Manuellsen – Killemall [Review]

Knapp fünf Jahre mussten Rapliebhaber auf ein klassisches Manuellsen Rap-Album verzichten. Mit seinen letzten Projekten, darunter eine Soul-Version des Albums „M.Bilal“ sowie dem Langspieler „M.Bilal 3„, versuchte er den großen Durchbruch als Solokünstler auf gesanglicher Ebene. Vor allem als Featurepartner mit dem richtigen Gespür und der passenden Stimme für gesungene Hooks erfreut er sich deutschlandweiter Beliebtheit und Anerkennung.

Schon ewig wird der Ruhrpottler zu den begnadetsten deutschen Sängern gezählt, vor allem im Bereich des Soul- und R&B-Gesangs. Hier tobte er sich also weitesgehend aus, bis er zum Entschluss kam, noch einmal einen Angriff auf das Rapgame zu wagen. Mit „Killemall„, das über sein eigens gegründetes Label „Könige im Schatten“ als Sublabel von Chapter One / Universal Music erscheint, hofft er, einige Deutschrapkollegen „auf musikalische Art und Weise“ zu vernichten. Außerdem wurde der aktuellen Rapszene im Voraus mit dem „Untergang“ gedroht.

Auch das aufwendig gestaltete Artwork des Covers trägt dazu seinen Teil bei. Es weist die Richtung des Albums klar und deutlich an und kann mit dem eines Horrorsteifens à la „Hell Asylum“ verglichen werden. So weit, so gut. Kommen wir zum eigentlichen Teil der Rezension, dem musikalischen Content von „Killemall„.

Wie schon auf der „M.Bilal Souledition“ beginnt das „Intro“ mit einer melancholischen Klaviermelodie, die nach kurzem Anspielen von einem geladenen Manuellsen und Synthies überstimmt wird, welche es direkt zu einem richtigen Representer formen. Mit diesem soll von Anfang an klargestellt werden, was er mit „Killemall“ bewirken will. Lines wie „Ich war schon HipHop, da haben die meisten Gangstarapper-Eltern nicht mal gefickt„, machen seinen Standpunkt in der deutschen Hiphop-Szene mit aller Gewalt deutlich.

„Gewalt“ ist ein gutes Stichwort, denn dem Intro folgt „Gerüchte 2.0„, ein Rundumschlag gegen unter anderem Bushido und Fler. Hier überzeugt neben seinem Hunger und seiner Aggressivität auch sein Händchen für Hooks, wodurch sich der Song zum Ohrwurm entwickelt. Der Titeltrack stellt sich ebenfalls als lupenreiner Representer dar, bei dem sich die „Kill Em All„-Phrase regelmäßiger Wiederholung erfreuen kann. Die Marschrichtung des Albums ist also klar.

Das ist keine Warnung, es stimmt, ich erstech diesen Panda und grins, denn mois I’mma kill em all. Fler fick deine Mutter, Staiger ich fick deine Mutter, ihr Neider ich fick eure Mütter und zwar kill em all. Scheiß auf Mr. Niceguy, Klinge durchs Steißbein, Drive-by, byebye.“ („Kill em All„)

König im Schatten“ dagegen bietet tiefsinnigere Lyrics, die von verschiedenen Enttäuschungen der letzten Jahre, falschen Leuten, falschen Fans und Teilen aus seiner persönlichen Vergangenheit leben. Man kann es als Abrechnung mit all den negativen Erfahrungen der letzten Jahre bezeichnen.
Als einen Höhepunkt des Albums kann man „Ich Repräsentier“ beschreiben. Sowohl Olexesh als auch Manuellsen selbst liefern auf einem hervorragend produzierten, orientalisch angehauchten, Beat sehr starke Parts ab, die Hanybal allerdings noch einmal zu übertreffen weiß.

Aber auch Azad ist bereit dazu, „alle zu killen„. Die Vorfreude auf dessen kommendes Album „Nebel“ steigt mit jedem Part, den er als Feature zu verschiedenen Projekten beiträgt. Das Könige im Schatten-Signing KEZ flowt auf „Licht“ auf eine Art und Weise – dem Stakkato-Flow – die sich momentan großer Beachtung erfreuen kann.

Zwischen Banden, Krieg und Koks spiel ich Straßenlibero, flank den Beat zum Mond“ (Credibil – „Geboren und Gestorben Hier„)

Ähnlich verhält es sich mit den Produktionen. Einige könnten, mit ein paar Anpassungen an den BpM, als klassische Trapbeats bezeichnet werden. Die Arrangements der Drums erinnert stark an dieses Konzept. Allerdings wurde hier ein anständiges Mittelmaß gefunden, das teilweise perfekt funktioniert, stellenweise aber auch durch Flowexperimente von Manuellsens Seite nicht so klingt, wie man es sich vorgestellt, beziehungsweise gewünscht hat.

Repräsentativ hierfür steht besonders der erste Part des Titeltracks, auf den der Mülheimer gut und gerne hätte verzichten können. Gerade bei Ausnahmekünstlern wie ihm verstehe ich nicht, wieso sie auf den Trendzug aufspringen müssen und nicht mit außergewöhnlichen, kreativen Besonderheiten zu überzeugen versuchen.

Enttäuschend finde ich auch die Tatsache, dass er besonders im bereits erwähnten Interview mit den Kollegen von HipHop.de das genaue Gegenteil von dem vorgibt, was sich im Endeffekt auf seinem Album wiederfindet. Sowohl das Statement, es würden keine konkreten Namen genannt, als auch die Aussage: „Es ist schon hart, aber es ist jetzt kein Straßen-, Gangstading, ich bin ja kein Gangsta-Typ so.„, werden auf nur einem Track zunichte gemacht. „Wenn ich“ beschreibt verschiedene Lebenssituationen, in denen Manu selbst vielleicht sogar mal Schwäche zeigt, das Ganze aber aufgrund seiner Gangsta-Attitüde keinesfalls Form von Schwäche darstellt.

Außerdem kommen gerade die Berliner beim Namedropping nicht zu kurz und so wird des Öfteren klar und deutlich gegen Bushido und Fler geschossen. Allerdings werden auch unabhängige Leute wie Cro erwähnt, der für ihn anscheinend durch seine bloße Existenz einen Dorn im Auge darstellt. In Anbetracht dessen, was „Killemall“ darstellen möchte, sind diese Seitenhiebe mehr als überflüssig. Auch die „ich ficke dich“ – „Hurensohn„-Rhetorik findet regelmäßig Verwendung, womit sich das Album nicht großartig von bekennenden Straßenrap-Alben unterscheidet.

Alles in allem ist der Longplayer ein düsteres, gut hörbares Gesamtwerk, das vom Elan, der Aggressivität und den „Tödlichen Versprechen“ Manuellsens lebt, auch wenn es im Zusammenspiel mit dem Beat dadurch manchmal etwas aufdringlich wirkt, etwa bei „Wenn ich„. Auch das Repräsentieren seiner Heimat, dem Ruhrpott, „egal ob es Mühlheim oder Essen war, wir schmissen Perlen vor die Säue aus einem Gebiet Mann, das Deutschland längst vergessen hat.“ kommt wie zu erwarten nicht zu kurz. Immerhin bezeichnet er sich selbst als „König hier im Westen„, der hier „Geboren und Gestorben“ ist.

Ein Longplayer, auf dem Manuellsens Ziel „Terror, bis es jeder einsieht“ voll und ganz erreicht wurde. Trotz dem Überwiegen der düsteren Seite kann man sich beispielsweise in Begleitung von „Elysium“ ohne Hemmungen mal ins „vollkommene Glück“ smoken. Spätestens jetzt sollte also klar sein, dass es nicht nur bei harten Ansagen bleiben muss und der Mühleimer nicht davor zurückschreckt, den ein oder anderen Nackenklatscher zu verteilen.

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