Review: OG Keemo – Otello

Nachdem OG Keemos Debüt-EP „Neptun“ im Oktober 2017 unter Szenekollegen und Musikkritikern auf durchgehend positives Feedback gestoßen ist, hat der ziemlich genau ein Jahr später erschienene Nachfolger „Skalp“ dem ganzen noch mal die Krone aufgesetzt. Sehnsüchtig wartete in der Folge gefühlt ganz Rap-Deutschland auf das nächste musikalische Statement des Chimperator-Signings.

Keemo Sabe hat sich von dieser Gier nach neuer Musik nicht verleiten lassen. Stattdessen hat er sich sieben Monate Zeit für die fünf Track starke EP gelassen und das hört man auch.

BoomBap, aber nicht veraltet

Produzent und Partner Funkvater Frank hat dem Mannheimer MC einen maßgeschneiderten Soundteppich aus basslastigen, neumodisch angestrichenen BoomBap-Brettern zusammengeschustert. Keemo bearbeitet die Beats mit jeder Menge Leichtigkeit und natürlicher Coolness, als wäre er schon Jahre im Game und Rappen die einfachste Sache der Welt. Wie ein OG halt. Keine Line wirkt deplaziert, kein Flow überholt und der Hunger, auch die letzten Zweifler loszuwerden, scheint ungestillt. Innovative Rhymes, beeindruckende Flows und überraschende Punchlines schüttelt der Mannheimer locker aus dem Ärmel.

Für die meisten Keemo-Fans ist „Vorwort“ von der „Skalp“-EP aber der unangefochtene Standout-Song seines bisherigen Musikkatalogs. Ein Track voll von Lines über das harte Gangleben, familiäre Probleme und Zweifel an der Sinnhaftigkeit des eigenen Lifestyles. Mehr persönliche Note und Lyrics die unter die Haut gehen war also Wunsch einer großen Anhängerschar.

Fanservice

Keemo hat offensichtlich ein gutes Gespür für die Bedürfnisse seiner Fans. Neben den gewohnt starken Representer-Tracks wie „Tanamo“ oder „Obi-Wan“ haben es mit „Schnee“ und vor allem „Whitney“ Songs auf die EP geschafft die einen auf der emotionalen Ebene ähnlich catchen wie „Vorwort“. Lyrics über die schwierig verlaufende Beziehung zu seiner Freundin und dem bedenklichen Verhältnis zu sich selbst über einen großartig produzierten Sample-Beat seines kongenialen Partners Funkvater Frank auf „Whitney“ bilden das Highlight der Platte.

Sie sagt, sie lebt erst seit ’nem Jahr in Deutschland
Sie küsst den Blunt und sucht ein Abenteuer
Aber nimmt noch mehr als Gras, seitdem sie das erste Mal ihre Mom enttäuscht hat
Schwarz gekleidet wie ein Amokläufer
Gleit’ ich durch die Blocks, nix in meinem Kopf, außer Scheine und Paranoia

Insgesamt hat man es bei der „Otello-EP“ mit einem weiteren herausragenden OG Keemo-Release zu tun. Keemos Gabe, Textpassagen mit einer einzigartigen Wortwahl zu kreieren, die gefühlt nur er so delivern kann, in Kombination mit seinen treffsicheren Punchlines und überragenden Rapskills haben die Erwartungshaltung an ein Release auf Albumlänge jedenfalls nochmal steigern können.

 

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