Voll süß aber: Frühlingsgefühle und Rap (Kolumne)

Seit gestern ist endlich Frühling in Berlin. Unser Autor Adem verspürt Frühlingsgefühle – und geht diesen anhand einiger romantischer Rapsongs nach.

Heute war der erste Tag, an dem ich auf dem Weg zur Redaktion nicht fror – obwohl ich keine Winterjacke trug. In der U-Bahn hörte ich eine schöne Frau sagen, dass der Frühling die passendste Jahreszeit sei, um sich zu verlieben. In meinem Kopf die Maeckes-Zeile aus „Copy and paste love“ (aus dem Album „Null„, 2009), die ich in Gesprächen über Liebe oft versuche zu zitieren. Ich schaffe es aber fast nie, weil ich mir diesen Satz noch nie richtig einprägen konnte. Der Vers macht immer einen Knoten in meinen Kopf, wenn ich versuche mich an ihn zu erinnern: „Lieber unglücklich verliebt als unverliebt glücklich.“

Als sich die Schönheit aus der U2 ihre Frühlingsliebe wünschte, schwelgte sie womöglich in Gedanken, dachte vielleicht, dass es doch fantastisch sei, wenn sie ihre letzte erfüllende Liebe copy and pasten könnte. Irgendwann schaute sie träumerisch an mir vorbei und ich stellte mir vor, dass sie in diesem Moment das im Kopf hatte. Tua und Sucuk Ufuk sehnten sich auch mal danach. Die Zwei hatten „Kein Chance mehr“ (aus dem Bassquiat-Album „BQ 4 Life„, 2007) bei ihrer Geliebten. Tua redete sich ein, dass heute alles perfekt sei, sie sei ja nun weg, also „keine Bitch ist jetzt am Telefon, die mich nur stresst„. Sucuk Ufuk, der eigentlich „Frauen als Nutten“ sah, „rammt seinen Kopf gegen die Wand, bis Blut fließt“ und „setzt sie auf sein Herz und kackt auf Liebe„.

Wenn eine unbekannte schöne Frau, auf die sich meine Blicke in Bahn, Bus oder Tram gelenkt haben, vor mir aussteigt, dann schmerzt es immer ein kleines bisschen. Das passiert leider oft, unvorhersehbar und leider unabwendbar. Beziehungen enden auch oft, unvorhersehbar und leider unabwendbar, aber sie sitzt zum Glück noch da.

Vom meteorologischen Frühlingsbeginn halte ich nichts. Für mich beginnt er, wenn die Sonne zum ersten Mal meinen Rücken wärmt und sie bewirkt, dass die Leute mehr lachen als im Winter, also heute. Weg mit den negativen Gedankenschüben einer gescheiterten Beziehung, weg mit „Keine Chance mehr„, hin zur Leichtigkeit, hin zum sich-verlieben-im-Frühling, hin zu „Die Eine 2005“ (aus dem Album „Krieg und Frieden„, 2005) von die Firma. Ein Herz in den Sandstrand malen, so wie eine der Anfangssequenzen des dazu gedrehten Videos, wäre doch etwas für die stilbewusste Schöne.

Oder „Volim te“ (aus dem Album „Fakker„, 2011) – ich liebe dich, auf Serbokroatisch – sagen, wie Nazar zu seiner Petra. Das klänge ja am schönsten im Frühling, sagte die mit den elegant roten Lippen indirekt. Sie saß weiterhin auf ihrem Platz, obwohl ich bald aussteigen musste. Ich freute mich, weil es selten passiert, dass die anonyme Großstadtschönheit die ganze Fahrt bei mir bleibt. Jeder meiner Blicke, der sie berührt, erfreut mich. Schauen wir uns gegenseitig an, dann überfordert es mich meistens und ich schaue peinlich berührt wo anders hin. Ab und zu grinse ich sie an. Heute trafen sich unsere Blicke nicht.

Vielleicht will sie es auch nicht überstürzen, aber das glaubte ich nicht, das wollte ich nicht glauben. Das passt auch nicht zu den Frühlingsliebesgefühlen. Aus der Raupe wird ja im Frühling auch ein Schmetterling oder nicht? Irgendwie aber waren die Frauen, die mir Schmetterlinge in Bauch machten, vorsichtiger im Verlieben als ich. Das ist „Mein Problem (Take It Easy)“ (aus dem DynamiteDeluxe-Album „TNT„, 2008), also, „dass sie mich nicht liebt, doch ich sie, genau das ist mein Problem„. Da teilt sich Samy Deluxe – der Rapper, der mir die Welt des HipHop geöffnet hat – mit mir ein Leid.

Die Schöne konnte ich die ganze Fahrt lang sehen, ich stieg nämlich vor ihr am Märkischen Museum aus; also Freude in mir, die ganze Zeit. Als ich aufstand, träumte ich noch davon, dass sie meine Frühlings-Berlin-Liebe wird. In meinem Kopf so: „Wenn sie jetzt auch aussteigt und sie in meine Richtung läuft, spreche ich sie an.“ Sie blieb sitzen, ich guckte sie nochmal an. Sie schaute zurück, aber nur kurz, befangen. Meine Blicke waren mal wieder zu aufdringlich, dachte ich mir. Ich stieg die Treppen zum Bus nach Kreuzberg und sehnte mich nach einen Bushido-Macho-Song, so etwas wie „Gibt es dich“ (aus dem Album „7„, 2008): Das Lied über die Suche nach der einen, „bei der ich stolz sagen kann: ‚Sie ist schwanger.‚“, nach „diesem Engel unter tausend Huren„.

Ich saß im Bus 265 nach Schöneweide, dachte an die Eine, die „Alles für mich“ (mit Feature von Sahin, aus dem SAW-Album „Kinder des Zorns„, 2008) war (ist?). Als ich dieses PASports-Lied, das erste Mal hörte, stand ich kurz vor den Abiturprüfungen, 2011. Auch damals hatte ich Schmetterlinge im Bauch, wegen einer Anderen. Auch damals war Frühling. Ich hörte dieses Lied oft und dachte an die feine Dunkelhaarige meiner Schulzeit. Das Lied, obwohl traurig, war für mich träumerisch schön und ist es immer noch. Musik, die du hörst, lebt. Sie schmeckt nach der Zeitspanne deines Lebens, in der du sie entdeckt hast.

Die Sonne lachte meinen Mitfahrern ins Gesicht, ich saß am Fenster. Die erheiternden Früchlingsgefühle stimmen optimistisch. Geteilte Freude ist doppelte Freude, sagen die Schweden. Ist geteilte Liebe auch doppelte Liebe? Was aber, wenn die anfängliche Euphorie in tiefen Herzschmerz zerfließt? „Finir mal“ (aus dem Album „Le chant des sirènes„, 2011) – schlechtes Ende, auf Französisch – rappt Orelsan in Dauerschleife zu Beginn. Die vergangene Beziehung wird ihm zum Dämon. „Es gibt Millionnen von Frauen auf der Erde, aber ich denke nur an sie„, lautet seine nüchterne Erkenntnis im Refrain („Y’a des millions de femmes sur Terre, mais c’est à elle que j’pense„). „Ich saufe, lasse die CDs in Dauerschleife laufen, / diese alten Liebeslieder, in denen es darum geht in einer Beziehung zu sein“ („J’tise, j’passe les même disques en boucle / Ces vieilles chansons d’amour qui parlent de vivre en couple„).


Als ich vom Bus stieg, schloss ich mit meinem negativen Gedankengang ab. Der erste Frühlingstag ist da. Er ist voller Leichtigkeit. Ich stieg gut gelaunt und energisch die Treppen zum Büro hoch. „Du“ (aus dem Album „Raop +5„, 2013) bist nicht da und vielleicht ist das ganz gut so. Und dich, Schöne aus der U2, sehe ich wahrscheinlich nie wieder, aber ich wünsche dir, dass du dich diesen Frühling glücklich verliebst, mit ihm ins Auto steigst und gen Süden fährst, so wie auf dem Videoclip von „Du„, den Track von Cro, den Alle fühlen können, die sich diesen Frühling verlieben werden oder es schon getan haben.

2 KOMMENTARE

  1. Der erste Satz spricht ja nicht unbedingt für die Qualität des Lektorats. Mag ja passieren, dass es mal vorkommt, solche kolloquialen Grammatikfehler mal passieren, aber deshalb lässt man ja einen anderen nochmal drüber lesen, nicht?
    (zur Aufklärung, gemeint ist: „[…] der erste Tag, dass […]“; richtig wäre „[…] der erste Tag, an dem […]“)

    Auf der anderen Seite ist die Schreibe des Autoren leider eher mittelmässig, deshalb sollte er sich vielleicht das nächste Mal mehr Gedanken über seine Kommentare machen, vor allem wenn er über so ein grosses Wort wie „Liebe“ schreibt.

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