Review: Dexter – Raw Random Files

Dexter, sicherlich einer der fähigsten Produzenten aus deutschen Landen, veröffentlicht sein lang ersehntes neues Album „Raw Random Files“. Der Arzt aus Heilbronn sollte dem ein oder anderem wegen seiner Zusammenarbeit auf Albumlänge mit Döll auf „Weit entfernt“ und Fatoni auf „Yo, Picasso“ bekannt sein, aber auch wegen seines letzten Solowerks „Palmen und Beats“. Außerdem produziert er öfters für Rapper wie Audio88 & Yassin, Chefket, Mädness und vielen weiteren, wie auf seinem Album „Palmen und Friends“ (auf dem er auch selbst ans Mic steppte). „Raw Random Files“ indes ist ein reines Beattape. Auf diesem mischt er meisterlich Oldschool Cuts mit jazzigen bis hin zu klassischen Samples und wird, um das gleich vorwegzunehmen, den hohen Erwartungen gerecht.

Der Albumtitel passt hervorragend zu der Stimmung und dem Sound des Werks. Denn ein rohes, willkürliches, aber dennoch irgendwie geordnetes Gesamtbild wird geschaffen. Man findet immer frische Melodien und Phrasen, die auf den ersten Eindruck zusammengewürfelt scheinen, dann aber doch ein abgestimmtes Werk ergeben. Die HipHop-Cuts harmonisieren nämlich unglaublich gut mit den rockigen Samples und Instrumentals.

Man kann nur sehr schwer beim Hören still halten, denn jeder Track hat eine Melodie oder ein Muster, welche zum Kopfnicken oder Mitwippen anregt. Außerdem wirkt es nie repetitiv, denn wo auf „Brazilian Schwanensee“ noch die klassische Tschaikowsky-Melodie zu hören ist, kommt auf „Gunbuck You Up“ ein grooviges Riff einer E-Gitarre zum Einsatz. Unmittelbar darauf  auf „Everyday Like This“ dann eine orientalisch klingende Vocalspur mit melodiösen Trompeten im Hintergrund.

Der rote Faden, der sich fast ununterbrochen durch das Tape zieht, sind die satten, abgerundeten Drums, die immer einen dichten Teppich als Grundlage für die diversen Samples schaffen. Man merkt, dass Dexter mit der Präzision eines Chirurgen gearbeitet haben muss: das überflüssige rausschneiden, die einzelnen Elemente minutiös verschieben, damit keine Drum, Snare oder Vocal zu früh oder zu spät einsetzt, alles exakt abmischen- all das, damit am Ende der gestochen scharfe Klang kreiert wird. Außerdem ist die Harmonie der verschiedensten Phrasen und Cuts unglaublich gut gelungen und macht aus der vielleicht willkürlich wirkenden Auswahl an Klängen ein durchdachtes Zusammenspiel von Alt und Neu, HipHop und Klassik, Rock und Jazz. Und das tatsächlich über die gesamte Länge des Albums.

Die Atmosphäre erinnert durchaus an „Palmen und Beats“, wobei meiner Meinung nach eine noch entspanntere Stimmung erzeugt wird. Dexter schafft also erneut ein sehr durchdachtes Werk, das nach intensiverem Hören keineswegs „random“ wirkt und genau den richtigen Sound hat, um den verschwundenen Sommer, wenigstens gedanklich, wieder aufleben zu lassen.

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