Review: Teesy – Tones

Bereits über zwei Jahre ist es her, dass Teesy sein letztes Album „Wünschdirwas“ veröffentlichte. Zwei Jahre, die in einem kreativen Loch begannen – und nun mit „Tones“ beendet werden.

Man kann diese Hintergrundgeschichte natürlich nur schwer von der Kunst trennen, sie gibt den recht minimalistisch produzierten Songs quasi ihre Daseinsberechtigung: Teesy hat sowohl musikalisch als auch privat aufgeräumt, sich von Bombast getrennt und ist damit zur puren Essenz seiner vor- und in unsere Ohren eingedrungen.

Locker, unaufgeregt, tanzbar

Das Ergebnis ist das lockerste, unaufgeregteste und tanzbarste Stück Soul, das ich in Deutschland jemals gehört habe. Trotz dieses neuen Lebensgefühls greift er thematisch auf seine Jugend zurück. Ein Phänomen, das man schon bei Caspers „Hinterland“ sehen konnte.

„Renaissance“ wirkt so fresh, als hätte man sich gerade sein erstes Mikro gekauft, ein x-beliebiges Aufnahmeprogramm gecrackt und einfach Bock zu rappen. „Girls“ ist die vertonte erste Kassette, die dein frischverliebtes und noch unverletztes Ich für deine erste Liebe erstellt hat. Bei so viel neugewonnener, jugendlicher Unbekümmertheit kann man auch mal (wieder) representen („Usain Bolt“), den unermüdlichen Romeo mimen („Stranger“) und eine Hommage an “Wesley” bringen, diesen einen Jungen, den jeder mag.

Einfach, spontan, nackt

Auch wenn Teesy selbst noch nie so reduziert und aufgeräumt klang, erzeugt er in der zweiten Albumhälfte Gänsehaut und beweist, dass man dazu kein Orchester, Big Band-artige Instrumentierung oder gesanglichen Hochleistungssport betreiben muss. Wahre Gefühle sind einfach, spontan und nackt.

Denkt man an seinen „Opa“ und die eigene Kindheit („Story“) wird man eben nicht todesdepressiv, sondern fängt an, in guten Erinnerungen zu schwelgen. Gegen Ende gibt es dann mit „Ich lebe für dich“ auch noch den Teesy von „Wünschdirwas“. Aber eben nur mit dem, was ein echter Liebesbrief braucht. Wenn das Saxophon einsetzt, muss man schon fast anfangen zu schmunzeln, statt wegen peinlichem Kitsch auszuschalten.

Soul trieft aus jeder Pore

Zwar wird Teesy damit noch immer nicht den Deutschpop-Olymp erklimmen, weil dafür  musikalische Reduziertheit und Unbekümmertheit eben ein No-Go sind, aber vielleicht begreift man irgendwann, dass es diesen ganzen Schnickschnack nicht braucht, wenn einem der Soul aus jeder Pore trieft.

Tones
  • Teesy, Tones
  • Chimperator (Groove Attack)
  • Audio CD

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