Review: Holy Modee & Morten – Global Players

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Morten und Holy Modee sind „gloѢal ₽£A¥€R$“. Mit ihrem ersten gemeinsamen Tape „unnerwegs“ haben sie die Grundpfeiler gesetzt, um nicht einfach nur unnerwegs zu sein, sondern nun als weltweit aktive Spieler anerkannt zu werden.

In Anlehnung an die Songtitel könnte man für „gloѢal ₽£A¥€R$“ ein Holy Modee vs Morten formulieren: Bei „euer vs ehren“ oder auch „bbk vs immer“ wirken die beiden fast wie Gegenspieler, beim zweiten Mal hören hingegen merkt man, dass sich beide immer weiter bis zum Maximum pushen und letztendlich doch in einem Team spielen. Markant wird das vor allem, wenn man sich die Tracks mit den Featureparts anhört. Bei „fehler vs überlebt“ mit CE$ und Marvin Game zum Beispiel: beide „teilen“ sich quasi einen Part und ergänzen sich gegenseitig, bevor die Hook von CE$ einsetzt.

Dabei haben sie nicht nur die unverzichtbaren Adlibs drauf. Auch ihre Stimme setzen sie abwechslungsreich ein, aber so, dass man die ganze Zeit über trotzdem im selben Film bleibt. Und natürlich in Harmonie mit dem Beat. Mehr noch: Die Stimme wird hier, genauso wie alle anderen Bestandteile eines Songs, zum Instrument. Das ist wahrscheinlich auch deshalb möglich, weil Morten die Beats selbst produziert. Dieses Stilmittel kommt besonders zum tragen, wenn beispielsweise Modee bei „bbk vs immer“ für kurze Zeit auch ohne den Beat auskommt. Auch wenn er auf „da vs neben“ seine hohe Gesangsstimme zum Besten gibt oder beide mit dem Setzen von Pausen herumexperimentieren, sodass sich ihr Flow auch immer wieder variiert.

Textlich geht es viel um den Aufstieg : „Zu viele Tage hier im Dreck verbracht, ich mach jede Wette, dass ich es mal schaff“. Aber sie sind auch lyrisch oft „auf der Jagd nach dem Mula“: „ich brauch mehr, als ein Deal von nur 10.000“ und lieber „eine million“ statt Stress. Drogen und Frauen (für die sie allerdings keine Zeit haben) werden natürlich auch thematisiert: „Sie sagt ich würd‘ zu viel Drogen nehmen, jeden Tag will sie mich wiedersehen“.

Diese Inhalte sind natürlich im Rap nichts Neues, aber die Verpackung ist trotzdem eine andere, originelle. Denn im Endeffekt stehen bei ihnen ja nicht die Lyrics im Vordergrund, sondern das gesamte Soundbild. Und wenn der Text dann nur aus „Ich bin und ich bleibe krass, sag was, kein Spaß, niemals, jaja, du weißt Bescheid“ besteht – klingt gelesen irgendwie gar nicht besonders, aber mit Modees Stimme und der Akzentuierung auf dem Beat funktioniert das hervorragend.

Die Beats wurden, mit einer Ausnahme, nämlich der Unterstützung von Zen Feriz auf „fehler vs überlebt“, von Morten produziert. Der formt viele Samples zu eingängigen Melodien aus Gitarren, hohen Klaviertönen oder Streichern. Auch Sängerinnen sampelt er gerne, wie zuletzt schon Lana Del Rey bei „Realität“ auf „Hennessy & Autotune“ von Marvin Game, dieses Mal Shirley Bassey auf „I pille vs I joint“, welches den Tracks nochmal eine ganz andere, melodiösere und gleichzeitig poppigere Atmosphäre gibt.

Auch bei den Drums gibt es viel Diversität: von intensiven Kickdrums, wie bei „da vs neben“, „fehler vs überlebt“ oder „I pille vs I joint“, über offene Hi-Hats bei „bbk vs immer“ bis hin zu tropfenden oder plätschernden Snares bei „euer vs ehren“ und „drogen vs jeden tag“ ist alles dabei.

Wenn man es schaffen will, ein Global Player als deutschsprachiger Act in der Musiklandschaft zu werden, so muss man wahrscheinlich besonders Wert auf den Sound legen, anstatt sich zu lange Gedanken um die Lyrics zu machen. Und: Gefühle können Morten und Holy Modee so auch besser vermitteln. Wenn man in der Musik also viel Wert auf hochanspruchsvolle, bedeutungsschwangere Texte legt, wird einem „gloѢal ₽£A¥€R$“ eher nicht zusagen. Wobei ihre Lyrics auf eine andere Art und Weise durchaus ihren Anspruch haben, denn catchy sind sie meistens allemal und das muss man auch erstmal hinkriegen, besonders auf Deutsch. Willkommen zur Globalisierung.

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