Kontra K – Labyrinth [Review]

Das „Labyrinth“ hat seine Pforten geöffnet – und wenn du fit genug bist, darfst du eintreten. Kontra Ks fünftes Soloalbum ist am Start und macht da weiter, wo „Aus dem Schatten ins Licht“ aufgehört hat. Motivationsmusik, die dich 69 min länger auf dem Laufband durchhalten lässt, als dein Körper eigentlich in der Lage zu ist. Sprich, der beste Moment um Kontra K zu pumpen, ist beim pumpen – oder irgendeinem anderen Sport – das war so und das bleibt auch so. Fakt ist, Major Payne könnte einen nicht besser motivieren als der Berliner Rapper und Kickboxer. Allerdings muss man im selben Atemzug deutlich machen, dass „Labyrinth“ bei weitem nicht darauf zu reduzieren ist.

Der Langspieler macht einen absolut runden Eindruck, wie man es nicht anders von Kontra gewohnt ist. Jeder Track ist ausbalanciert und kommt überzeugend daher – auch wenn die Themen meist miteinander verwandt sind. Eine musikalische Weiterentwicklung lässt sich jedoch erkennen. Kontra Ks Lebenseinstellung steht ja auch für alles andere als Stagnation. Natürlich bekommt „Kampfgeist“ Platz für einen dritten Teil auf „Labyrinth“ und diverse Lines, die dich dazu animieren sollen, deinen Grasbeutel im Klo zu versenken, deinen Arsch hoch zu kriegen und dich und deine Umwelt aktiv selbst zu formen, sind selbstverständlich auch vertreten, aber das gehört nun mal zu Kontra K wie die Liegestütze zum Training und macht unter anderem sein Alleinstellungsmerkmal aus.

Es lässt sich kein Track herauspicken, den man als schwächer einstufen kann. Kontinuität gehört halt ebenfalls zu den Stärken des Berliners. Bis zuletzt galt es immer, dass man Kontra K, wenn überhaupt, nur vorwerfen kann, dass er mehr aus sich und seiner Musik machen könnte, als er es tut. Und genau in diese Richtung wird ein großer Schritt mit „Labyrinth“ gemacht.

Nie wieder“ kommt beispielsweise als enorm selbstreflektierter Song daher, indem Kontra mit seinen Fehlern der Vergangenheit auf sehr persönliche Weise aufräumt. Solche Tracks erwartet man auf einem guten Soloalbum. Der Künstler soll sich auf gewisse Weise öffnen und ein Stück seiner Selbst in die Musik verpacken (siehe „Sohn“, der ebendiesem gewidmet ist). Und Kontra K wirft auf seinem Langspieler einiges ein:

Ich hasse den Mensch aufs Blut, doch würde für manche sterben.                                          Meine scheiß Vergangenheit, ein Haufen Scherben.                                                                         Mir geht es viel besser als damals, viel viel besser,                                                                    doch ganz ehrlich, ein kleines bisschen vermiss ich die Schmerzen.“ („Labyrinth“)

Da wie oben bereits festgestellt, keine wirklich schwache Anspielstation auf dem Album vertreten ist, fällt es ebenso schwer die besseren Tracks herauszukristallisieren. Insgesamt gibt es vier mit Features versehene Anspielstationen, was ein sehr gesundes Maß darstellt. Und natürlich ist „Gut Böse“ mit Raf Camora und Bonez MC ein absolutes Brett, aber auch Songs wie das eben zitierte „Labyrinth“ oder die visuelle Auskopplung zu „Ikarus“ stellen klare Highlights dar.

Rundum ein absolut gelungenes Album. Man schmeckt das Blut und den Schweiß von Kontra K beim Hören fast, er hat sich weiterentwickelt, bleibt aber gleichzeitig seiner Linie absolut treu. Wenn man die Message von K auf wenige Worte runterbrechen will, stehen da prägnante Worte wie Disziplin, Wille, Aufrichtigkeit und Selbstreflexion. Bisschen Old School vielleicht, aber auf jeden Fall eine konsequente Haltung.

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