Review: Yung Kafa & Kücük Efendi – Uboot

Dass Musikgeschmäcker verschieden sind, ist nicht neu. Dies zeigt sich auch im HipHop anhand der verschiedenen Fraktionen von Rap-Fans. So gibt es bekannterweise sowohl Realkeeper als auch Hörer, die offener für modernen Sound sind. Dementsprechend polarisieren Künstler, die mit alten Konventionen brechen und ein neues Soundbild kreieren. In besonderem Maße gilt das für Yung Kafa und Kücük Efendi. Bei ihnen gibt es wohl keine einzige Line, die nicht mit Autotune verfremdet wurde. Das meiste ist in extrem hoher Stimmlage, beinahe schon Kopfstimme, gerappt bzw. gesungen. Dass dies nicht jedem gefällt, ist völlig klar. Warum man die beiden Künstler und ihr neues Mixtape „Uboot“ auf der anderen Seite aber auch extrem feiern kann, soll die folgende Review aufzeigen.

Wer sind die beiden Künstler?

Das Rapper-Duo erschien erstmals im letzten Jahr mit der Mini-EP „Helmut“ und einigen Singles auf der Bildfläche. Vor allem mit dem inzwischen mehr als drei Millionen Mal auf Spotify gestreamten Track „Diamonds“ konnten sie dabei auf sich aufmerksam machen. Nun folgt mit dem Mixtape das erste größere Projekt der Künstler, über die man kaum etwas weiß. So ist zum Beispiel weder bekannt, wo sie herkommen noch wie alt sie sind. Auch Fotos gibt es von den beiden Interpreten nicht. Sowohl ihre Musikvideos als auch ihre komplette Präsenz auf Social Media sind in einem extravaganten und extrem künstlerischen Comic-Look gehalten. Damit einher geht wohl das Ziel, sich als reine Kunstfiguren zu inszenieren und die wahren Identitäten zu verbergen. Was zählt, sind das künstlerische Konzept und die Musik, nicht die Personen dahinter.

Geht es nur um den Einsatz von Autotune?

Tatsächlich spricht die Musik auf dem Tape für sich. Mit dem konsequenten und dauerhaften Einsatz von Autotune erschaffen die Rapper einen Sound, der absolut neuartig ist und den man zumindest in Deutschland so noch nie gehört hat. Alleine diese Tatsache macht es schon sehr interessant. Nur: Das alleine würde nicht ausreichen und zwar nicht mal im Ansatz.

Entscheidend ist, dass sich die stimmlichen Abfahrten passend in das spannende Gesamtbild einfügen. Das Zusammenspiel hochwertiger Synthiebeats, melodischer Hooks, oft reduzierter Parts, unterschiedlicher Themen und Emotionen sowie der dazu passende Einsatz von Autotune sorgen dafür, dass jeder einzelne Song ausgesprochen intensive und einzigartige Vibes ausstrahlt. Wenn man sich auf den unkonventionellen Sound einlässt, kann das durchaus mehr in einem auslösen als „herkömmliche“ Musik. Die beiden Künstler wissen was sie tun und wie man Emotionen erzeugt. Müssen sie allerdings auch, denn ein wenig Tonhöhenkorrektur alleine würde eben keineswegs genügen.

Inhaltloses und nicht zu verstehendes Gelaber?

Es ist bei jedem Song auf dem Tape dasselbe: Beim ersten Hören saugt man zunächst die Grundstimmung und das Klangbild des Tracks auf. Auch, weil man die vernuschelten Texte meistens kaum versteht. Das mag zunächst störend oder zumindest befremdlich sein. Je öfter man einen Song dann allerdings anhört, desto mehr Sätze sind auf einmal verständlich, desto weniger kryptisch mutet das gesamte Werk an. Wenn man an diesem Punkt angelangt ist, stellt man fest, dass in den jeweiligen Songs durchaus inhaltlicher Tiefgang und thematische Kreativität auszumachen sind.

Es wird darüber gerappt, sich musikalisch bewusst von anderen Künstlern unterscheiden zu wollen und Hass zu ignorieren („Kempinski“). Ein Gerichtstermin und die Angst hinter Gittern zu landen werden geschildert („Vor Gericht“). Zudem wird thematisiert, dass Geld zwar schön, aber gleichzeitig nicht ganz unproblematisch ist („Hunnis“). Auch Depressionen oder zumindest Niedergeschlagenheit werden offenbart („Kreidebleich“). Ansonsten wird der übliche Themenfundus bedient: Coolness, Fame, Realness, Leidenschaft für teure Klamotten, das gute Leben, Frauengeschichten und Reichtum. Das ist nicht besonders einfallsreich, aber eben auch kein unentzifferbares Autotune-Geschwätz.

Was kann man festhalten?

Yung Kafa und Kücük Efendi ist es gelungen, mit „Uboot“ ein überzeugendes und innovatives Mixtape auf die Beine zu stellen. So können die beiden Künstler nicht nur mit ihrem einzigartigen Autotune-Sound überzeugen, sondern auch das Gesamtpaket mit starken Beats, ernst zu nehmenden Texten und fühlbaren Vibes ist richtig gut. Klar ist aber auch, dass die Musik der beiden Rapper nicht jeden Rap-Fan überzeugen wird und stark polarisiert. Wer jedoch keine Berührungsängste mit progressivem Sound hat, sollte sich das Interpreten-Duo unbedingt mal reinziehen.

6 KOMMENTARE

  1. „Es wird darüber gerappt, sich musikalisch bewusst von anderen Künstlern unterscheiden zu wollen und Hass zu ignorieren („Kempinski“). Ein Gerichtstermin und die Angst hinter Gittern zu landen werden geschildert („Vor Gericht“). Zudem wird thematisiert, dass Geld zwar schön, aber gleichzeitig nicht ganz unproblematisch ist („Hunnis“). Auch Depressionen oder zumindest Niedergeschlagenheit werden offenbart („Kreidebleich“). Ansonsten wird der übliche Themenfundus bedient: Coolness, Fame, Realness, Leidenschaft für teure Klamotten, das gute Leben, Frauengeschichten und Reichtum. Das ist nicht besonders einfallsreich, aber eben auch kein unentzifferbares Autotune-Geschwätz.“

    Themen sind zwar ausgelutscht aber zumindest versteht man sie akustisch. Klarer Pluspunkt also.

  2. Zwar gut gemacht, aber dann doch nur (mal wieder) eine Kopie von dem, was PNL in Frankreich seit mehreren Jahren schon durchziehen..wie mittlerweile 70 bis 80 Prozent von Deutschrap heute überhaupt

    Checkt lieber nochmal das Original…

  3. kafa und efendi heben sich neunmal von anderen (rappern, artisten, künstler wie auch immer) ab und genau das ist das was die meisten an den jungs feiern. sie sind seid wirklich längerer zeit meine lieblingskünstler einfach dadurch, dass sich das ganze einfach gut anhört und es kein 0815 rap gelaber ist. ich gönne den aufjedenfall viel mehr aufmerksamkeit..

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