„Die Vorwürfe sind eine Frechheit“

Das war ein gefundenes Fressen für die Feulletons: ein "Gewalt-Rapper“ fährt in das Land seiner Vorfahren, um dort mit Unterstützung des Goethe-Instituts Hass und Schrecken zu verbreiten. Liest sich gut, man hat wieder ein Feindbild geschaffen und den ein oder anderen gutbürgerlichen Familienvater mag es bei der Lektüre derartiger Artikel angenehm frösteln. Dass Massiv nach Palästina gefahren ist, um sich dort gegen Gewalt und Krieg auszusprechen und den Kindern mit textlich unbedenklichen Songs wie "Es Tut Mir Leid“ eine Ablenkung vom traurigen Alltag zu bieten, klingt zwar weniger kontrovers, kommt der Wahrheit aber wahrscheinlich wesentlich näher.

Nach all der Kritik, der der gebürtige Pirmasenser sich auch auf politischer Ebene sowie sogar von Seiten des unterstützenden Goethe-Institus ausgesetzt sah (wir berichteten), ist es jetzt vielleicht einmal Zeit, dass er sich persönlich zu den Vorwürfen äußert. Deswegen haben wir von rap.de bei Massiv mal nachgefragt und durchaus interessantes erfahren: „Die Vorwürfe sind nicht berechtigt und eine große Frechheit. Ich wurde dafür angefragt und habe umsonst gespielt. Ich war da, um Musik zu machen. Was dann daraus gemacht wurde, geht gar nicht, aber das ist bei mir ja immer so. Ich bin wegen der Musik hingefahren und um mich mit den Jugendlichen in Palästina auszutauschen. Sollen die hier doch sagen und schreiben was sie wollen.

Auf seinen Auftritt selbst gab es laut dem Rapper nur positives Feedback und auch für sich selbst konnte er von seinem Aufenthalt einiges mitnehmen. „Die Texte wurden vorher übersetzt und den Leuten zu lesen gegeben. Die Reaktionen waren sehr gut und die haben sich auf jeden fall sehr gefreut. Es ist sehr schwierig, unter welchen Umständen die Menschen dort leben müssen, die ganze Region ist so voller Probleme. Man sieht einfach nur, wie gut es uns hier geht. Es war natürlich sehr interessant im Heimatland meiner Eltern zu sein, aber es ist hart dort zu leben. Alleine die Kontrollen an den Checkpoints können ewig dauern und manchmal kommt man gar nicht durch. Ich habe mit einem Rapper aus dem Workshop dort gesprochen, der muss durch vier Checkpoints zu Arbeit, fährt drei Stunden hin und drei Stunden zurück und arbeitet zwölf Stunden. Ich habe großen Respekt vor den Menschen dort.

Natürlich haben wir uns auch dafür interessiert, wie Hip Hop in dieser Region gelebt wird. Das war Massivs Antwort: „Das ist sehr wichtig, das gibt den Jugendlichen dort eine Stimme und die nutzen sie. Dadurch können die auch ausbrechen, denken nicht nur an ihre Probleme, das ist eine komplett andere Welt. Und wenn wir etwas dazu beitragen können, sollten wir das tun. Da hatte einer ein T-Shirt darauf stand „Hip Hop is not death, Hip Hop is still alive in Palastine.“ Das sagt doch alles. Aber die organisieren sich da alles allein: Aufnehmen, Platten pressen und vertreiben. Da gibt es keine Labels oder Agenturen, schon krass.“ Nicht diskutieren möchte er allerdings mit der Künstlerin Shadia Mansour aus England, die für ihre sehr radikale Pro-Palästinenische und Anti-Israelische Einstellung bekannt ist. „Shadia kommt aus England und ist nicht gerade arm. Dann zieht sich sie sich ein traditionelles kleid an und tut so, als hätte sie ihr Leben lang gekämpft. Ich finde das falsch. Wir können nicht da hinkommen, eine Woche da sein und dann denen sagen, was sie tun sollen. Mit ihr diskutiert habe ich auch nicht, die war mir zu radikal.

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