Jalil – Das Leben hat kein Air System [Review]

Dies ist die Geschichte von einem Mann, der aus dem 50. Stock von ’nem Hochhaus fällt. Während er fällt, wiederholt er, um sich zu beruhigen, immer wieder: „Bis hierher lief’s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut…“. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung!“

Mit dem Zitat aus dem französischen Film „Hass – La Haine“ startet Jalils Album „Das Leben hat kein Air System“ und vermittelt so unmissverständlich, in welche thematische Richtung das Ganze bewegt. „Hass – La Haine“ zeigt 24 Stunden aus dem tristen Straßenleben dreier Jugendlicher in den französischen Banlieues. Gewalt, Polizei und Drogen stehen dabei ganz oben auf der Tagesordnung – so auch bei „DLHKAS„. Genau diesen Filmausschnitt hat man zwar schon gefühlte 100 Mal als Opener oder Skit in Deutschrap-Alben (Veysel, Nazar, Mosh36 etc.) gehört – aber geschenkt.

16 Tracks (15 Songs und ein Skit) feinsten Gangsta-Rap mit Features von Labelboss Fler, Ali Bumaye und B-Lash hat „DLHKAS“ zu bieten. Der Langspieler ist in Zusammenarbeit mit nur einem Produzenten, nämlich mit Lucry von Egoland, entstanden. Die Beats sind klar auf das Lupenreine Straßen-Genre zugeschnitten und ergeben in Kombination mit den ebenso thematisch homogenen Lyrics ein rundes  Streetalbum.

Das Leben hat kein Air System“ ist Jalils erstes Album, das über Flers Label Maskulin erschienen ist. Während das 2014 über Onemillion Berlin erschienene Album „Radikal“ oder  die „Sinneswandel“ EP von 2012, thematisch ähnlich ausgerichtet sind, so ist „DLHKAS“ um einiges energiegeladener und härter. Auf gesungene Hooks  wird beim dritten Album des Berliners fast vollständig verzichtet. Stattdessen wird unter anderem auf polemische Gastbeiträge gesetzt:

Scheiß auf Vater Staat, denn ich hatte nie ein Vater. Hatte nur den Glauben Junge, sowas nennt man Karma. Lass die Leute reden, wenn sie sagen, dass ich stresse. Rappe bis die Wichser endlich peilen, dass ich flexe“ (Fler auf „Karma„).

Die Maskulin Einflüsse sind auf „DLHKAS“ deutlich spürbar. So sind sowohl Jalils Album, als auch das am 11. September erschienen Frank White Album „Weil die Straße nicht vergisst“ an den klassischen Berliner Straßenrap angelehnt. Als auflockernden Ausnahme-Track setzen Jalil und Ali Bumaye auf „Du Kek“ das durch Fler geprägte Schimpfwort „Kek“ auf recht amüsante Weise in Szene.

Die restlichen Songs handeln vom Straßen-Lifestyle, der mal von seiner reflektierten Seite, wie auf dem Titeltrack „Das Leben hat kein Air System“ und mal von der klassischen Gangster-Seite, wie auf „Mein Zuhause“ beleuchtet wird.

Ein kleines Stück thematische Vielfalt, in Form von Gesellschaftskritik jenseits der klassischen Straßenprobleme, bringt Jalil durch „Bundestag“ in das Album. „Stell dir vor du kommst im Schiff her, von dort, wo der Krieg herrscht/ Sie behandeln dich, als wär‘ dein Leben nichts wert.“

„Das Leben hat kein Air System“ zeichnet sich durch den Versuch aus, die Street-Thematik auf etwas originellere Weise verpacken zu wollen. So setzt sich der Berliner auf „Nino Brown“ mit dem Protagonisten und Drogenhändler aus dem 90er Jahre Film „New Jack City“ gleich.  Auch der Originalton aus „Hass – La Haine“ knüpft an diesen Versuch an. Nichtsdestotrotz handelt es sich bei JalilsDLHKAS“ um ein klassisches Straßenrap-Album, das genau das macht, was es soll und so wohl jedem Maskulin-Anhänger gut gefallen wird – aber eher versuchte, als tatsächliche Originalität bietet.

 

VÖ Datum: 2. Oktober 2015
Verkaufsrang: 18
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