Review: Azad – Der Bozz 2

Nach „NXTLVL“ geht es für Azad offenbar wieder ein Level zurück. Statt den modernen Sound beizubehalten, den der Frankfurter Haudegen sich zwischenzeitlich auf die Fahne geschrieben hatte, gibt es die Fortsetzung des Klassikers von 2004: „Der Bozz 2″ klingt tatsächlich wie sein Vorgänger, wenn auch etwas weniger wütend, dafür aber gespickt mit nostalgischen Reminiszenzen an ~die gute alte Zeit~.

Zeitreise ohne Überraschungen

Das gesamte Album klingt wie eine aufgehübschte Zeitreise. Der rustikale Rumpel-Charme vergangener Tage bleibt zwar aus, dafür klingen die Produktionen aber wirklich hochwertig. Die Formel bleibt allerdings trotz der ein oder anderen Snareroll gleich: Sentimentale Samples, gerne von cineastischen Violinen-Melodien, schmiegen sich im Loop an wummernde Drums aus der MPC und ein Azad, der auch nach all den Jahren nichts an Inbrunst und Biss verloren hat, schildert in gewohntem Frankfurter Pathos das Blockleben, jagt seinen Wünschen nach und gibt dem Hörer das Handwerkszeug fürs harte Hoodlife an die Hand.

Überraschungen bleiben dabei völlig aus. Allerdings versucht Azad, das Ganze um eine weitere Facette zu bereichern, indem er seiner geliebten HipHop-Kultur huldigt. Das passiert mal dezent, wenn AZ beispielsweise dasselbe rumänische Menuett samplet, das schon ’99 als Untermalung fürs Afrobs und Wasis „Spektakulär“ diente. Wenn Azad und Kool Savas wieder als ikonisches Duo zusammenfinden, um in „HipHop“ auf dramatischem Bummtschack klassische Punchlines in Alte-Schule-Manier zu spitten und Hook plötzlich zu einer Dead Prez entliehenen Kultur-Hymne wird, stellen sich beim ein oder anderen Mittvierziger sicherlich die Nackenhaare auf, das ein oder andere jüngere Kaliber dürfte aber mit Sicherheit auch heftig cringen. Muss auch nicht jeder verstehen, aber Azad geht hörbar das Herz auf, wenn er auf dem Split-Song „BTTR/BITD“, was für „Back to the Roots / Back in the Days“ auf einem altbackenen Spät-80er-Beat von seiner Vergangenheit als Sprüher und B-Boy erzählt.

Back to the Roots

Im ersten Teil fasst Azad aber noch präzise zusammen, was er überhaupt auf dem Album treibt: „Es geht back to the Roots – zurück zu den Geigen / MPC, bring ein Stück alte Zeiten // Back zu den Loops, tiefschwarze Scheiben / Nostalgie, nehm‘ ein‘ Stift um zu schreiben“„Der Bozz 2“ ist prädestiniert für Schwarzweiß-Videos, erinnert ganz bewusst an die eigene Vergangenheit und kokettiert offen mit diesem Anachronismus. Dabei bleiben zwar die Überraschungen und Aha-Momente gänzlich aus, dafür gibt es aber 15 Songs puren Fanservice für alle, die schon damals dabei waren oder einfach nur wissen wollen, wie Frankfurt vor 15 Jahren klang – mit all seiner Tristesse und Theatralik.

Der Bozz 2 (Ltd.Box)
  • Herausgeber: Bozz Music (Groove Attack)

4 KOMMENTARE

  1. Was erzählt mir ein Mittvierziger, der seit Dekaden nicht mehr in der Hood lebt, immer noch vom Struggle in der Hood? Azad hat Ehefrau, Hund, Autos, Haus und lebt in der Vorstadt. Das Aufregenste in Azads Leben ist, wenn ein anderer Hund Fedor etwas zu nahe kommt.

  2. Hui einfach mal die Klappe halten oder schämst du dich wen du endlich mal was im leben erreichen tust?
    Azad rappt über das leben aus seinem alten Viertel wo er genug Jahre verbracht hat um noch 10 weitere Alben schreiben zu können.

    Er rappt nicht das er heute noch Drogen vertikt oder Leuten auf die backen klatscht er Rapt über die Jungs von heute die da noch Wohnen und blendet nicht wie die ganzen Gangsta Rapper heutzutage mit ausgedachten Storys,
    hör dir das Album an bevor dh son Schwachsinn schreibst ( es gibt genug Rapper wo das zutrifft was du da Schreibstil aber Azad zählt da ganz sicher nicht dazu)

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