Review: Olexesh – Rolexesh

Für „Rolexesh“ hat der unermüdliche Olexesh sich erstmals ein Jahr Auszeit von seinem zuverlässigen Releasezyklus genommen. Trotz des gigantischen Outputs hat der 385i’ler zwar ohnehin nicht ein einziges schlechtes Release zu verbuchen, so ein komplett rundes, von vorne bis hinten nachvollziehbares Album-Album gab es aber auch noch nicht. Die doppelte Entwicklungszeit hätte also genutzt werden können, um für „Rolexesh“ jedes Detail abzuschleifen und ein stringentes, zusammenhängend erzähltes Album zu fertigen, wie man es etwa von den Labelbossen Celo & Abdi gewohnt ist.

Gut Ding will Weile haben

Stattdessen gibt es einfach ein zweites Album als Dreingabe. Keine Sorge, auch ohne auf das ersehnte Magnum Opus zu bauen, stimmt es auf „Rolexesh“ an jeder Ecke. Dass es aus musikalischer Sicht wenig bis nichts zu beanstanden gibt, dürfte beim Anblick der folgenden Namen schon im Vornherein klar gewesen sein:  BazzazianThe CratezSott, die Bounce BrothasReaf, die Drunken Masters und Oster haben für „Rolexesh“ Hand angelegt. Zu viele Köche? Nope! Das instrumentale Uhrwerk tickt präzise und zuverlässig. Die Beats sind modern, einnehmend und punkten durchweg mit synthetischem, raumfüllendem Wumms. Kein Beat klingt wie ein andere, doch ebenso stört keiner das konsequente Gesamtbild.

Schade nur, dass von von düster-kalten Synthie- und Bassflächen dominierte Beatskelette bis auf das experimentelle LowFi Instrumental von auf „Chabba macht Parra“, das vorab ausgekoppelte „MOB“ und das abschließende „Kill für mich“ eher ausbleiben. Für mich persönlich sind es Songs wie „WEYAUU“, „Treppenhaus Authentic“ oder „Kranichstil“, die eben auf diese beklemmende, kühle Atmosphäre setzen, bei denen OL sein volles Potential entfalten kann.

Das heißt nicht, dass der Bratan seine vielseitigen Talente nicht voll ausspielt. Jeder Beat wird fachgerecht zerstückelt, mal hektisch, mal entspannt, aber stets abwechslungsreich, vielseitig und unberechenbar. Auf „Schüsse aus’m Benz“ wird mit Bonez MC aggressiv zu mustard’eskem Bay Area-Ratchet gebouncet, auf „MOB“ wird sich extravagant, wenn auch frech von A$AP Fergs „One Night Savage“ inspiriert, mit dem Beat treiben gelassen, auf „Idéal der Shit“ gibt es angespannte und verdammt präzise Triolen (übrigens auch mit A$AP-Anleihe) auf die Ohren. Olexesh ist und bleibt eine gottverdammte Rapmaschine, die jeden Beat kaputt macht. Keine Kompromisse, keine Unzulänglichkeiten.

Während es anfangs noch aussieht, als würde sich „Rolexesh“ rund um den mit dem Erfolg einhergehenden Lebensstil und die Zerrissenheit zwischen „Seiten im Treppenhaus für ’nen 5er frisch machen“ und „mit Rolex im Wert eines Kleinwagens am Handgelenk im Sternerestaurant sitzen“ drehen, entpuppen sich die Inhalte letztlich doch als eher beliebig. Langweilig oder austauschbar wird es dennoch nicht, nach Füllmaterial klingt hier nichts. Olexesh versteht sich nach wie vor darauf, mit kraftvollen Schlagworten Bilder und Situationen zum Leben zu erwecken.

Der Bratan stark wie immer

Für zusätzliche Abwechslung sorgen die durchweg hochkarätigen Gastbeiträge, die durchweg aus den oberen Rängen der Deutschrap-Manege stammen. Die sind gut platziert und gewählt, auch wenn Olexesh alleine stets am besten zur Geltung kommt. So ist „Rolexesh“ nicht das alles überschattende Meisterwerk geworden, hinterlässt in der makellosen Diskografie des jungen Energiebündel aber auch keinen Schnitzer – und den geneigten Rapfan wunschlos glücklich zurück.

Rolexesh (Limitierte Box)
  • Olexesh, Rolexesh (Limitierte Box)
  • 385ideal (Universal Music)
  • Audio CD

Olexesh – Rolexesh (Snippet) [Audio]

„Jetzt ist die Rolex echt“

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5 KOMMENTARE

  1. Wie immer gelungene Review Skinny! Nur auf „Schüsse aus’m Benz“ rappt OL mit Bonez, „Niemals“ ist der Track mit Xatar..

  2. Wenn die Texte nur nicht so sehr nulpig wären..
    Klar kann man alles lässig flowen, wenn einem nicht so wichtig ist was man da überhaupt sagt.
    Meine Welt bringt dieses Album nicht in’s Wanken. Aber das ein eher unterdurchschnittlich gebildeter Typ wie Olex das erreicht erwarten wohl auch die wenigsten. Ein Standard-2018-Rapalbum, gerade so bedeutsam, dass es auffällt, aber auch nicht so interessant als dass es aufdringlich ist.

  3. Ich finde das Album schlecht. Vergleicht man es mit anderen Alben aus dem Umfeld wie Capos „Alles Auf Rot“, hört es sich einfach nur nach irgendwie hingeklatscht an. Jeder Track gleicht dem anderen, Features solide aber zu Standard.

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