Alpa Gun – Geboren um zu sterben (Review)

Alpa Gun ist jetzt Alper Abi. Die Gun hat er zwar immer noch ständig bei sich, doch merkt man dem mittlerweile 33 Jährigen die Veränderungen in seinem Leben deutlich an. Alpa Gun ist mittlerweile Vater von zwei Kindern, was sich natürlich stark auf seine Sicht über das Leben und die Welt auswirkt. Alpas Platten waren sowieso schon immer sehr stark themenorientiert und stellten vor allem ein Abbild seiner aktuellen Gedanken-und Gefühlswelt dar.

Offenbar durch besagte Vaterrolle angeleitet befasst er sich nun auf seinem fünften Soloalbum mit dem Entstehen von Leben- und der sicheren Erkenntnis der Vergänglichkeit dessen, sowie der Frage, wie man der Zeit dazwischen, dem Geschenk des Lebens, gerecht werden könnte. Alpa Gun ist nachdenklicher geworden, was „Geboren um zu Sterben“ deutlich anzuhören ist. Dafür muss er sich aber nicht neu erfinden. Er geht nur einen Weg der konsequenten Weiterentwicklung dessen, was wir bereits schon auf den bisherigen Platten von ihm gewohnt waren.

Aus dem Meister aller Klassen wird nun der Usta aller Glatzen, aus Habibi der Abi. Trotzdem finden wir wie erwähnt auch auf „GUZS“ jede Menge Altbewährtes, sprich, es geht nicht nur existenzialistisch zur Sache. Diverse Spitzfindigkeiten gegen den ein oder andern im Business sind natürlich auch auf der Tagesordnung, selbstverständlich auch einige Representer-Tracks.

Der bereits als Video ausgekoppelte Track „“Alper Abi“ ist einer von diesen und von seiner Art mit „Meister aller Klassen“ zu vergleichen. Er stellt zum einen klar, das hier Respekt zu zollen ist. Von wem? Von der gesamten Rapszene in Deutschland natürlich. Im speziellen werden hier sido, Motrip und der sich mittlerweile zum Freiwild in der Rapszene mutierte Kay One genannt. Zum anderen erinnert „Alper Abi“ aber auch von Struktur und Inhalt, dem genannten Vergleichstrack vom damaligen Album „Ehrensache“. Vielleicht mit ein paar BPM weniger, aber als großer Bruder („Abi„)  lässt man es auch gern mal ruhiger angehen.

Ich und meine Glatze“ lebt von Alpas Humor und Fähigkeit zur Selbstironie, der Titel ist natürlich an „Ich und meine Maske“ seines damaligen Förderers und Freund sido angelehnt. Sehr ernst wird Alpa hingegen bei einem der Hauptsongs auf „GUZS““, der Videoauskoppelung „Für dich Vater“ . Der ohnehin großartige Track von Ludovico Einaudi, „Una Mattina“, bekannt aus dem Soundtrack zum Film „Ziemlich beste Freunde“, bildet hier als Sample die passende Grundlage, um diese Zeilen in Reimform an seinen Vater zu richten. Dieser ist dem Inhalt zufolge nicht nur Respektsperson, Mentor und Förderer- sondern auch der ziemlich beste Freund. Definitiv einer der Highlight-Tracks des Albums, welcher lange nachklingt.

Das Feature mit Mehrzad MarashiNicht zu Spät“ zeigt sehr deutlich die Gedankenreisen, welche Alpa Gun im Laufe der letzten Jahren hinter sich gebracht hat. Ein Teacher-Track, der motivieren will, auch in schlechteren Zeiten nach vorne zu schauen. Klar, gab’s schon, aber das Thema ist eben immer aktuell und hier zudem gut und unlangweilig umgesetzt. „Es war nicht immer so“ zeigt den harten Weg den Alpa gehen musste, um dorthin zu kommen wo er heute ist. Ohne Crew, nur durch den eisernen Willen, „dass sich die Geschichte dreht“. Kombiniert mit diesem Beat, wittert man förmlich die Morgenluft. Aufstehen, den Dreck von den Schultern schütteln und fokussiert in Richtung Ziel marschieren. Yeah!

In dem vom King, Kool Savas, produzierte Titeltrack „Geboren um zu Sterben“ bündelt sich dann all das bisher erwähnte. Der Kinderchor in der Hook singt:

„Wir möchten leben darum kämpfen wir, denn was soll aus uns Menschen werden
Irgendwann hat alles ein Ende hier – wir sind geboren um zu sterben.“

Gestalte die Welt mit Werten, anstatt das Leben Wertlos werden zu lassen. Lebe und genieße, aber mit Bedacht. Jeder Tag könnte der letzte sein, also denke nicht nur an dich, sondern auch an die Verpflichtungen die du gegenüber deinen Mitmenschen hast, gegenüber denen die dich lieben. Das ist, grob umrissen, Alpas Message.

Für das gewisse Maß an Rebellentum sorgt „Aufstand“ mit Nate57. Hier wird auf die Unruhen der letzten Zeit auf den Straßen von Städten wie Paris, London oder anderen Punkten der Welt aufmerksam gemacht, wo sich Menschen verbünden, um gemeinsam ihre Faust gegen Ungerechtigkeit und Benachteiligung in der Gesellschaft erheben. „Hab Geduld“ mit Yasha beinhaltet hingegen, wer hätte es gedacht, einen eher tiefgründigen Themenkomplex. Die Geduld als solche, sowie ihre Notwendigkeit um all die steinigen Wege zu den eigenen Zielen gehen zu können. Ein enorm starker Part von Yasha in der Hook sowie ein Beatbrett, welches trotz einiger verspielter Elemente sehr eingängig ist und mit einem warmen, satten Bass das Ohr zu verwöhnen weiß.

Das Feature mit Murat Alin „Macho-Türke“ wirkt jedoch etwas deplatziert. Unterläuft es aufgrund der offensichtlichen Ungeübtheit des Schauspielers bzgl. der Rapkunst doch etwas das Niveau des Albums. Hier waren wohl freundschaftliche Verbindungen der Hauptantrieb für das Projekt. Thementechnisch ist dieses Feature zwar durchaus stimmig, aber die Umsetzung lässt zu wünschen übrig.

Abschließend zerfetzt Alpa mit PA Sports auf einem Bonustrack nochmal mit ihrem zweiten Teil von „AL PA“ alles. Gewohnt sprachversiert und so on point auf den Beat, wie es passender nicht kommen könnte, weiß auch dieser Track den Verfasser dieser Zeilen zu begeistern.

Nun, was bleibt am Ende übrig? Definitiv der Eindruck das „Geboren um zu Sterben“ sich sicherlich mit den vorangegangenen Alben messen kann. Es hat sogar das Potenzial, diese in den Schatten zu stellen. Alpa Gun liefert wieder. Und gestorben wird hoffentlich noch lange nicht.

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