Riff Raff – Peach Panther [Review]

Von Neon zu Pfirsich: Weirdo-Rap Koryphäe Riff Raff lässt nach mehrfachen Verschiebungen den „Peach Panther“ von der Leine. Das berüchtigte zweite Album. Nachdem die Neon Ikone vor zwei Jahren vollends mit charmant schief gesungenen Hooks, lean-getränkten Instrumentalen und mutiger Experimentierfreudigkeit zu überzeugen wusste, hat Riff Raff seither nicht nur an Muskelmasse, sondern auch an raptechnischer Treffsicherheit zugelegt. Weit versierter als noch vor zwei Jahren spittet der Texaner nun verdrogte Representer-Lines über zischende Trap-Banger. „Peach Panther“ ist eindeutig als Live-Album konzipiert – kein Wunder also, dass nun erst mal auf die über 30 Gigs umfassende „Peach Panther„-Tour geht.

Interessant dabei ist auch das Tracklisting: Exakt die erste Hälfte der zwölf Songs kommt vollständig ohne Feature-Gäste aus, in der zweiten hingegen gibt es auf jedem Song Unterstützung. Mal Hochkaräter der Marke Gucci Mane, dessen Hook auf „I Drive By“ eines der Highlights darstellt, mal verhältnismäßig unbekannte Kollegen, die aber stets eine gute Figur machen. So auf „I Don’t Like To Think„, das mit seinem vertrippt metallenen Beat die Prioritäten von Riff Raff und Problem erklärt: Sie mögen es nicht, nachzudenken. Sie wollen nur trinken und rauchen. Kann man machen. Riff Raffs Wie-Vergleiche hier sind zwar unter aller Sau („Money greener than broccoli / Speakers kick like Bruce Lee“ – Mois…) aber der Song entfaltet seine Wirkung perfekt.

Trotz des Augenmerks auf 808-beladene Live-Banger gehen „Neon Icon„-Fans nicht leer aus: Meine persönlichen Lieblingssongs finden sich genau in der Hälfte des Albums. Insbesondere „Syrup Sippin Assassin“ hat es mir angetan. Die Lean-Laudatio besteht nur aus einer Hook und einer Instrumental-Bridge, kommt mit einem Vokabular exakt zwölf verschiedenen Wörtern aus. Riff Raffs unfassbar schmalziger Gesang verleiht der simplen Aussage „Sip syrup / Keep ballin‘ /I sip so much codeine I’m ‚bout to fall asleep“ tatsächlich etwas zauberhaftes, der Synthie-verhangene Beat lädt zum benebelten durch-die-Gegend-Schweben ein.

Textlich ist genau das leider auch der Wermutstropfen: Riff Raff hat weniger zu erzählen, gibt viel weniger von sich preis, als auf dem brillanten Vorgänger. Klar, da drehte es sich auch hauptsächlich Kokain und Versace. Es gab allerdings durchaus inhaltliche Abwechslung und auch intime Einblicke, etwa auf „Time„. „Peach Panther“ ist da viel eindimensionaler, Songs wie „Versace Python“ oder „Lava Glaciers“ sucht man vergeblich. Klar, sind die auch keine beeindruckenden Conscious-Songs, aber eben Einblicke in Riff Raffs Innenleben, die einem hier verwehrt werden. Selbst Songs mit vielversprechenden Titeln wie „All I Ever Wanted“ heißen so, weil alles, was Raff jemals wollte, der Syrup in seiner Sprite war. Auch die musikalische Experimentierfreudigkeit, die „Neon Icon“ zu so einem herausragenden Album machte, geht dem Neuwerk ab. Klar, Riff Raff spielt seine Stärken aus, besinnt sich auf die beiden Stile, die er am besten beherrscht. Doch es waren Nummern wie das indie-rockige „Kokayne“ oder der schnulzige „VIP Pass To My Heart“ mit Eurodance-Anstrich, die dem Debüt den letzten Schliff gaben.

Nichtsdestotrotz ist „Peach Panther“ ein herausragendes Album, das Riff Raffs ureigenen Swah zu transportieren weiß. Die selbstverliebten Ansagen á la „They thought they needed glasses when I copped that codeine castle“ funktionieren besser denn je und das hervorragende Tracklisting verleiht dem ganzen straffen einen Drive, der dem Vorgänger abging. „Peach Panther“ ist kein zweites „Neon Icon„, sondern etwas Neues, Konsequenteres. Mehr verspulte Gesangseinlagen hätten jedenfalls niemandem weh getan. Eine künstlerische und raptechnische Weiterentwicklung ist nicht zu übersehen, die scheint Jody Highroller aber nach und nach seine Narrenfreiheit zu kosten und ihn in seinem Schaffen einzuschränken. Manchmal ist weniger eben mehr.

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