.Erfreulicherweise reagieren die Teammitglieder besser als ihre Counterparts in vergleichbarenSpielen, so dass die Missionen eigentlich immer spaßig und fair bleiben. Unfair hingegen ist, dass Sony keine Option zum Regeln des Schwierigkeitsgrades implementiert hat. So muss man sich durch die gesamte 12-Level-Kampagne mitsamt lausiger Gegner (die 2m vor einem stehen, mit ner AK47 auf euch ballern und nicht treffen) kämpfen, um den nächsthöheren Schwierigkeitsgrad freizuspielen, den man dann wieder durchspielen muss, um den nächst höheren Schwierigkeitsgrad freizuschalten usw. Leider stellen die Gegner aber erst nach dem dritten Schwierigkeitsgrad eine Herausforderung dar, vorher sind die Gegner eher Kanonenfutter. Zudem gibt es noch viele unfaire Level, in denen man fast willkürlich an der Mission scheitert, weil man eine unsichtbare und unerwartete Grenze überschritten hat o.Ä. Das ist wirklich ein dicker Schnitzer, der den Singleplayerspaß erheblich schmälert (oderfördert, weil man den nächsten Schwierigkeitsgrad freispielen will, damit es Spaß macht?).Na, auf jeden Fall weiß ich nicht, was Sony damit bezweckt hat, vielleicht, dass man jedes Blattin den Levels persönlich kennt oder so. Hoffen wir in dieser Hinsicht auf den 2. Teil, der in den USA im November rauskommt.

Grafisch ist das Spiel meist allererste Sahne, obwohl es bereits so alt ist. Schöne Texturen und eine üppige Landschaftsgestaltung machen das permanente Durchspielen zu einem Augenschmaus. Leider versagt die Grafik-Engine beim Darstellen von Boden undGeländeblöcken, die allesamt recht geometrisch aussehen und aus großen Objekten bestehen.Aber wie das alte Soldatensprichwort sagt: Wer den Boden sieht, ist tot. Vor allem dieAnimationen sind allererste Sahne. Selbst kleine Details wie die Gestenkommandos der Sealswurden umgesetzt.

Der Sound ist so dicht wie der Nebel in den Dschungelmissionen, aus dem Fernseher kommendie Umgebungsgeräusche, der gesamte Funkverkehr läuft über Headset. Mehr „In-Game“ geht eigentlich schon nicht mehr. Auch die Musik ändert sich (meist) passend zum Geschehen und bietet im Schnitt eher traurige Melodien, wie man sie aus Saving Private Ryan oder ähnlichen Filmen kennt.

Die Steuerung ist, na ja, ich sag mal: gewöhnungsbedürftig, vor allem das Handlen vonaufnehmbaren Objekten bzw. das Aktivieren von Gegenständen wurde zu umständlich gelöst.Zu oft nehmt ihr statt des Körpers des Feindes die von ihm liegengelassene Waffe auf und müsst erst mal wieder eure schallgedämpfte Waffe auf dem Boden suchen, damit ihr nicht mit der AK47 durch den Infiltrationslevel lauft. Ach ja, das mit dem Körper aufheben und außer Sicht schleppen ist Schwachsinn, da sich die Körper nach ein paar Sekunden von selbst auflösen. A propos Waffen: Hier haben wir eine reichhaltige Auswahl aus über 30verschiedenen Seals und Terroristenwaffen, wobei das Ausrüsten der Teammitglieder ebenfalls unglücklich gelöst wurde. Aber weg vom Singleplayermode, hin zum eigentlichen Kern des Games: Dem Online-Modus. Stellt`s euch einfach als Counterstrike fürdie Playstation2 vor. Team-Deathmatch, Bombenentschärfung etc. in 12 Multiplayermaps mitClanbildung, da erwartet einen gehöriger Spaß im Netz (vorausgesetzt, man schafft`s hereinzukommen). Leider ist Multiplayer ausschließlich über den Ethernet Adapter möglich, an der Konsole sitzt man immer nur alleine. Auch die Headsetunterstützung gibt es im Multiplayermodus, der auf Anhieb mehr Spaß als die Solomissionen macht, da die Gegner (essind schließlich echte Menschen) intelligent agieren und es nicht zu oben geschriebenen Situationen kommt.

Allgemein gilt, dass SOCOM ein eher actionorientierter Taktikshooter ist und im Singleplayer erst nach mehrmaligem Durchspielen begeistert, dann aber richtig. Wenn der 2. Teil mit verbesserten Features wie z.B. Schwierigkeitsgradauswahl und besseremItemhandling daherkommt, ist ihm die Krone der Tac-Shooter sicher. So macht der Multiplayer mehr Spaß.

Pro:
– Atmosphäre
– Grafik ist überzeugend und im Allgemeinen top
– Gute Teammitglieder-KI
– Steuerung über Headset funktioniert erstaunlich gut
– Tolle Animationen
– Toller Online-Modus

Contra:
– schwache Steuerung- Wenig Spielmodi, kaum Boni freispielbar (Levelselect… juchhu. Halt, die Schwierigkeitsgrade hab ich vergessen! Aber das als Bonus zu verkaufen ist eigentlich unverschämt)
– Der Schwierigkeitsgrad ist nicht einstellbar. Und das ist eine Zumutung. Basta.
– Manchmal Aussetzer der KI, sowohl der feindlichen als auch der Team-KI
– Wieso steht so`n Terrorist vor mir mit `nem vollautomatischem Gewehr, trifft aber nicht, kurz bevor ein Scharfschütze aus 150m Entfernung mir den Kopf weghebelt. Im Singleplayermode…

Fazit:
Wer Geduld mitbringt, ist auch mit dem Singleplayermode gut beschäftigt und wirdsich darin vertiefen. Auch der Multiplayer ist eine durchaus spaßige Angelegenheit. Leider trüben die kleinen Mängel den Spaß soweit, dass nicht ganz der erwartete Überhammer draus geworden ist, aber der 2. Teil steht ja schon in den Startlöchern. Jetzt ist nur die Frage, ob ihr online durchstarten wollt mit SOCOM 1, oder ob ihr bis zum 1. Quartal 2004 wartet, in dem SOCOM 2 in Deutschland erscheinen wird. Probespielen, Fans von Tac-Shootern kaufen es sich ohne Bedenken.

Singleplayer: 5-6 (auf höheren Schwierigkeitsgraden)
Multiplayer: 6
Developer: Zipper Interactive
Publisher: SCEE
Spieler: 1-16
USK: 16

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