Review: Cr7z – Seraph7m

Dass es sehr viele verschiedene Arten von Rap gibt sollte jedem klar sein. Es gibt Alben, die man ohne sehr viel geistliche Anstrengung genießen kann und die zum Entspannen oder Autofahren geeignet sind. Dann gibt es die, die man nur mit sehr viel Konzentration, Zeit und Willen hören kann. Cr7z‘ neuste EP „Seraph7m“ gehört für mich auf jeden Fall zur zweiten Kategorie. Zumindest der Großteil der Platte enthält inhaltsreiche Musik, die man sich aufmerksam anhören muss, um wirklich alles aufzunehmen und zu verstehen, was einem selbst dann aber nicht immer gelingt.

Das ist allerdings auch typisch, genau deswegen hören viele Cr7z, nicht, um stumpfe Wortspiele oder lustige Geschichten zu hören. Zwar sagt er seine „Musik ist nicht anspruchsvoll, die meisten sind nur zu low“, jedoch finde ich das etwas zu bescheiden – oder ich bin halt einfach zu „low“. Wenn man sich die Zeit genommen hat, versteht man auch seine Absichten und merkt: dieses Werk ist sicherlich keine leichte Kost und „keine Blu Ray Disk, bei der man sich mit stumpfen Jungs amüsiert“.

Cr7z zieht den Zuhörer in die detailliert dargestellten Geschichten über Gegensätze in unserer Welt. Wie auf „Vergib uns bitte“, auf dem die verschiedensten Seiten der Gesellschaft gezeigt werden. Einerseits ein Mann, der Hilfe bekommt von einer fremden Person, die ihm die schönen Seiten des Lebens sehen und die hässlichen vergessen lässt. Andererseits die Elitären, Reichen, die oberen 1%, die in ihren Villen umzingelt von Reichtum leben und keinen Gedanken daran verschwenden, anderen zu helfen, während andere sich ein Leben lang abrackern, um ihrer Familie zu helfen und überleben zu können. Das Leben ist aber nun mal unfair.

Es wird allerdings keineswegs nur über die Missstände unserer Gesellschaft geredet. „Seraph7m“ enthält auch sehr persönliche Tracks. Cr7z erzählt einiges aus seinem Leben. Wie wichtig ihm die Musik ist und ihm praktisch in die Wiege gelegt wurde.

Zum Ende hin werden die Lieder leichter. Es kommt auch zu Battlerap, wie zum Beispiel auf „Ikarus down“, der an alle Rapper gerichtet, die zu hoch geflogen sind und zu viel von sich halten. Passend dazu werden die Beats auch härter. Wo vorher melancholische Klavier-Samples waren, kommen jetzt harte Bässe und Synthies. Die Beats überraschen nicht, sie sind gute, klassische Grundlagen, die bestens zur Stimmung der Texte passen.

Das ist auch einer der Sachen, die das Album rund machen. Die Beats wurden außerordentlich gut an die Thematik und die Stimmung der Lieder angepasst. Die tiefgründigen Tracks haben auch eine dazu passende ruhige Grundlage, die eine eher nachdenkliche Stimmung schaffen und einfach gehalten sind, während die harten Tracks auch die dazu passenden Grundlagen bieten. Das Soundbild ist Keano Beats, DJ Eule, DJ Smoove, Jectah und Cr7z gut gelungen.

Durch das Album zieht sichCr7z‘ technische Stärke, mit der er scheinbar ohne Probleme sehr lange Klangketten bildet wie: wächst schnell / Excel / exponentiell / XL / extrem schnell / next level / existentiell. Diese Eloquenz führt dazu, dass man wirklich Spaß daran hat, „Seraph7m“ zu hören. Man hängt ihm quasi an den Lippen und will gar nicht mehr weghören. Seine Wortgewandtheit gepaart mit einem unaufhaltsamen Flow und starkem Inhalt macht das Ding zu einem wirklichen gelungenen Werk. Es hätte nur meiner bescheidenen Meinung nach noch ein bisschen länger sein dürfen.

 

 

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