Gregory Isaacs – Revenge / Open The Door

Nichts fällt schwerer, als von zwei verschiedenen Labels zur gleichen Zeit von ein und demselben Künstler Alben geschickt zu bekommen. Ich also die ganze Nacht wach gelegen und schwer über meine nächsten Schritte gegrübelt. Ach ja, habe vergessen zu erwähnen, dass es sich hier auch nicht um irgendwen handelt – sondern um den Cool Ruler-Gregory Isaacs höchst selbst! Ihr wisst schon, der Typ, der wie niemand sonst seine Songs auf herrlichste Art und Weise dahin haucht und wenn es um den Creator geht, nicht einfach nur vom Lord, sondern vom Laaaaaawd singt.Was also tun? Da ist zum einen „Revenge“ (Pot Music / Sign Supreme) – ein schönes, klassisches Gregory-Album. Meine erste Erwähnung gilt hierbei dem Titel „Joy“, welcher – ebenso wie „It Isn ´t Easy“ – auf einem der wohl wichtigsten Lovers-Riddims (Heptones / Studio 1) überhaupt basiert, den auch schon John Holt („Love I Can Feel“) und Beres Hammond („Tempted To Touch“) zu schätzen wussten. Aber auch das typisch Isaacsche „Revenge“, der Titeltrack des Albums, der sowohl durch eine wahnsinnige Bassline, als auch durch die uns allen bekannte Säuselei des Künstlers selbst auffällt, vermag absolut zu überzeugen!Auch „Miss Claudy“ hätte durchaus in meine Favoriten-Liste eingehen können, ist mir aber nach mehrmaligem Durchhören als zu clean aufgefallen – zumindest was die computergesteuerten Bläser-Einsätze anbelangt. Nichtsdestotrotz ist dies ein hübsch arrangierter Titel, bei dem die Keyboard-Instrumentalisierung top mit des „Cool Rulers“ stimmlichen Qualitäten harmoniert. „Have I Sinned“ und “So Long Baby” – basierend auf dem `Hard To Confess´-Riddim – und ebenso der Titel “Calibre” (ebenfalls mit einem Studio 1-Riddim unterlegt) gelten, zumindest für meinen Geschmack, noch als angenehm süße Reggae-Melodeien. Die übrigen Songs möchte ich, ohne respektlos zu wirken, als nettes Beiwerk betiteln wollen.Etwas anders hingegen geht es auf „Open The Door“ (RAS / Sanctuary) zur Sache. Das Album zielt deutlich in eine dubbigere, manchmal aber auch in eine fast schon einen Tick zu poppige Richtung, kann dafür jedoch auf eine perfekte Instrumentalisierung durch die Altmeister Mafia & Fluxy verweisen. Natürlich ist auch auf diesem Werk die Thematik in weitestgehend romantischen Gefilden zu Hause. Soulful besingt der Mann die Ladys „Margaret“ und „Josephine“ (letzterer Titel findet sich am Ende des Albums in einer Dub-Version wieder, ebenso wie die Titel „Sametime“ und „Down The Line“) womit er beweist, dass er immer noch zu den ganz großen jamaikanischen Artists gehört, wenn es darum geht, Liebes-Lieder erklingen zu lassen. Wenn man in so kurzer Zeit zwei Alben nacheinander veröffentlicht – und nicht Sizzla ist (!) – muss es auch nicht verwundern, dass auf dem einen Longplayer ein Titel „Have I Sinned“ heißt und auf dem Anderen – what a thing – genauso. Und um den Bogen endgültig zu überspannen: Auch der Album-Titel „Open The Door“ ist nicht wirklich neu. Es ist zwar schon ein wenig verjährt, aber dennoch: Ein Album mit genau diesem Titel ist bereits existent. Hm… der Gregory… hat ja auch schon den einen oder anderen Trouble auf seinem Kerbholz zu verzeichnen und der Allerjüngste ist er ja nun auch nicht mehr.Gerade aber deshalb freue ich mich umso mehr, gleich mit zwei Neuerscheinungen der Legende Isaacs bedacht worden zu sein. Nur – welche kann ich jetzt empfehlen, wo ich doch am liebsten zum Kauf beider Scheiben anstiften möchte?Ich sag es mal so: Die etwas älteren Gregory Isaacs Fans, mit Hang zum dubbig Experimentellen, sollten sich auf „Open The Doors“ einlassen. Klassische Reggae-Liebhaber und die, die gerade erst von diesem Sound geteast wurden, auf „Revenge“. Und im Zweifelsfall? Beide!

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