Alpa spricht auf Trauerfeier

U-Bahnhof Wittenau im Berliner Bezirk Reinickendorf, am Samstagabend. Knapp 150, überwiegend junge Menschen, haben sich an der Haltestelle versammelt, um Cavit H. zu gedenken. Am 11.12.2010 wurde der 17-Jährige hier erstochen. Die Angaben zum Tod des Gymnasiasten sind widersprüchlich. Manche Quellen und vor allem die Medien sprachen von Revierstreitigkeiten andere wiederum betonen, dass Cavit H. lediglich seinen Bruder abholen wollte und unbeabsichtigt in die Auseinandersetzung geriet. 

Die Polizei zumindest ist mit zwei Mannschaftswagen vor Ort, ein paar Polizisten stehen herum, ziehen sich dann aber wieder aufgrund der Minusgrade ins Innere des Autos zurück. Unter einem Werbeplakat für die Hape Kerkeling-Wihnachtsshow-Show mit dem Slogan "Was für eine Bescherung“ breitet sich ein Blumenmeer aus. Kerzen und Abschiedsbriefe liegen dort, teilweise schon, seitdem der Tod des 17-jährigen vor einer Woche bekannt wurde.
Auch an den milchig-grünen Kacheln des U-Bahnhofes wird Abschied genommen. "R.I.P“-Tags und Koranverse sind dort zu lesen, aber auch Verwünschungen und Morddrohungen gegen den mutmaßlichen Messerstecher.
 

Der junge Erwachsene wurde in eine Schlägerei verwickelt, die mit einer verbalen Auseinandersetzung und Schneeballwürfen begann und mit den tödlichen Messerstichen endete. Der Täter, ein 15-jähriger so genannter "Intensivtäter“, ist derzeit in einer geschlossenen Einrichtung für Jugendliche untergebracht. 
Unter den Trauernden befand sich auch der Rapper Alpa Gun, der eine Trauerrede hielt. Er zeigte sich bestürzt über die Eskalation der Gewalt und forderte ein Umdenken. "Ich bin selber dreimal angestochen worden, die unendlich traurigen Gesichter meiner Eltern am Krankenbett werde ich nie vergessen!“, erinnerte er an die dunkelsten Momente in seiner Vergangenheit, von der er sich aber auch distanzierte. Der Rapper erklärte, dass er mit dieser abgeschlossen habe und dass er nur noch mit seinem musikalischen Schaffen kämpfen wolle. "Mein Künstlername ist Alpa Gun, Gun für Waffe. Aber meine Waffe sind die Worte, meine Texte!“, mahnte er unter dem Applaus der Anwesenden. Er sprach sein Beileid der Familie des Opfers aus, die nicht anwesend war, da an diesem Samstag der Leichnam von Cavit H. in der Türkei beigesetzt wurde und warnte vor Rachegelüsten, da diese nichts ändern würden.

Anschließend wurde noch ein Brief von Kool Savas verlesen, in dem dieser sich ebenfalls gegen Rache-Aktionen aussprach und davor warnte, die Konsequenzen aus der Tat zu schnell zu vergessen. Man sollte sich an diesen tragischen Fall erinnern und nicht "schon bald darüber lachen, wenn Freunde jemanden opfern, abziehen oder verprügeln.“ Er schloss auch den Täter in den Brief mit ein, der ihm leid tue, weil er "diese dunklen Flecken in seinem Herzen nun sein Leben lang mit sich herumtragen muss.

In einem exklusiven Statement gegenüber rap.de sagte Alpa Gun, dass dieser Auftritt ein "schwerer Gang“ für ihn gewesen sei. Zu der Trauerfeier sei er gekommen, weil ihn Freunde und Angehörige des Opfers darum gebeten hätten. Auch sei es wichtig, sich gegen die grassierenden Rache-Gedanken auszusprechen. Außerdem halte der Rapper es für notwendig, die Verantwortung zu erkennen, die man als Rapper trage. "Ich bin jetzt 30 Jahre alt, ich kann jetzt nicht mehr nur über so einen Quatsch rappen, nicht so wie Farid Bang und Kollegah, oder Kay One und Fler.
Auf die Frage, was er diesen Rappern jetzt im Moment raten würde, sagte er: "Übernehmt Verantwortung! Werdet Erwachsen!
 

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