Pünktlich zu Beginn des diesjährigen Oktoberfestes geht die Crew vom Blumentopf aus München mit ihrem neuen Album „Gern geschehen“ an den Start. Nach unzähligen Liveauftritten und den bereits erschienenen Alben „Kein Zufall“, „Großes Kino“ und „Eins A“ erwartet uns mit dem vierten Longplayer abermals eine geballte Ladung an facettenreichen Rapstilen, verpackt in den unverkennbaren Wortwitz der vier MCs Roger, Schu, Heinemann und Holunder. Das Ganze wird durch die ausgefeilten Beats von DJ Sepalot abgerundet, der auch schon für die Produktion der vorangegangenen Alben verantwortlich war. Ab dem 15.09.03 wird die Scheibe im Handel erhältlich sein. Die Maxi „Better Life GmbH“ kann bereits ab dem 25.08.03 beim Plattendealer eures Vertrauens erworben werden und enthält ein Feature, das zur Zeit noch streng vertraulich behandelt wird. Auch Live sind die Jungs nach 3/4–jähriger Auftrittspause wieder unterwegs. 25.07. Erlangen Summer Break Festival 27.07. A-St. Pölten Stereo am See Festival 09.08. CH- Zofingen 13th Heitere Open Air 14.08. Köln Popkomm Public 29.08. Frankenthal (bei Mannheim) Monte Fete Open Air 30.08. Wiesbaden Folklore im Garten 14.09. Mülheim a.d. Ruhr Independence Days Festival
Gang Starr – The Ownerz
Es ist mal wieder soweit. Angekündigt war es ja schon seit Ende letzten Jahres, den Titel „The Ownerz“ kannte auch schon jeder, der V.Ö.-Termin wurde x-mal nach hinten verschoben – doch nun ist es da, das neue Album von DJ Premier und Guru, Gang Starr!Manch einer wird sagen: „Neu, wieso? Klingt doch wie gewohnt!“
Das ist richtig, aber seien wir doch mal ehrlich! Jeder, der seit Jahr und Tag Fan von Premier und Guru ist, weiß, wie die Crew zu klingen hat – alles andere ist nicht akzeptabel. Sie sollen sich nicht neu erfinden, Hauptsache die Produktionen erfüllen den gewohnten Gang Starr Standard – und der war immer hoch!Zwar gibt es heutzutage viele Produzenten, die Primos Stil kopiert haben, weshalb man manchmal schon etwas genervt ist von der Art dieser Beats, aber hier geht es schließlich um den Originator, um den „Owner“ dieses Stils. Keine Kopie wird das Original übertreffen!Wer Gang Starr nicht mag, wird wohl auch nie ein Fan werden, alle anderen werden sie weiterhin lieben!„The Ownerz“ hat auf jeden Fall alles, was man von einem Gang Starr Album erwarten darf.DJ Premier hinter den Decks mit den wohlportionierten Vokalcuts, Guru mit seinen Street-Poetry-Reimen und den gewohnt sicher geloopten Beats – wie sie selbst sagen: „The Real Shit“, aber lassen wir diesen ausgelutschten Terminus mal außen vor.
Ingesamt 19 Tracks umfasst das neue Werk, inklusive Intro, mit Kritik an der heutigen Szene und Betonung der eigenen Stärke, auf die es ankommt.Und schon geht es los, „Put Up Or Shut Up“, ein klassischer Gangstarr-Track, ein Loop, dicke rollende Drums, Primos Cuts in der Hook, Guru rappt über „getting respect“ und über den ganzen Mist, der von vielen HipHoppern propagiert wird, die man so im TV sieht. Als Gast hat man sich Krumbsnatcha eingeladen.
Das erste Highlight ist meiner Meinung nach „Sabotage“, ein mit etwas über zwei Minuten sehr kurzer Track, aber dafür auch „catchy as hell“ – Gang Starr in Hochform!
“Rise for me now, kneel for me now. Time to pass judgment, can’t feel for you now.Lay in your bed, accept your fate. Try to clean it up, except you’re late.From the streets to the industry, peep the chemistry. It’s GangStarr shit, makin a livin see.We put it on and when it’s war it’s war. Sabotage’ll have me dumpin the four.”Und Guru bleibt “true to the streets”. Auch in “Rite Were You Stand” feat. Jadakiss macht er seinen Standpunkt deutlich:
„ … The whole world wants me nigga, I’m a legend to you. Like LL, Rakim, Ice-T and them niggaz. Like Cube, Snoop and Dre, I’m a be seenin them figures.It don’t matter, you don’t have to be likin me man. Keep playin, you’ll be layin there, right where you stand.”
“Skillz”, die erste Single-Auskopplung, hat ja schon vor Wochen das Fieber entfacht. Ein weiterer hypnotisch groovender Primo-Beat und Gurus Talent am Mic, einfach aber überzeugend: „Skills. It’s the music that the street love. Each thug, is now reppin this with deep love. Skills. Gang Starr duelin again, rulin again. Watch as we do it again.”
Auch „Deadly Habits“ eine langsamere Nummer, mit souligem Sample, sollte die hohen Erwartungen erfüllen können. „Tödliche Angewohnheiten“ ist das Thema, in dem Guru von einigen Problemen berichtet, Depressionen und Rückschlägen, die er verarbeiten musste.Jeder muss mit seinen schlechten Angewohnheiten leben und manchmal eben auf seinen Schutzengel vertrauen.Was folgt ist „Nice Girl, Wrong Place“, ein Song wie „Royalty“ auf dem „Moment Of Truth“ Album, bei dem man sich fragt, warum die Hook eigentlich gesungen wird. Generell hab ich nichts gegen Gesang, auch nicht auf einer Gang Starr LP. Wenn der Gesang langweilig und austauschbar klingt, wie der von einem gewissen Boy Big, dann hätte man sich das auch schenken können.
Die Ähnlichkeit in der Struktur zu „Moment Of Truth“ ist natürlich schon auffällig. Auch Primo bringt hier eine Art zweiten Teil zu seiner Ansage über Leute, die Platten rausbringen mit Tracks, von denen gesamplet wurde. Dieses Mal geht es um die Radiolandschaft in den USA, wo immer nur dieselben Tracks rauf und runter laufen – Primo ruft die DJs dazu auf, sich nicht von den Programmdirektoren diktieren zu lassen, was sie spielen müssen.Musikalisch ist „Peace Of Mine“ nicht der stärkste Track auf dem Album, dafür findet man hier einige der besten Lyrics von Guru: „My sense of self, and my mental health is much more powerfu, than any hint of wealth. A lot of niggaz get cash, and collect Mercedes.But neglect their ladies, and forget their babies. Then the chicks turn and act like dudes cause they reflect our light, so yo act right fool. And this is just a piece of my mind, a thesis of mine,I’m a make moves and I’m a leave you behind at times I feel like my back’s against the walland if y’all ain’t with me, then it’s me against y’all.”
Es folgen Tracks mit M.O.P. und Fat Joe, “Who Got Gunz”, Capture (Militia Pt.3) mit Big Shug und Freddie Foxx, dem melodischen „Playtawin“ und dem von einem Bläserloop getriebenen „Riot Akt“, die die Messlatte von „The Ownerz“ konsequent hochhalten. Um noch mal auf die gewisse Ähnlichkeit zu „Moments…“ zurückzukommen, wir erinnern uns an das Scarface-Feature auf dem Album. Ein sehr gelungener Track und auch ein wenig überraschend, was die Zusammenarbeit dieser zwei MCs betraf. Hier ist nun Stufe zwei in dieser Kategorie, Guru feat. Snoop! Nicht zu vergessen natürlich Uncle Reo, der für den Chorus zuständig ist. Ich denke, dass „In This Life…“ nicht ganz an „Betrayal“ herankommt, was auch daran liegen könnte, dass man das Gefühl nicht los wird, dass Snoop seinen Reim mal eben zwischen Tür und Angel geschrieben hat. Während Guru über die Gesellschaft, den täglichen Struggle und politische Intrigen erzählt, hat man das Gefühl, Snoop freestylet hier ein wenig: „A ‚Gang Starr’ with a gangster, on a mission.World ‘Premier’, limited edition. My mind keeps driftin cause I haven’t had a spliff ina long time, I’m doin fine, I feel teriffic. I bop up the street, C-walk to the beat.It’s cold outdoors, so I got to keep some heat.”
Ist ja nicht schlecht, könnte aber auch zu jedem anderen Track auf dem Album geschrieben worden sein.Nach dem Titeltrack „The Owners“ schüttet Guru noch mal einige Gedanken aus, „Zonin´“, wie er es bezeichnet: I’m down with dis, I founded this. So you should recognize the true authentic sound of this. The golden voice, holdin toys but not playin, Guru and Preem‘, we like the golden boys. The chain and star, I’m angry pah…” Auch hier geht der letzte Track raus an die verstorbenen Freunde und Verwandte.
Trotz aller Ähnlichkeiten haben wir Gang Starr Fans ein Album bekommen, das wir erwarten durften – und das meine ich im positiven Sinne. Echte Primo Beats, ruffe Guru Rhymes, Kopfnickfaktor 10, clubtauglich, boomboxtauglich, zum Zuhören oder einfach nur zum Abfeiern – Gang Starr „The Ownerz“.
V/A – Nice Up The Dance
HipHop und Reggae waren schon immer eng miteinander verknüpft. Angefangen hat auch hier alles in New York, als Kool Herc (der jedem etwas sagen sollte, der sich mit HipHop beschäftigt) den Grundstein für HipHop legte. Mit zwei Turntables und einem Mic übernahm der gebürtige Jamaikaner Elemente aus der heimischen Dancehall- und DJ-Kultur, und somit war HipHop geboren. Grandmaster Flash, ebenfalls jamaikanischer Abstammung, perfektionierte das Ganze dann später. Das mal kurz zur engen Verwandtschaft der beiden Musikrichtungen. So haben Künstler wie Kenny Dope oder KRS One schon immer Einflüsse von Dancehall in ihrer Musik gehabt – und zur Zeit erlebt die Kombination eine Kleine Wiedergeburt, wie man z.B. am Erfolg Sean Pauls sehen kann, der ja u.a. auch schon mit Busta Rhymes zusammengearbeitet hat.So macht es sich „Nice Up The Dance“ zur Aufgabe, mit einer Mischung aus neuem und altem Material jeden Dance und jede HipHop-Party ein bisschen aufzumischen. Kenny Dope, der gleich zwei mal auf dieser Platte Vertreten ist, eröffnet zusammen mit Screechy Dan den Weg zur Party. „Boomin‘ In Ya Jeep“ lässt jeden Kleinwagen zu einem Lowrider mutieren. Weiter geht’s dann mit einem Klassiker von Cutty Ranks, der garantiert für volle Tanzflächen sorgen wird, schließlich rockt das Teil schon seit Jahrzehnten. Weitere Sureshots kommen von Tenor Saw mit „Ring The Alarm“ und von Dawn Penn mit „No No No“, die beide in schönen HipHop-Mixen daherkommen. Neuere Sachen aus JA kommen von Ms Thing auf dem brandneuen Bad Company Riddim, Ward21 oder eben Sean Paul. J-Live kommt mit seinem Klassiker „Satisfied“ und bringt wieder ein bisschen Rap-Flavour in die Geschichte. Erscheinen wird die Platte auf Soul Jazz Records, die mit ihrer XXX% Dynamite Reihe oder den Studio One Re-Releases ein erfahrenes Händchen in Sachen Trackauswahl haben. Für jeden, der seine Party mit ein bisschen Reggae aufpeppen aber dabei nicht unbedingt auf seinen geliebten HipHop verzichten will, ist diese Platte genau das Richtige. Auch für Neueinsteiger sicherlich nicht uninteressant.
Classified – Trial & Error
Wer ist Classified? So lauten die ersten Worte aus seiner Biografie. Und auch ich musste mir diese Frage erstmal stellen, da mit sein Name bisher noch nicht bekannt war, er aber schon 8 Alben auf den Markt geworfen hat. Also schnell seine Bio weiterlesen und die Bildungslücke schließen.Classified ist schon seit den 90ern unterwegs. Sein erstes Album namens „Times up“ erschien 1995. So nahm alles seinen Lauf, und Class bekam Connections zu DJ Jorun, der die DMC in Halifax gewonnen hatte, und veröffentlichte mit seiner Hilfe die beiden Indie-Releases „One Shot“ und „What Happened“. Nach seinem Album „Information“ bekam Class die Möglichkeit, als Opener für u.a. Rascalz, Choclair oder Swollen Members auf der Bühne zu stehen und sich größeres Gehör zu verschaffen. Sein erster 12″ Release „Touch of Class“ wurde 2000 für den „Urban Recording of the Year“ in Kanada nominiert. Zwei Jahre nach seinem letzten Album „Union Dues“, welches sehr erfolgreich in Kanada war und somit das Interesse der Major Label weckte, steht Classified nun mit seinem neuesten Streich „Trial & Error“ vor der Tür. Inhaltlich beschäftigt sich Classified eher mit alltäglichen Problemen aus dem Leben als mit Bling-Bling, Bitches und allem, was zu einem dicken Pimp-Leben dazugehört. Und das ist auch gut so – ansonsten würden die Texte und nicht zuletzt auch Class unglaubwürdig wirken. Aber mit Tracks wie „Gossip“, „On Tha Brink“ oder eben „Trial & Error“ lässt Class einen wissen, dass das, was er macht, auch ernst gemeint ist. Soweit es aus den Infos hervorgeht, scheint das Album komplett von ihm selber produziert worden zu sein. Wenn dem wirklich so ist, dann hat der gebürtige Kanadier nicht nur ein goldenes Händchen für’s Rhymen sondern auch einiges in Sachen Beats vorzuweisen. Leider standen mir nur 9 von insgesamt 14 Tracks zum Reinhören zur Verfügung, da die Promo leicht beschädigt war… aber ich bin mir sicher, dass „Trial & Error“ noch ein oder zwei Perlen mehr zu bieten hat als mir bisher bekannt sind. Trial & Error repräsentiert 10 Jahre von Class‘ Herz und Seele: Beats und Rhymes basteln, nie aufgeben und seine Skillz immer zu perfektionieren. Zehn Jahre voller Arbeit, zehn Jahre voller Versuche und Fehlschläge. Es ist dieses Album, das er immer zu machen versuche. Und bis zum nächsten Album heißt’s wohl erstmal: sich die älteren Sachen von Classified anschaffen!
souljah
Various Aritsts – French Connection
Den Begriff French Connection verbindet man im HipHop seit geraumer Zeit mit dem Stuttgarter Kopfnicker Records-Umfeld. Um ihre guten Beziehungen zu Frankreich haben sie auch nie ein Geheimnis gemacht, im Gegenteil, es stand schon lange im Raum, dass es eine Compilation mit Deutschen und Franzosen geben sollte.
Aber das ist auch schon eine Weile her, so dass es nach außen hin erst mal ruhig wurde um das Projekt. Hinter den Kulissen wurde jedoch weiter fleißig an der Verwirklichung des Albums gearbeitet. Da man es sich zum Prinzip gemacht hatte, nicht einfach nur DAT-Bänder durch die Gegend zu schicken, sondern französische und deutsche Künstler zusammen ins Studio zu bringen, damit sich eine Atmosphäre des Kennernlernens und des direkten Austausches ergibt, war die Arbeit umso schwieriger.
40 Künstler aus zwei verschiedenen Ländern für ein Projekt zusammenzubringen, ist sicherlich alles andere als leicht und kostet eine Menge Zeit und Mühen.Damit jedoch nicht genug.Das Ziel von French Connection ist, neben dem Zusammenführen der verschiedenen Gruppen und dem mutigen Spiel mit der Sprachbarriere, diese beiden Länder, natürlich im Rahmen von HipHop, näher zu bringen.
Um das Sprachproblem zu lösen, gibt es im Booklet Übersetzungen von jedem Stück ins Französische und umgekehrt!Zusätzlich zu diesem Album wird man auch eine DVD sowie ein Buch veröffentlichen, die sich mit den auf den ersten Blick so verschiedenen HipHop-Szenen beschäftigen, und wo man sich mit allen beteiligten Künstlern, die am Projekt beteiligt waren, wie auch mit Writern und B-Boys unterhält und deren Meinung einfängt.So kann man etwas über die Hintergründe der einzelnen Künstler erfahren und die Musik vielleicht aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
Für die grafische Gestaltung des Covers konnte man keinen Geringeren als Loomit gewinnen, der in seinem typischen 3-D Graffiti Style die Nationalfarben Frankreichs und Deutschlands kombiniert und Character von beiden Ländern, quasi als Repräsentanten, den französischen Hahn am den 1210ern und den deutschen Adler am Mic, in sein Artwork mit einbaut. Eine sehr gelungene Sache.
Zur Musik und den Künstlern.Ziel war es, immer einen deutschen Künstler (oder Gruppe) und einen französischen zusammenzubringen. Das hat auch recht gut funktioniert, allerdings hat man bei der Kollabo von flowinImmO und Biff 2000 & Billy Bear das Gefühl, dass die Jungs aneinander vorbeirappen. Die Franzosen fahren ihren harten Battlestyle, während Immo seine verkanteten Wortspiele zum Besten gibt. Passt inhaltlich leider nicht.
Ansonsten bietet sich einem musikalisch ein von Synthie- und Streichersamples geprägter Sound, dem es aber ein wenig an Höhepunkten fehlt. Es gibt kaum etwas, was einen wirklich von Hocker reißt. Solide Tracks von Afrob und Shurik´n, Spax & Double Pact, die Massiven & Freeman/ K. Rhyme Le Roi, Dev Kev & Eldin & Jean Gab1, Ahamada Smis & Def Kev sowie Less Du Neuf & Tefla & Jaleel, halten das Hörvergnügen auf einem akzeptablen Level, auch wenn einige Künstler, beider Länder, textlich etwas mehr hätten reinstecken können. Zum 1000 Mal „ich lebe HipHop“ etc. zu hören, langweilt gewaltig!
Das Highlight ist meiner Meinung nach der von Irfane produzierte Track If a no Jah mit Gentleman, D-Flame und Lord Kosity, von dem sich auch der versteckte Remix hören lassen kann.
Insgesamt hatte ich mir ein wenig mehr versprochen. Einige Produktionen können mich nicht überzeugen, so dass French Connection zwar durchaus gut gewollt, aber nicht immer so gut umgesetzt ist. Vielleicht hätte man sich auf ein oder zwei Produzenten einigen sollen, die die musikalische Linie vorgeben?
Da ist sicherlich noch Potential vorhanden, und dieses ist hoffentlich nur der Beginn von deutsch-französischen Gemeinschaftsproduktionen. Das geht noch mehr!
Afrika-Festival auf VIVA
Wer Mixery Raw Deluxe auf VIVA am Sonntag nicht gesehen hat, der hat in der Tat etwas verpasst – die Liveaufzeichnung vom Afrika-Festival in Würzburg (einer der schönsten Veranstaltungen in Deutschland überhaupt) brachte Regggae, Dancehall und HipHopstyles aus aller Welt auf den Schirm. Gehostet wurde die Show von MELLOW MARK und PATRICE, deren Liveauftritte zu den Höhepunkten des Festivals zählten. Glück für alle Verpasser: Die Wiederholung gibts am Mittwoch, den 2.07. um 23.00 Uhr auf VIVA…
Shinobi
Remakes und Neuauflagen von Konsolen-Klassikern der 80er und 90er Jahre sind derzeit scheinbar groß in Mode. Nach Lost Vikings für GBA, Contra für PS2 und einigen anderen alten Bekannten springt jetzt auch Sega auf den Retro-Zug auf und lässt den sympathischen Ninja Shinobi auf der PS2 zurückkehren.
Die Story spielt natürlich im alten Japan. Ein Erdbeben hat Tokio in Schutt und Asche gelegt, und im Stadtzentrum ragt plötzlich ein riesiger goldener Palast in den Himmel. Zu allem Überfluss ist die Metropole nun auch noch von Dämonen verseucht. Ihr übernehmt die Rolle von Hotsuma, dem Anführer des Obora-Klans, der sich natürlich auf den Weg in Japans Hauptstadt macht. Dort angekommen muss er feststellen, dass seine Klan-Mitglieder offenbar verflucht worden sind und sich ihm nun auf Leben und Tod in den Weg stellen. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als sie zu bekämpfen.
Ihr zieht also mit eurem Ninja durchs zerstörte Tokio und müsst dabei allerlei andere Ninjas und Dämonen mit eurem Schwert erledigen. Dieses Schwert ist natürlich keine gewöhnliche Klinge: Es bezieht seine Energie aus den Seelen der getöteten Gegner. Ihr müsst dementsprechend möglichst schnell möglichst viele davon finden und über den Jordan schicken. Gelingt euch das nicht, bedient sich die tödliche Waffe an eurer eigenen Lebensenergie. Ihr könnt euch auch mit Ninja-Sternen und Zaubersprüchen um die Dämonenbrut kümmern. Allerdings sind diese begrenzt, und es empfiehlt sich, sie für die Endgegner zu sparen.
Die Level sind sehr groß und sind in einzelne Areale aufgeteilt. Um ins nächste Areal voranschreiten zu können, müsst ihr zunächst alle Gegner des derzeitigen erledigen. Hier ist auch schon der größte Kritikpunkt von Shinobi: Es gibt nämlich keine Rücksetzpunkte. Wenn ihr über die Klinge springt, „dürft“ ihr das ganze Level noch mal von vorne beginnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr am Endgegner oder am ersten Ninja gescheitert seid. Das kann schon mal zu Frust oder Wutausbrüchen führen. Der nächste Kritikpunkt ist der extrem hohe Schwierigkeitsgrad. Neueinsteiger oder Gelegenheitszocker brauchen schon mal ein paar Stunden, bis sie das zweite Level zu Gesicht bekommen.
An der Grafik gibt es hingegen nichts zu meckern. Sie setzt zwar keine neuen Maßstäbe wie Silent Hill 3 oder Primal, ist aber auf jeden Fall ordentlich. Vor allem der überdimensional große rote Schal des Helden, der immer hinter euch her flattert, sieht einfach stylish aus. Die Zwischensequenzen sind gut gemacht und stimmen einen gut auf den weiteren Spielverlauf ein. Auch die dunkle und kühle Farbgebung passt perfekt zum Flair des Spiels. Dasselbe gilt auch für den Soundtrack.
Fazit:
Shinobi ist für Kenner der Serie und Olschool-Fans ein Muss. Leider setzt der extrem hohe Schwierigkeitsgrad die Wertung ein ganzes Stück nach unten. Auf jeden Fall solltet ihr euch vor dem Kauf Zeit nehmen, das Spiel auszuprobieren und Probe zu spielen, es sei denn, ihr habt eine geradezu unendliche Geduld. Choleriker: Hände weg!
Pro:
– Oldschool-Feeling
– solide Präsentation
Contra:
– keine Rücksetzpunkte
– hoher Schwierigkeitsgrad
Entwickler: Overworks
Hersteller: Sega
USK: ab 16 Jahren
Systeme: PS2
Spieler: 1
Gesamtwertung: 4
Silent Hill 3
Silent Hill 3
Boooaaah, was geht da bitte? Das beste Spiel des Jahres ist endlich draußen! Aber fangen wir von vorne an… Der erste Teil von Silent Hill (damals noch für die PS.One) glich `99 einer Revolution. Wo Genre-Kollegen wie Resident Evil mit Alibi-Story und vermeintlich schockierenden Splatter-Effekten an ihre Grenzen stießen, beeindruckte das Spiel aus dem Hause Konami mit intelligenter, tiefgehender Story inklusive einiger Überraschungen und Wendungen und ließ den Horror sich langsam aber sicher von hinten an den Spieler heranschleichen. 2001 erschien dann die Fortsetzung für die PS2. Hier gab`s vor allem Pluspunkte für den genialen Sound, der aus einer normalen Stereo-Anlage scheinbar ein Dolby-Surround-System machte und sämtliche Geräusche mitten im Raum erklingen ließ. Und nun erscheint also endlich der dritte Teil… Zur Story: Die Teenagerin Heather verbringt ihren Nachmittag wie so oft in einem Einkaufszentrum. Während sie mit ihrem Vater telefoniert, bemerkt sie einen älteren Herrn, der sie beobachtet. Er stellt sich als Detektiv vor und bittet sie, mitzukommen. „Da ist jemand, der sich mit ihnen unterhalten will.“ Widerwillig begleitet sie ihn, flüchtet jedoch aus dem Fenster einer Damentoilette (dahin durfte der Detektiv natürlich nicht mit). Doch dann ändert sich alles: Das Einkaufszentrum ist menschenleer, dafür sind allerlei bissige Kampfhunde, die aussehen, als wäre ihr Kopf der Länge nach mit einem Beil gespalten, und riesige Monster mit Keulen statt Armen unterwegs. Nach einiger Zeit trifft Heather eine merkwürdige Lady namens Claudia, die ihr erzählt, dass die Hand Gottes dafür verantwortlich sei und dass Heather sich an ihre Wurzeln und an das, was sie werden muss, erinnern solle. Danach verschwindet sie wieder und lässt eine verdutzte Heather zurück. Mehr will ich zur Story nicht verraten, um euch den Überraschungseffekt nicht zu verderben. Es wird jedoch deutlich Bezug auf die Ereignisse der Vorgänger genommen. Falls ihr diese noch nicht kennt, solltet ihr euch vor dem Spielen zumindest über die bisherigen Silent Hill-Storys informieren. Technisch präsentiert sich Silent Hill 3 von seiner besten Seite. Die Grafik ist ungeheuer detailliert und sieht einfach fantastisch aus. Vor allem die genialen Lichteffekte sind beeindruckend. Die zahlreichen verschiedenen Monster (es gibt unter anderem die oben erwähnten Höllenhunde und Keulenmonster, fliegende Rieseninsekten, kriechende Zombies und auch die verrückten Krankenschwestern tauchen im Hospital wieder auf, diesmal sogar mit Pistolen bewaffnet!) lassen euch des öfteren erschrocken vom Sofa hochspringen. Der Qualität des Sounds ist noch mal ein ganzes Stück nach oben geschraubt worden. Von überall hört man wildgewordene Hunde, kreischende Krankenschwestern usw. Am besten, ihr schließt eure PS2 an eure Anlage an, aber auch über den Fernseher lassen euch die Geräusche den einen oder anderen Schauer über den Rücken laufen. Insgesamt ist das Spiel technisch mit das beste, was die PS2 zu bieten hat, und kann auch grafisch locker mit Primal, Splinter Cell usw. mithalten. Auch das Gameplay hat einiges mehr zu bieten als die Vorgänger. Vor allem die Kämpfe laufen nun viel actionreicher. Heather kann nun mit den L1 und R1-Tasten seitwärts laufen, was ihr einen guten Vorteil gegenüber den Monstern verschafft. Außerdem gibt es einige neue, interessante Waffen. Erstmals gibt es eine Maschinenpistole, mit der ihr den Viechern ordentlich einheizen könnt. Für den Nahkampf empfiehlt sich das Katana, ein Ninja-Schwert, das Heather in einer Kunstausstellung findet. Die Rätsel sind teilweise knackig scharf. Manchmal läuft man in seinem Zimmer auf und ab, bis die berühmte Glühbirne über dem Kopf erscheint und man umso glücklicher ist, endlich weiterspielen zu können. Der Schwierigkeitsgrad für Rätsel und Action lässt sich übrigens separat einstellen. Wie schon erwähnt sind die Schockeffekte häufiger geworden. Gerade die Situationen, bei denen man vor Schreck ein ganzes Stück vom Sofa hoch springt, wurden im zweiten Teil schmerzlich vermisst. Fazit: Wenn ihr auf Survival-Horror steht, ist dieser Titel ein MUSS, um den ihr nicht herumkommen werdet.
Pro:
– geniale Grafik
– bombastischer Sound
– intelligente Story
– actionreiches Gameplay
Contra:
– gibt`s da was??? Äh… keine deutsche Sprachausgabe
Entwickler: KCET
Publisher: Konami
USK: ab 16 Jahren
System: PS2
Spieler: 1
Gesamtwertung: 7




