Interview mit Dat Adam über „Hydra 3D“, Soundästhetik, Youtube, Denkweisen

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Dat Adam heißt die Gruppe um Produzent Mary und den Rappern Taddl und Ardy. Durch ihre Vergangenheit bzw. Gegenwart als Youtuber stehen viele ihnen ablehnend gegenüber. Darüber, aber vor allem über ihre Musik, sprachen wir mit den Dreien zwar nicht in ihrem Raumschiff, dafür aber in ihrem selbstgebauten Studio.

Ich habe das Album gehört und war überrascht, dass es recht außergewöhnlich ist. Es war viel experimenteller, als ich gedacht habe. War das von Anfang an so geplant?

Ardy: Also nicht geplant, aber es war klar, dass wieder viel experimentiert wird, weil es der Aspekt an der Mucke ist, der uns am meisten Spaß macht.

Mary: Bei der „Chrome EP“ waren es ja schon sechs Songs, die ja auch nicht alle in ein Genre passen, von den Stilistiken und dem Sound her. Bei dem Album können wir uns noch mehr austoben, weil du mehr Songs hast, noch mehr Spielereien einbauen kannst. Du hast ja auch mehr Zeit und Möglichkeiten.

Taddl: Das Experimentelle ensteht auch krass dadurch, dass wir drei Leute sind und wir auch alles zu dritt machen. Wenn wir im Studio sind, hat jeder die ganze Zeit Ideen und wir probieren alles aus. Wir brauchen auch immer übelst lange für die Musik. Manchmal gibt es Tage, da sitzen wir fünf Stunden im Studio und haben Nichts am Ende außer einer Melodie. Dann gibt es Situationen, da will einer, dass die Snare noch diesen Layer bekommt. Der zündet dann aber nicht, die anderen merken aber, ein Layer muss noch drauf und es werden 20 verschiedene ausprobiert und dann werden auf die noch alle möglichen Effekte gelegt.

Mary: Bei dem Song „Dog-eat-dog“, war der Snare Layer einfach von einer großen Stoffschere das Zack. Das zwei mal aufgenommen, Hall drauf, Flanger drauf, das ist dann der Snare Layer, der da so reinschneidet. Oder bellende Hunde, aber dann mit Bitcrusher. Da gibt es keine Grenzen von Sounds, sei es eine Münze, die herunterfällt, oder ein Baby, das hustet – hatten wir auch schon. Dann aber halt wirklich mit Effekten zerstört und du hast einen Sound, der nicht mehr das ist, was es ist, aber z.B. als Snare Layer gibt er dann die Charakteristik dazu, die jetzt nicht von einer typischen Snare kommt. Aber es macht echt was aus und bringt eine eigene Ästhetik mit.

Ist es euch denn wichtig, so etwas einzubauen oder nur ein Gimmick für euch?

Mary: Also es ist schon wichtig, weil es in dem Sinne das Sounddesign auch auszeichnet. Es ist nicht einfach eine 808 oder Young Chop Snare, die man in einem Trap Song hört. Das ist es auch, was für mich irgendwie den roten Faden in unserer Musik ausmacht. Überall, nicht nur bei Snares, sind feine Layer, die du vielleicht nicht hörst, aber fühlst. Oft sage ich zu den Jungs: „Hört euch das mal an“. Dann mache ich einen Layer weg und auf ein mal, du hast ihn vorher gar nicht gehört, ist ein Loch in der Musik.

War es für euch denn wichtig, einen eigenen Sound zu kreieren?

Mary: Es war nicht geplant, „wir kreieren jetzt einen eigenen Sound“. Er ist einfach so entstanden.

Taddl: Uns war halt wichtig, dass es ungefiltert das ist, was wir drei nice finden. Es ist nicht so, dass wir uns hingesetzt haben mit dem Ziel, das muss jetzt was ganz Neues werden.

Ardy: Da wir immer zu dritt im Studio sind, ist am Ende die logische Konsequenz, dass die Vielfalt irgendwie entsteht. Es gibt viel Musik, die sich überschneidet, die wir hören und feiern, aber jeder hat auch seine eigenen Sachen, die er persönlich feiert oder hat seine Musik aus seiner Jugend, die ihn geprägt hat. Und so kommen da die verschiedensten Einflüsse zusammen und es wird ausprobiert und das Beste genommen oder kombiniert aus verschiedenen Ideen.

Taddl: Daraus ergibt sich dann der eigene Sound.

Mary: Und deswegen entwickelt sich der auch ständig weiter. Das jetzige Album ist auch die perfekte Entwicklung aus der „Chrome EP“. Das war ja auch das erste Mal, dass wir überhaupt zu dritt Musik gemacht haben. Und da ging es erst mal darum, den Grundsound, -vibe, -ästhetik zu finden. Wir hatten dann irgendwann unsere Effektketten oder unsere Vorgehensweise und wussten, was wir machen müssen, um diesen Sound zu bekommen. Und darauf konnten wir dann aufbauen. Das nächste Projekt wird wieder eine Weiterentwicklung sein und so geht es hoffentlich stetig weiter. Wir arbeiten jetzt schon weiter an neuen Sachen und Songs. Wir sind da momentan sehr hungrig. Da gibt es schon wieder diesen roten Faden in den neuen Liedern. So dass man nie genau weiß, was man bekommt. Aber das ist es auch, was die ganze Zeit Spaß macht. Und so wird es nicht langweilig, weil wir weiter ungefiltert, ununterbrochen kreativ sind und nicht sagen „okay, das war jetzt der Hit, den müssen wir noch mal machen“. Also nicht, das wir keinen Hit mehr machen. „700 Main Street“ findest du auf „Hydra 3D“ aber nicht nochmal.

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