Pedaz – Schwermetall [Review]

Schwermetall“ – das ist nicht nur das persönliche Debütalbum von dem Rapper und Arbeiter aus dem Pott, sondern auch ein Abbild von Pedaz‘ Selbst – und das merkt man nicht nur auf den zweiten Blick.

Neben einer Deluxe-Box mit Zusatz-EP, einer Promophase, einem Allstartrack, autobiographischen Songs und allem anderen, was ein richtiges Album so bieten kann, prägt „Schwermetall“ vor allem eines: eine Idee, die der Pottler von vorne bis hinten durchzieht. Angefangen mit einem Flaschenöffner und Bierdeckel als Gimmick, über das Albumcover, auf dem er mit Presslufthammer posiert, bis hin zum brachialen Soundbild – das gesamte Album steht von vorne bis hinten unter dem Motto des Ruhrpotts und seiner Arbeit auf dem Bau. Das hat Pedaz – auch wenn dieses Bild auf den ersten Blick ziemlich plakativ erscheint – auf seinem Album auf eine ehrliche Art und Weise glaubhaft und fern von Image-Tuerei umgesetzt.

Auch wenn „Schwermetall“ kein klassisches Konzeptalbum ist, ist der Name Programm und dieser wird wo es geht durch ein ungewöhnliches Soundbild unterstrichen. „Schwermetall“ bietet nämlich nicht nur standardgemäße Rapbeats, sondern auch eine große Portion E-Gitarren-Sounds und besonders hervorgehobene Drums. Nicht der gewöhnlichste Soundteppich für Punchlines, die sich Pedaz auch auf diesem Album wieder zur Hauptaufgabe gemacht hat. Auch wenn ich persönlich kein großer Freund von E-Gitarren in Beats bin, finde ich die meisten Tracks trotz – oder gerade wegen dieses ungewöhnlichen Soundbildes – gelungen. Woran das liegen mag? Wohl nicht daran, dass ich Metal feier‘. Es liegt wohl einfach daran, dass Pedaz und sein ganzes Album glaubhaft und rund rüberkommen. Er schafft, was nicht vielen gelingt: Neues ausprobieren und sich dabei trotzdem nicht verbiegen. Dazu hat natürlich nicht zuletzt das Produzententeam rund um die Stereoids, Joshimixu, Abaz, Rooq, Johnny Illstrument und Joznez sowie RAF Camora beigetragen.

Seinem Pedaz-typischen Rap, geprägt von einer Menge Wie-Vergleichen, Punchlines und der unverfälschten Pott-Attitüde, bleibt er nämlich das gesamte Album über treu, trotz Metaleinschlag, zwischenzeitlicher Gefühlsduselei und der Gesangseinlage von RAF auf „Vakuum“. Bei Features bist du wie ein Schnitzel, Kumpel, du lässt dich breitschlagen“ – einer der unzähligen Wie-Vergleiche, die auf „Auf die Fresse, Fertig, Los“ irgendwie auch mit einem E-Giatarrensolo im Hintergrund gut funktionieren, bis sie dann ganz plötzlich von Lines wie „Meine Lippen sind dazu da, um dir ‚Ich liebe dich!‘ zu sagen“, verdrängt werden. Das klingt zunächst irgendwie unpassend und ist beim ersten Durchhören auf jeden Fall auf eine Art und Weise überraschend, aber Pedaz macht auf dem Album klar: Auch der größte Battlerapper aus dem tiefsten Ruhrpott hat Gefühle und das hat auch auf einem Album namens „Schwermetall“ seine Berechtigung. Zwar sind Punchlines und Representer ohne Frage das vorherrschende Motiv des Albums, aber gerade wenn Pedaz die Fassade mal einreißt und mehr von sich preisgibt, ist das das Salz in der Suppe, das so vielen Battle-Alben fehlt.

Man hat selten das Gefühl, dass er sich mit seiner Konzeptidee zu viel aufgehalst hat oder auf Teufel komm raus etwas Neues bringen will, was dann im Endeffekt doch nur verkrampft klingen würde. Dieses Bild lassen auch die drei autobiographischen Tracks nicht einbrechen. Es fasziniert, wenn der zwei Meter große Arbeiter mit Baustellenbräune, Blaumann und Pils in der Hand zwischen Punchlines über deine Mutter plötzlich auf intime Art und Weise über seinen Bruder, seine Frau oder seine Krankheit rappt. Auch wenn das manchen vielleicht eine Nummer zu viel sein mag, schwächt dies nicht meine Ansicht, dass die Platte einfach etwas Ehrliches vermittelt. Mir persönlich ist zwar der ein oder andere Vergleich zu viel und die ein oder anderen Thematik ein bisschen zu platt, dennoch überzeugt mich das Album im Gesamtpaket, denn Pedaz liefert neben einem abwechslungsreichen, Punchline-befüllten Rapalbum mit eigensinnigem Sound, vor allem eines ab: Ein ziemlich ehrliches Stück von sich selbst und das sollte seinen Platz finden.

Wem also Wie-Vergleiche nicht nach drei Minuten zum Hals raushängen und wer durch Gefühle auf einem Track nicht gleich zum Eisklotz wird, kann mit „Schwermetall“ auf jeden Fall einiges anfangen und außerdem: Wer den Ruhrpott mag, kann auch nicht viel gegen „Schwermetall“ haben – Harte Schale, weicher Kern.

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