Herzog – Vollbluthustler (Review)

Es gibt diese Rapper, die immer die gleichen „abwechslungsreichen“ Alben machen. Da muss dann ein Track für die Straße, einer für den Club, ein Song für die Homies, einer für Mama und eine Stadthymne drauf sein. Dann gibt es noch jene, die sich bei jedem Album neu erfinden. Herzog gehört weder zu der einen, noch zu der anderen Sorte. Seit seinem ersten Mixtape „Corner Hustle“ geht es bei ihm fast ausschließlich um die Drogen, vor allem um Cannabis. Nach den beiden Alben „Ein Herz für Drogen“ (Re-Release als „EHFD“) und „Eine drogenlose Frechheit“ erscheint nun „Vollbluthustler“ über das eigene Label BombenProdukt und wieder geht es nur um das Eine. Man könnte meinen, ein Album, das sich so explizit nur mit einem einzigen Thema beschäftigt, könnte schnell langweilig werden – grade weil die Vorgänger es bereits abgehandelt haben.

Denn nicht nur thematisch, auch der soundteschnisch schließt „Vollbluthustler“ nahtlos an „Eine drogenlose Frechheit“ an. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der Sound aber noch konsequenter und einheitlicher. Die Instrumentals von 86kiloherz, der wie stets das gesamte Album produziert hat, passen Herzog wie auf den Leib geschneidert. Die Stimme sitzt perfekt zwischen den tiefen Bässen und hohen Synthies. Wieder einmal zeigt sich, warum es Sinn macht, ein Album mit einem einzelnen Produzenten zu arrangieren. Am Ende steht für „Vollbluthustler“ ein stringentes und individuelles Soundbild, das sich trotz bekannter Zutaten von anderen Produktionen absetzt.

Neben den Inhalten ähneln sich also auch die Beats. Spätestens jetzt müsste man die Frage, ob das Album langweilig ist, augenscheinlich mit ja beantworten. Ist es aber nicht. Herzog schafft es, das Thema Drogen kreativ von verschiedenen Seiten zu thematisieren. Oft gibt die eigene Historie als Dealer den Ankerpunkt, Mal ist es die Beschreibung der Wirkung verschiedener Substanzen. Es gibt das „ABCannabis“ für Leute, die noch was über die Vielfalt der Botanik lernen wollen, und sogar ein Liebeslied mit „1a Kifferpärchen“, natürlich ohne den grünen Faden zu verlieren. Am interessantesten bleibt es jedoch, wenn der Berliner einfach den Drogen-Representer gibt.

Auch die Features, alle Teil der Vollbluthuster-Crew und bei BombenProdukt unter Vertrag, reihen sich nahtlos ein. Jeder der Rapper bringt seinen eigenen Input, ohne inhaltlich abzuweichen. Trotzdem sind sie wichtig, um dem Album zumindest eine angenehme und stimmliche Abwechslung zu verleihen.

Auf „Aufwärtsspirale“ mit PTK wird auch der naheliegende Vorwurf der Drogenverherrlichung aufgegriffen, den die Rapper zwar nicht entkräften, den Vorwurf selbst aber als heuchlerisch darstellen. Wer also ein Problem mit der Verherrlichung von Drogen hat, sollte die Finger von „Vollbluthustler“ lassen. Jedoch muss man auch kein Konsument sein, um Herzogs Songs zu genießen.

Herzog und 86kiloherz bringen mit „Vollbluthustler“ ein Album, bei dem man schnell merkt, ob es einem gefällt oder nicht. Wer die Auskopplungen „Sucht & Ordnung“, „Ich kiffe also bin ich“ und „Blätter, die die Welt bedeuten“ feiert, dem wird es mit dem Album nicht anders gehen. Es dreht sich um Drogen aller Art und straighten Rap auf synthetischen (aber nicht billigen) Beats. „Vollbluthustler“ geht den Weg seiner Vorgänger konsequent weiter, ist aber noch zielsicherer On Point. Kurz gesagt: Ein starkes Album, das thematisch und soundtechnisch monochrom aber nicht langweilig ist.

3 KOMMENTARE

  1. Kann mir mal einer so 5 relevante Alben nennen die offensichtlich nach diesem Klub/Mutter/Stadt Schema klingen? Das hört man ständig aber ich hab nicht das Gefühl, dass das tatsächlich so oft vorkommt und einfach nur ein Klischee ist das sich irgendwann verselbstständigt hat.

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