Rooqs Beat des Monats: ELI – Was für’n Leben (August)

Ein bisschen lautstark haten, ein bisschen lautstark in den Arsch kriechen und zack, bekomm‘ ich eine eigene Kolumne auf rap.de. So muss das. Dasselbe hab ich übrigens auch beim Splash! Mag gemacht und dafür die Anfrage bekommen, ob ich nicht Bock hätte, in der Jury vom #MOT Battle mitzuwirken. Bock hatte ich, das Geld hätte ich auch dankend angenommen. Leider scheinen sich die Pläne diesbezüglich im Sande verlaufen zu haben. Wahrscheinlich sind die Hipster da zu busy mit der Suche nach dem neuen 2-Wochen-Hype. Aber wen kümmert das, wenn Oli mit der geilen Idee an mich herantritt, in einer monatlichen Kolumne den „Beat des Monats“ zu küren? Dazu gibt’s direkt auch noch einen Award für den Produzenten, der den Beat des Monats gebastelt hat. Digital natürlich. Fuck, das ist nice! Den hätte ich auch gerne! Ich hab ehrlich gesagt ziemlich Bock drauf, dafür bezahlt zu werden, dass ich mir Beats anhöre. Aber bevor wir anfangen gibt es einige Grundvoraussetzungen die geklärt werden müssen:

1. Ich werde mich bei meiner Entscheidungsfindung ausschließlich des Materials bedienen, das von rap.de im Laufe des Monats gepostet wurde (soundcloud links mit inbegriffen). Zeit ist Geld und ich bin zu arm, um mich ungefiltert stundenlang durch die Weiten des Internets zu wühlen. Außerdem müsst ihr euch so direkt bei rap.de beschweren, und nicht bei mir, wenn euer Release nicht berücksichtigt wurde, obwohl da ganz eindeutig DER Beat des Monats drauf ist.

2. Ich habe einen unbestritten großartigen Beatgeschmack, bin aber leider auch nur ein Mensch. Soll heißen: Sollte euch eine Wahl (besser: MEINE Wahl) irgendwie ungerecht vorkommen, ist es durchaus möglich, dass ich bestochen wurde.

3. Ich werde keinen Nerd-Talk betreiben. Ziel ist die kontinuierliche Steigerung der Wertschätzung der Produzenten in der Wahrnehmung der Hörer und keine gegenseitige Produzenten-Beweihräucherung ob des großartigen Sidechainings in irgendwelchen Beats.

4. Ein „Beat des Monats“ muss kein krasser Banger oder ausgefeilt as fuck sein, er muss nicht melodisch oder undergroundig oder erfolgreich sein. Er kann alles und muss nichts sein. Die Entscheidung wird eine Momentaufnahme und wird in keinster Weise Status, Werdegang oder den aktuellen Hype des Produzenten berücksichtigen.

Ich glaube das war soweit alles. Gibt es ansonsten noch Klärungsbedarf, erledige ich das im Laufe der nächsten Kolumnen. Ach so, doch, eine Sache noch: Nach ca. 5 veröffentlichten Kolumnen werde ich auf meiner imaginären Wikipedia Seite „Journalist“ als Tätigkeitsfeld ergänzen. 5 Kolumnen sind das ungefähre Äquivalent zu Falk Schachts veröffentlichten Beats, und der nennt sich ja auch…..naja gut, lassen wir das für heute und starten lieber direkt mit der ersten Wahl:

Erste Kolumne, erste Wahl zum Beat des Monats und schon steh ich vor vielen seltsamen Entscheidungen: Ich darf schon mal keinen BoomBap Beat nehmen, weil das erstens mein (total ungerechtfertigtes) BoomBap Image befeuern würde und zweitens jeder davon ausgehen würde, dass ich durch diese Kolumne versuchen möchte, BoomBap wieder zu hypen. Dabei mag ich BoomBap überhaupt nicht. Naja, also doch, schon, aber ich mags halt „nur“ genauso wie Trap, Cloud, Straßenbeats, Pop, Rock und alles andere. Also kein BoomBap Beat.

Wenn ich aber jetzt einen Trap oder Cloudrap Beat wähle oder einen Beat von einem aktuell gehypeten Projekt/Album, ist die Gefahr groß, dass mir die HipHop-Polizei unterstellt, auf einen Zug aufspringen zu wollen und dabei meine Wurzeln zu verraten. Also was machen? Eigentlich im Endeffekt doch eine total einfache Entscheidung: Komplett drauf scheißen, was irgendwer denkt!

Ganz allgemein möchte ich zum Monat August sagen, dass sau viele großartige Sachen erschienen sind. Leider kann ich nicht auf alle eingehen, denn das würde den finanziellen Rahmen von rap.de sprengen. Ich werde tatsächlich immer nur über einen Beat sprechen, das bedeutet aber nicht, dass alle anderen nicht erwähnenswert wären – ganz im Gegenteil! Aber versetzt euch nur kurz in meine Lage: Es wäre nicht machbar. Ok, jetzt aber endlich zu meiner Wahl des Beats des Monats August 2016:

Der „Beat des Monats“ Award geht an ELI für „Was für`n Leben“ von Ali As!

ELI hat hier ein Stück Musik geschaffen, das mit seinen Reggae-Anleihen zwar direkt am Zahn der Zeit ist (shit, also doch der Hype Zug), das aber auch komplett losgelöst von der aktuellen Reggaewelle wunderbar funktionieren würde. „Was für`n Leben“ ist in meinen Augen ein Pop Track, der ausreichend Dreck enthält, um nicht anbiedernd zu wirken. Die eben erwähnten Reggae-Anleihen sind in Wahrheit auch eher Dub-Anleihen, die zusätzlich dafür sorgen, dass der Beat die Hypewelle zwar streift, aber nicht darauf angewiesen ist, auf ihr zu reiten. Alles in allem ist es vor allem die zeit- und genrelosigkeit, die hier meine Wahl entschieden haben. Dieser Beat hätte auf mich 2006 denselben Effekt gehabt, den er auch 2026 haben würde. Gefühl sticht hier Technik, was aber keinesfalls heißen soll, dass die Technik hinter dieser Produktion auch nur irgendeinen Makel hat. Also: große Props an ELI und herzlichen Glückwunsch zum Award!

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