Mortel facettenreich wie nie zuvor: Review zu „Arrivé“

Mortel hat es geschafft: Nach zwei Mixtapes geht er mit seinem ersten Album an den Start, auf dem es, wie von ihm gewohnt, vor Features nur so wimmelt. So kommen unter anderem Haze, Luciano und Eunique zu Wort und helfen dabei, das Debütalbum des Trierers zu einem kontrastreichen aber dennoch stimmigen Gesamtwerk zu formen. Mit dem Cover-Artwork ist dem Rapper ein richtiges Kunstwerk gelungen, welches viel Spielraum für Interpretationen bietet. Es zeigt den Kongolesen mit weiß angemaltem Gesicht vor einem weißen Hintergrund, offenem Mund und tiefschwarzen Augen. Auf seinem Gesicht steht der Name des Albums „Arrivé“, was „Angekommen“ auf französisch bedeutet. Aber wo?

Worum geht’s?

Partys am Block, Knast, Gras, schöne Frauen und Statussymbole – inhaltlich geht es hauptsächlich um den aufstrebenden Erfolg des 27-Jährigen, der bereits im Alter von 20 Jahren seinen ersten Track mit Video droppte und schon lange vor seinem Debütalbum Songs mit Rap-Größen wie Fler, Sido und Azad vorweisen konnte. Er blickt in Ausschnitte seiner Vergangenheit zurück, berichtet aber auch von der Gegenwart und äußert seine Pläne für die Zukunft. Dabei funktioniert die Erzählung meist über lose Impressionen und Gedanken, Thementracks bilden eher die Seltenheit. Auf „Milli“ heißt es etwa:„Jag‘ die Milli/Roll‘ mit fünfzehn km/h, es gibt kein B, nur Plan A“ und in „Attitüde“: „Früher Waffe zieh’n für Schwarzgelder/Heute Blockni**a, aber Steak auf Teller“. Am Zenit seines Erfolges scheint er sich selbst jedoch noch nicht zu wähnen, denn in „Limit“ sagt er über sich: „Arrogant, benehm‘ mich, als wär ich schon reich“.

Das Album macht allerdings eher den Eindruck, als wüsste Mortel aktuell noch nicht so genau, ob er lieber im VIP-Bereich oder auf der Straße chillen möchte. So geht es auf „Vergessen nicht“ um die schwierigen und gewalttätigen Verhältnisse, aus denen Mortel stammt. Die hat er zwar hinter sich gelassen, präsent sind sie ihm jedoch nach wie vor. Eines der zeitlosen Lieblingsthemen im Rap trifft auf freundlichen Afro-Trap und sorgt trotz düsterer O-Töne für tanzbare und heitere Vibes. Die reduzierten Beats halten sich bedeckt im Hintergrund und bieten viel Raum für Mortels eindringliche Stimme. Gerade auf sturen Loops wie „Benz & Mula“ kommt der einnehmende Vortrag des Trierers hervorragend zur Geltung.

Die Kontraste machen’s rund

Besonders auffällig sind die im Kontrast zueinander stehenden Featuregäste wie zum Beispiel Haftbefehl und Rola, die dabei helfen, die Platte zu einer bunten Mischung aus Moshpit-tauglischem TurnUp und Date-geeigneten Kuschelsongs zu machen. Trotz unterschiedlicher Herangehensweisen halten die kühle und lethargische Atmosphäre sowie der konsequente Einsatz von 808s „Arrivé“ bündig zusammen.

In „Original“ mit Gastbeitrag von Haftbefehl folgt auf die These „Die Breitling reicht nicht, das Ziel ist eine Rolex“ ein Oxymoron mit dem direkt darauf folgenden: Designermarken sind nur Statussymbole, haben keine Kohle dafür eine scharfe Pistole“. Was ihm wirklich wichtig ist, scheint also noch in den Sternen zu stehen, obwohl er es auf „Auf ewig“, dem ruhigsten Song des Albums, ziemlich deutlich macht: Die Hymne an die Gang, respektive die Fam, überzeugt mit positiven Vibes, optimistischer Stimmung und geballter Frauenpower: Die von der Hamburger Rapperin Eunique aufgestellten Regeln für die Freundschaft treffen auf die Hook von der R’n’B-Newcomerin Mashanda und vermengen sich spannend mit Mortels kraftvoller, gesetzter Stimme. Alle sind sich einig: Am Ende sind Freunde und Familie das Wichtigste. Diese spannenden und treffsicheren Kontraste, die schlussendlich doch immer wieder zusammen finden, sind es, die „Arrivé“ so spannend und facettenreich gestalten.

 

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