Hip Hop fehlen die Ideen

Anlässlich einer Kopfhörerpräsentation auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin gaben Dr. Dre und Jimmy Iovine, seines Zeichens Chef des amerikanischen Labels Universal/Interscope Records, dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel ein Interview.
In diesem, gestern veröffentlichten Gespräch, sprachen sich die beiden Hip Hop-Pioniere über den derzeitigen Zustand der Musikindustrie und im speziellen über den Zustand der Hip Hop-Kultur. Die Frage, die dabei im Raum stand, war natürlich jene, warum unsere Lieblingsmusikrichtung gerade so stark stagniert und ob ein Silberstreifen am Horizont zu sehen ist? Neben der mangelnden Soundqualität, die das Produzieren ausschließlich für den mp3-Markt mit sich brächten, betonte Dr. Dre auch, dass es Hip Hop an der notwendigen Substanz fehle. Wörtlich sagte der Hip Hop Mogul: "Die Musik hat keine Ideen mehr. Da hat sich ein riesiger Hohlraum gebildet. Im Grunde kann jetzt die nächste Musik kommen und den Laden übernehmen.“

Jimmy Iovine hingegen sagte, dass im Grunde nur die nächste große Persönlichkeit kommen müsse, damit es dem Genre wieder besser gehen würde: "Es braucht immer diese Jungs Anfang zwanzig, die genug Feuer haben, einen Weltenbrand anzufachen. Rock brauchte Kurt Cobain. Im HipHop waren das zuletzt Eminem und Jay-Z. Das kann aus England kommen, oder aus den USA – das ist ganz egal. Nur diese Persönlichkeit muss da sein.“

Außerdem interessiere sich der 56-Jährige Topmanager gerade sehr für die neuesten Entwicklungen und Strömungen innerhalb der Kultur: "Was ich im Augenblick mit großer Freude und Neugier beobachte, ist die Verschmelzung von HipHop und Club-Musik aus Europa. Ich liebe das.“ sagte er, um dann aber doch noch einen kleinen Denkanstoß hinterher zu schieben:

"Am Ende geht es im HipHop darum, was die Leute zu sagen haben. Da gibt es gerade Defizite. Ob das nun jugendfrei ist oder nicht, moralisch wertvoll oder nicht, das interessiert mich nicht. Ich warte auf den nächsten großen Lyriker. Jemanden, der eine Geschichte zu erzählen hat. Davon abgesehen, bin ich sehr glücklich mit diesem Club-Einfluss.“

Zum Detox-Album befragt, gab sich der Doktor wieder einmal betont vage und nicht einmal die Frage, ob es sich denn eher um ein minimalistisches oder opulentes Album handeln wird, wollte er beantworten. Anscheinend kann sich Andre Young zwischen den mehreren hundert Stücken, die er bereits für das Album produziert zu haben scheint, nicht entscheiden.

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