Kommentar: Produzenten gehören auf’s Cover!

Rooq beschrieb das Verhältnis zwischen Produzenten und Rappern in einem seiner Artikel für rap.de als Zwei-Klassen-System. Von Außen hat man das Gefühl, dass sich ganz, ganz langsam daran etwas verändert. Es werden mehr Interviews mit Produzenten geführt. Rapper reden öfter in Interviews über die Instrumentals und betonen deren Wichtigkeit für die Platte, denn jedes Album soll jetzt ein individuelles Soundbild haben und sich von anderen Produktionen abheben. Trotzdem ist noch jede Menge Luft nach oben.

In der klassischen Musik sind die Komponisten die Stars, oder weiß jemand, wer bei den Opern Mozarts oder Verdis gesungen oder gespielt hat? Die allergrößte Mehrheit wird es nicht sagen können. In der populären Musik ist es genauso, nur anders herum. „…Baby One More Time“ kennt wohl fast jeder Mensch der westlichen Hemisphäre. Auch weiß jeder, dass Britney Spears den Song gesungen hat, ‚es ist ihr Song‘. Dabei hat sie ihn lediglich performt. Geschrieben und produziert haben ihn Rami & Max Martin. Wer hätte das gewusst, und was verdammt hat das mit Rap zu tun?

Durchaus eine ganze Menge, denn auch im Rap steht der Performer, also der Rapper, der durch sein Writing meist nicht nur Performer ist, weit mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Die Anerkennung die er erfährt, steht in keinem Verhältnis zu jener, die die Produzenten für ihre Arbeit bekommen.

Denn diese befinden sich Hintergrund. Als Folge werden Produzenten im HipHop heute vom Löwenanteil der Hörer meist nicht als eigenständige Künstler wahrgenommen, von denen man Fan ist. Sie werden als austauschbares, weniger wichtiges Beiwerk gesehen und, wie Rooq schildert, als Dienstleister behandelt. Und daran muss sich etwas ändern.

Um dieses Missverhältnis anzugehen, muss gleich an mehreren Rädchen geschraubt werden. Beat-Macher wie Farhot aka Fuchy, Dexter und die Betty Ford Boys oder Bennett On veröffentlichten schon Solo-Releases und spielen Touren. Vergleichbare monetäre Erfolge wie bei einem Rapalbum bleiben aber natürlich (noch) aus, was die Realisierung solcher Projekte schwierig macht. Solche sind jedoch notwendig, um Produzenten als eigenständige Künstler zu etablieren.

Auch würde helfen, wenn wir HipHop-Medien den Produzenten noch mehr Fläche bieten würden. Natürlich ist es einfacher ein Interview über Lyrics als über Beats und Sound zu machen. Vor allem, wenn Journalisten nicht ein paar Grundlagen besitzen, um über die Spezifika der Musik zu reden. Als Musikjournalist sollte man jedoch in der Lage sein, dies zu können. Solange dieses Grundwissen jedoch fehlt und man sich nicht mit den Produzenten auf einem gewissen Level unterhalten kann, tragen wir Medien eine Mitschuld. Auch dass der Name des Produzenten mit in die Überschrift bei einer News zu einem neuen Song gehört, sollte längst Standard sein.

Doch die wohl besten Möglichkeiten, den Produzenten ihr Hak zu geben, haben die Rapper. Sie sind es, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen und deren Meinungen und Handlungen den größten Einfluss haben. Hier lässt sich eine parallele Entwicklung bzw. Stagnation ausmachen. Manch ein Rapper schafft es immer noch nicht, die Beat-Macher zu erwähnen, wenn er z.B. ein neues Musikvideo postet. Wer fünf verschiedene Online-Shops verlinken kann, sollte auch in der Lage sein, kurz zu erwähnen, wer den Beat gemacht hat.

Zudem werden immer mehr Alben von nur einem Produzenten gestaltet. Allein das sollte ihn aus der Stellung des Dienstleisters herausheben, da er Teil des kreativen Prozesses ist und nicht nur einen Beat verschickt, bei dem es erst mal in der Schwebe ist, ob er überhaupt genutzt wird. Nach der Albumarbeit loben die Rapper in ihren Interviews fleißig ihre Partner, weil sie, vielleicht auch durch Trap bzw. der modernen Soundästhetik, verstanden haben, wie wichtig die instrumentale Ebene ist. Denn bei einem guten Song ist der Beat ist genauso wenig austauschbar wie die Lyrics oder der Flow. Ein letzter Schritt wird jedoch noch nicht gegangen.

Das Cover ist das Aushängeschild der Musik. Auf 98 Prozent der Cover ist jedoch nur der Name zu lesen, der für die eine Hälfte der Musik verantwortlich ist. Die andere ist im Booklet versteckt. Selbst wenn der Rapper überschwänglich über den Produzenten spricht, auf das Cover kommt er nicht. Es gibt Ausnahmen wie „Yo, Picasso“, „Principium“, „Khazraje“ oder die EP-Reihe von Eloquent und Panorama, doch sind sie rar gesät. Und das ist schade, denn der Name gleichberechtigt neben dem des Rappers oder ein „XYZ produziert“ würden den Produzenten endlich die Aufmerksamkeit geben, die sie verdient hätten. Oder zumindest ein Schritt in die richtige Richtung sein.

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