Review: MoTrip & Ali As – Mohammed Ali

Es gab eine Zeit, da hätte man den gemeinsamen Nenner von Ali As und MoTrip schneller gefunden. So um 2012 war die Schnittmenge ziemlich groß – hier der intuitive und assoziative MoTrip, da der alles wegbetonierende Ali As. Beide die Lieblingsrapper deiner Lieblingsrapper und mit einer ordentlichen Portion Skills in Technik, Phonetik und Atmosphäre.

Doch in vielen Dingen hat man sich über die Jahre auseinandergelebt. Auch wenn beide nach wie vor inhaltliche Tiefe besitzen, ist bei Ali im Vergleich zu MoTrip die Kost leichter geworden. Nimmt man dieses Ungleichgewicht und rechnet noch ein gewisses Maß an Kompromiss hinzu, den man bei einem Kollaboalbum eben gehen muss, dann hat man „Mohamed Ali“.

Zuviel Zeitgeist?

Gefühlt sind es 1/3 MoTrip, 2/3 Ali As  – und 3/3 aktueller Zeitgeist. Letzteres ist der größte Schwachpunkt vom Album. Gerade angesichts des Qualitätsanspruchs der beiden hätte so etwas nicht passieren dürfen. Leider wollen dadurch keine Tracks, sondern nur einzelne Versatzstücke hängenbleiben: MoTrips Part auf „Holz hacken“ (bevor dieser krasse Break und die irritierende Hook einsetzt), „Ja“ nach dem dritten Mal hören, der geil arrogante Vibe in einigen catchigen Hooks und das Gefühl von Metaebene oder Nicht-Metaebene von „Store“.

Am Auffälligsten ist wohl das gelungene bewusste Übersteuern ihrer Stimmen auf Auto-Tune, was ich so in dieser Form noch nicht gehört habe. Und gerade MoTrip zwingt die offenkundige Dominanz von Ali As und das daraus resultierende moderne Soundbild quasi dazu, sein starkes Blatt auf der Hand anders und neu ausspielen zu müssen. Hier merkt man wieder auf was für einem hohen künstlerischen Level er sich bewegt.

Da hätte was gehen können

Auch lässt Ali As, wenn es ins letzte Album-Drittel geht, zumindest auf „Stärker denn je“ seine überragenden Writingfähigkeiten aufblitzen. Besonders hier (z.B. auf „Unbezahlbar“), bekommt man zudem noch ein Gefühl davon, was in Sachen Signature Sound hätte gehen können.

„Mohamed Ali“ ist handwerklich astrein. Wirklich klare Kritikpunkte lassen sich an einer Hand abzählen. Die bekannten Stärken und Alleinstellungsmerkmale sind noch immer da. Sehen wir einmal von der ein oder anderen Filler-Line und „Feuerwehrmann“ ab. Was am Ende des Hörens bleibt ist allerdings die Frage, ob man den „einfältigen Show-Off für alle Flow-Fetischisten und akribischen Silbenzähler“, den die beiden laut Pressetext nicht mehr nötig hatten, nicht doch lieber gehört hätte…

Mohamed Ali (Ltd. T-Shirt Bundle Gr. L)
  • Herausgeber: Urban (Universal Music)

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