Haiku D´Etat – Coup De Theatre

Wer den auch mentalen Einzug des Winters noch ein wenig herauszögern möchte, dem sei das neue Haiku D´Etat-Album „Coup De Theatre“ wärmsten empfohlen. Was die Herren Aceyalone, Mikah 9 und Abstract Rude mit dem Nachfolger zum 2000 erschienenen (damals schlicht Haiku D´ Etat betitelten) Debüt aus dem Freestyle Fellowship-Camp abliefern, ist mal wieder far ahead.

Während das Aceyalone-Album „Love & Hate“ aus dem vergangenen Jahr in Sachen Beats vergleichsweise recht synthetisch angehaucht war, kommt „Coup de Theatre“ mit sehr organischen, warmen Sounds daher. „Jazz Poetry & Soul“ ist dann auch die unmissverständliche Ansage des von DJ Drez produzierten Intros, welches sich dementsprechend eines Altsaxophons und eines schmeichelhaften Piano-Samples bedient. Abgesehen davon ist die Scheibe generell sehr Percussion- und Drum-lastig, wie etwa das von Fat Jack produzierte „Cats“ oder das von Mikah 9 anschließende „Dogs“, das mit allerhand Kastagnetten-Geklapper daherkommt, anschaulich machen. Einen beinahe schon Freejazz-mäßigen Touch hat schließlich „Transitions and Eras“, welches Busdriver featured.

Die Raps sind – wie erwartet – deluxe vor dem Herrn und bewegen sich thematisch zwischen conscious (All Good Things), latentem Battle (Top Qualified) und abstrakteren Betrachtungen. Nicht umsonst wird dem Begriff „Poetry“ auf mehreren Tracks Platz eingeräumt – es geht durchaus ab und zu auch um Rap um des Rap Willen. Auf diesem Level hat das aber eben hohen Unterhaltungswert.

Ein absolutes Highlight bildet der unter Einbeziehung des halben Quannum-Kollektivs entstandene Track „Top Qualified“. „If you heard I was top qualified – they didn ´t lie to you, dawg“ meint Abstract Rude hier im Intro und kaum eine Ansage könnte die Situation für alle beteiligten MCs stellvertretend besser auf den Punkt bringen. Wäre hier während der Recording Session eine Bombe gezündet worden, hätte man die Hälfte der weltweit krassesten MCs auf einmal erwischt. Aceylone, Lyrics Born, Abstract Rude, Lateef The Truthspeaker und Gift Of Gab gaben sich hier nacheinander die Klinke der Aufnahmekabine in die Hand, und ganz offensichtlich hat jeder einzelne den Track als Herausforderung begriffen. Gerappt wurde über einen Beat von Chief Xcel, den man getrost als Traum bezeichnen darf. Auf jeden Fall die straighteste und gleichzeitig auch clubtauglichste Nummer des Albums.

All jenen, die ihre persönliche Album-Top-10 für 2004 noch nicht komplett haben, macht es „Coup De Theatre“ wieder etwas leichter.

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