ÉSMaticx – Rot [Review]

Mit den Worten „Das Leben ist genauso, wie mein Album sagt: ’n bisschen traurig, aber geile Stellen“, beschreibt ÉSMaticx gleich im ersten Track ihres Debütalbums „Rot“, in welche Richtung das 14 Tracks umfassende Album gehen soll. Die Siegener Rapperin kennt man durch ihre VBT-Battles und drei EPs, die sie veröffentlichte: „Schöne Be-share-ung (2011)“, „Komm mal mit, denn das ist ÉS (2013)“ und „Liegen bleiben (2015)“.

ÉSMaticx Debütalbum „Rot“ erscheint über das Egoland Musik-Label, das von der HipHop-Formation Egoland geführt wird und dessen Mitglied Lucry die gesamte Produktion für das Album übernommen hat. Die Instrumentals auf „Rot“ sind relativ simpel, sehr sauber, und weisen einige Samples auf. Dennoch sind sie recht abwechslungsreich, kommen musikalisch daher und bieten somit eine gute Soundvorlage für ein dynamisches Album.

Doch das Wesentliche ist ja eigentlich der Künstler, der sich auf diesen Beats austobt: ÉSMaticx rappt über die Themen Alltag und Frauen, so wie wahrscheinlich mehrere Vertreter der deutschen Rapszene auch. Jedoch scheint diese Vertreterin von konstanter Traurigkeit übermannt zu sein, die sich in ungefähr 70 Prozent des Albums blicken lässt. Lines wie zum Beispiel „Ich rechne bei Glück eher mit dem Kehrwert, bin nix anderes gewohnt“ auf „Hallo“, „Ich bin wohl der allerärmste Mensch in Deutschland“ und „Was für ein mieser Tag, dabei hab ich das nicht verdient“ auf „Frau Schulte“, wirkt sie schon regelrecht verbittert und jämmerlich. Ach halt! Das ist natürlich alles ironisch gemeint. Ändert aber leider nichts daran, dass es nervtötend und langweilig wird, da es sich, wie schon erwähnt, fast durch das gesamte Album zieht. Vor allem ist ihr Kummer überhaupt nicht klar definiert, was ihr anscheinend auch bewusst ist, was sie im Song „Alt Neu“ sogar selbst zugibt: „Ich red‘ nicht gerne über mich und mein Problem, was gibt’s schon zu erzählen, die meisten Dinge sind für andere nicht mal Wert sie zu erwähnen“.

Klar gibt es da dann noch die knapp 30 Prozent, die nicht von ihrem „ironischen“ Trübsal handeln: Der Track „Internetopfer“ ist ein Beispiel, in dem ÉSMaticx ihre Battlerapskills unter Beweis stellen kann und auch mal andere Menschen bedauert, statt sich selbst – nämlich YouTuber, um genau zu sein. Als Featuregast auf „Rot“ tritt nur die Rapperin She-Raw vor und übernimmt die Hook für den Track „Ruf nicht“, der dem Album, durch das Einsetzen einer anderen Stimme und She-Raws lebhaften Gesang, etwas Monotonie nimmt. Die Frage, ob das Album durch mehrere Features besser geworden wäre oder ob die Siegenerin dadurch zu sehr in den Hintergrund gerückt wäre, bleibt für mich ungeklärt.

Bedauerlich, dass die VBT-Rapperin nicht auf ihre Battlerap-Stärke gesetzt hat, statt auf recht eintönige und kümmerliche Inhalte zu setzen. Melancholische Texte können auch total interessant sein, aber dieses Album ist meiner Meinung nach ein schlechtes Beispiel dafür.  Klar sind Geschmäcker unterschiedlich, doch im Selbstmitleid versinken war noch nie cool – auch nicht ironisch. Um noch einmal auf das obige Zitat von ÉSMaticx einzugehen: Das Album ist mehr, als nur ein bisschen traurig und hat leider sehr wenige geile Stellen. Schwester, komm da bitte ganz schnell raus.

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