KJM für restriktiven Jugendschutz

Schon in der letzten Woche veröffentlichte die Kommision für Jugendmedienschutz (KJM) eine Pressemitteilung mit den Ergebnissen eines Expertenhearings, das am 09. und 10. Mai stattgefunden hat.
In diesem Hearing ging es darum, dass sich in "jüngster“ Zeit die Prüffälle von Rappern wie Sido, Bushido und King Orgasmus One gehäuft hätten.

Ziel der Veranstaltung war es "fundiert auf Entwicklungen in den Medien reagieren zu können“ aus diesem Grund hole sich die KJM auch immer wieder externen Rat und wissenschaftliche Einschätzungen, erklärte der KJM-Vorsitzende Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring.

Zu Wort kamen in der Expertenrunde nicht nur KJM Mitglieder wie Prof. Dr. Ben Bachmair, der in seinem Grußwort betonte: "Es geht um das Gleichgewicht zwischen Kunst- und Informationsfreiheit – inklusive Akzeptanz und Verständnis für jugendkulturelle Ausdrucksformen – auf der einen Seite und der Verantwortung Kindern und Jugendlichen gegenüber auf der anderen Seite."

Eingeladen waren darüber hinaus Wissenschaftler, Publizisten und Medienpädagogen deren Ansichten über die Verantwortung der Kunst weit auseinander gingen. So hob Prof. Dr. Hans-Bernd Brosius, Dekan der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität und Kommunikationswissenschaftler mit dem Schwerpunkt empirische Kommunikationsforschung, hervor, dass besonders der Kultivierungsaspekt von Gewalt und Pornografie für Kinder und Jugendliche gefährlich sei: "Unsere Studien haben ergeben, dass sich bei Menschen, die regelmäßig Pornografie konsumieren, die Vorstellungen von Partnerschaft im realen Leben verändern." Seiner Meinung nach lassen sich gewisse Erkenntnisse aus der Pornografie-Forschung auf diese Songs übertragen: "Porno- und Gangsterrap ist kritisch zu sehen, da sich dadurch bei Kindern und Jugendlichen problematische Einstellungen zur eigenen Partnerschaft und zur eigenen Sexualität entwickeln können."
 
Ganz andere Haltungen nahmen dagegen die Genderforscherin Prof. Dr. Paula-Irene Villa von der Fakultät für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München ein, die in  Porno- und Gangsterrap "angemessene Artikulationen von jungen Menschen in harten, durchökonomisierten Zeiten", sah und Klaus Farin, Autor und Leiter des Archivs der Jugendkulturen in Berlin, der zu bedenken gab: "Musikmedien sind nicht die Ursache bestimmter Verhaltensweisen, sondern eher ein Seismograph für die Befindlichkeit von Kindern und Jugendlichen." Allerdings steht für ihn auch fest, dass Rap-Songs "vorhandene Einstellungen verstärken" können. Sein Vorschlag: "Die beste Waffe gegen Inhalte, die uns stören, ist die Förderung des Gegenteils, also in dem Fall von toleranter Musik."

Worte, die von der Leiterin der KJM– Stabsstelle Verena Weigand nicht unbedingt auf fruchtbaren Boden fielen. Sie betonte, dass es mit Medeienpädagokik allein nicht getan sei und betonte "Präventiver und restriktiver Jugendschutz müssen Hand in Hand gehen. Ziel des gesetzlichen Jugendmedienschutzes ist es dabei nicht, Kindern und Jugendlichen etwas zu verbieten. Ziel des Jugendmedienschutzes ist es vielmehr zu verhindern, dass Anbieter an problematischen Inhalten verdienen, die Kinder- und Jugendliche in ihrer Entwicklung beeinträchtigen oder gefährden. Dazu können auch gewalttätige und pornografische Texte von Rappern gehören."

Die am ersten April 2003 gegründete KJM ist ein ein Organ der Landesmedienanstalten, mit der Aufgabe die jeweils zuständigen Landesmedienanstalt als Organ bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen und für die Umsetzung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags zu sorgen. Die KJM prüft, ob Verstöße vorliegen und entscheidet über die Maßnahmen. Vollzogen werden diese Maßnahmen von den Landesmedienanstalten.
Die Einrichtung der KJM hatte unter anderem auch die enge Verzahnung der mit Jugendschutz befassten Institutionen in Deutschland zum Ziel. So arbeitet die KJM zum Beispiel eng mit jugendschutz.net und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) zusammen.

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