Basstard

Wer in letzter Zeit die Blogs von MC Basstard auf seiner MySpace-Seite verfolgt hat, den hat vielleicht überrascht, dass der Horrorkore Vertreter zunehmend politischere, ja sogar revolutionäre Töne angeschlagen hat. Von der Gründung einer neuen Baader Meinhoff Bande bis zum Aufruf für Revolution war da zu lesen.
In einem Tempelhofer Keller, dem wahren Untergrund, oder auch bekannt als Horrorkore Studios haben wir uns mit dem "kleinen Mann" getroffen, um ein bisschen Licht ins Dunkel der politischen Umtriebe zu bringen. Wenn dies auch anlässlich seines anstehenden Albums "Schwarz“ gar nicht so einfach ist, mit dem Licht und der Dunkelheit. 
rap.de: Du hast uns gerade einen Track vorgespielt, da fällt der Name Angela Merkel an. Was hältst Du von der Kanzlerin?

Basstard: Also, ein türkischer Sänger hat mir erzählt, dass er mal mit Steinmeier und Merkel essen war und Merkel konnte einfach ihre Augen nicht von ihm lassen. Sie hat ihn die ganze Zeit total angebaggert, von wegen süßer Türke und so. Und er hatte total Angst vor ihr, Schweißausbrüche und so weiter. Und es tut mir jetzt auch leid. Ich weiß ja, dass Merkel einen Mann hat, aber die ist echt total versaut. Das ist ekelhaft.

rap.de: So wie Hannelore Elstner?

Basstard: Naja, die Merkel chillt ja auch mit Alice Schwarzer, das wird denen zumindest nachgesagt. Ich habe auch eine Rapperin hier bei Horrorcore, die Adden, und die ist ja schon total emanzipiert. Und die Alice Schwarzer ist ja noch tausendmal schlimmer. Und wenn Merkel solche Freunde hat, da wundert mich nichts mehr. Ich meine, Merkel ist ja eine gute Frau. Die ist  jetzt leider in so Kreise gekommen, die SPD, dieser ganze Sumpf. Und das tut ihr nicht gut, die sollte mal an die frische Luft kommen statt unter Geier.

rap.de: Was ist denn so schlimm daran, emanzipiert zu sein?

Basstard: Es ist überhaupt nichts schlimm daran. Deshalb habe ich ja auch Leute wie Adden bei mir gesignt. Nur sobald man sagt, "Alle Männer gehören verbrannt“ – da hört es auf. Da wird es Wahnsinn. Genauso wie Orgi nicht sagen kann "Alle Frauen gehören verbrannt“, so was sagt man nicht. Ich unterstelle Alice Schwarzer ja auch gar nicht, dass sie so was gesagt hat, aber die ist halt so. Die denkt so. Man sieht es in ihren Augen: Die will alle Männer töten und auffressen.

rap.de: Und Merkel will auch alle Männer töten?

Basstard: Nein, überhaupt nicht. Aber das Umfeld prägt einen halt. Aber Merkel ist eigentlich eine gute, ostdeutsche Frau. Ich feier sie!

rap.de: Aber du bist doch gegen das System?

Basstard: Ja, aber sie kann ja nichts dafür, man sieht ihr doch an, dass sie traurig ist. Aber sie zieht dieses Kanzlerding ja eiskalt durch und dafür Respekt an Angela.

rap.de: Aber in deinem Song wendest du dich explizit an sie. Was würdest du ihr sagen wollen?

Basstard: Ich würde mich einfach gerne mal mit ihr unterhalten. Viele Leute, die sich mit ihr treffen, sind einfach nur Ja-Sager. Die nicken alles ab. Sie sollte einfach mal echte Menschen kennen lernen. Sie muss Leute treffen, die wissen, was in unserer Gesellschaft abgeht, so wie Streetworker.

rap.de: Naja, jetzt hast du ja die Möglichkeit auf rap.de zu sagen was dich stört. Real Talk vom Boss sozusagen.

Basstard: Das erste wäre, dass sie den aktuellen Focus lesen soll. Da steht nämlich, dass fast 50 Prozent der deutschen Schüler gemobbt werden. Und sowas sollte sie ändern und nicht die ganzen Kohle den Banken in den  Arsch stecken. Und sie sollte dafür sorgen, dass es nicht soviel Amokläufer gibt. Amok laufen ist im Endeffekt nichts anderes als ein Hilfeschrei und die Kinder oder Jugendlichen, die Amok laufen, sind daran absolut nicht schuld. Man kann auch nicht sagen, dass Orgi oder Frauenarzt oder ich daran schuld sind. Wir berichten ja nur, wir sind Reporter. Wir berichten in dieser harten Sprache, weil wir nun mal so aufgewachsen sind. Dafür können wir nichts, dafür können höchsten "die“ was.

rap.de: Inwiefern können "die“ da was für?

Basstard: Weil sie unsere Jugend verrohen lassen. Durch das Fernsehen. Das ist völliger Irrsinn, völliger Zwiespalt. Sie verbieten unsere CDs, aber bei RTL kommen um 13 Uhr diese Talksshows, wo man die ganze Zeit in dieser widerlichen Sprache redet, die ganze Zeit geht es um Sex. Anstatt die Talksshows zu zensieren, zensieren sie unsere CDs.

rap.de: Aber ich als Vertreter der freien Meinungsäußerung würde da jetzt sagen, "Nein, da habt ihr euch nicht einzumischen!“. Ich möchte nicht, dass der Staat sich überall einmischt.

Basstard: Es sollte aber so etwas wie die BpjM geben, die sich um mehr Ausgleich bemüht.
 
rap.de: Das gibt es ja. Es gibt den Medienrat der regelmäßig anstößige Formate kritisiert und rügt, aber es ist halt trotzdem so, dass im Programm bleibt, was Quoten bringt, und das sind ja scheinbar solche Formate. Aber anders gefragt: In wiefern hätte es Einfluss auf dich gehabt, wenn Pädagogen und Sozialarbeiter stärker auf dich eingewirkt hätten?

Basstard: Das hätte einen Rieseneinfluss auf mich gehabt. Ich hatte nur hängengebliebene Lehrer, die mich geschlagen haben. Ich bin im Wedding aufgewachsen. Ich hatte einen Lehrer, Herr Engels, ein sehr guter Deutschlehrer, und da gab es so einen Zwischenfall. Wir hatten gerade keinen Lehrer, und die hatten eh’ keinen Bock auf uns, weil wir die Ausländerklasse waren. Und dann waren wir halt laut, haben Krach gemacht und so. Dann kam so ein Mädchen aus der Deutschenklasse und hat gesagt "Herr Engels sagt, wenn ihr nicht leiser seid, dann kommt er vorbei.“ Dann meinte ein guter Freund von mir "Ja, soll er doch herkommen, der kann sich einen Finger in den Po stecken“. Das Mädchen ist dann wütend abgedampft. So, fünf Minuten später kam dann Herr Engels, ich konnte mich nicht halten und lache los, auf einmal packt der mich, schüttelt mich und wirft mich in die Ecke. Der hatte wohl zuviel Kaffee getrunken und war sauer. Und so war das gang und gäbe im Wedding und ich wette, das ist da immer noch so. Und das liegt dann am Staat, dass der da zu wenig in die Schulen investiert und nicht dafür sorgt, dass in den Schulen mehr Coolness herrscht.

rap.de: Aber Coolness und Engagement sind zwei verschiedene Dinge.

Basstard: Die Schulen brauchen einfach Streetworker. Fünf Stück pro Schule. Das wäre schon mal ein schöner Anfang, um eine bessere Jugend zu schaffen. Denn was in den Schulen abgeht ist katastrophal. Ich weiß jetzt nicht, ob es überall so ist, aber in Berlin und gerade in diesen sogenannten Brennpunktbezirken ist es einfach kaputt.

rap.de: Das liegt ja oft auch daran, dass dort eine Gettoisierung stattfindet. Da werden ja Menschen mit einem sogenannten Migrationshintergrund sehr konzentriert auf die Schule geschickt.

Basstard: Ja, das stimmt. Und die Deutschen, die da zur Schule gegangen sind, haben sich entweder total angepasst oder die sind da fertig gemacht worden. Ich hatte Deutsche in der Klasse, die im Ramadan gefastet haben. Und die, die nicht gefastet haben, die wurden halt richtig hart gemobbt. Aus denen wurde dann einfach nichts. Also, entweder werden die richtig krass und lassen sich gar nichts gefallen, oder die werden elendig verrotten. Die Deutschen in unserer Schule waren der Abschaum der Gesellschaft. White Trash! Ich war bei einem deutschen Kumpel zu Hause, seine Mutter hatte sich gebückt, um etwas aufzuheben und dann hat er die so aus Scherz von hinten genommen. Da war ich total schockiert. Da dachte ich mir auch, was ist da in den Familien los, das ist ja unmenschlich.

rap.de: Wie sollte man sich um die kümmern? Ich glaube, viele Leute würden sich gerne drum kümmern, aber keiner kann so wirklich was machen. Über die Sozialarbeiter wird doch immer gelacht.

Basstard: Es muss mit Zwang geholfen werden, die müssen genervt werden. Da muss jeden Tag geklopft werden, sonst sterben die Kinder. Das passiert doch fast jeden Tag: irgendwelche 17-jährigen, deutschen Mütter, die nicht mehr weiter wissen und ihr Kind verhungern lassen. Da muss man dazwischen gehen. Man muss denen sagen "Mädchen pass auf, wir wollen dir nur helfen, wir wollen dir dein Kind ja nicht wegnehmen.“  Es ist doch gar nicht so kompliziert, warum tun sich denn alle so schwer? Deutschland ist so ein Alptraumland, was diesen Bürokratie-Wahnsinn angeht.
Das darf doch nicht an der Bürokratie scheitern. Da müssen sich Hartz IV-Empfänger für bereit erklären, es gibt doch genug von denen. Die müssten 10 Euro bekommen, aber es ist ja auch ein harter Job.

rap.de: Die sind  doch gar nicht dafür qualifiziert.

Basstard: Na klar, da sieht man doch, ob einer dafür geeignet ist oder nicht. Man kann Kurse über ein oder zwei Monaten machen, damit die lernen, wie man diplomatisch an die Sache rangeht und nimmt die Quintessenz raus.
Es gibt soviel qualifizierte Leute ohne Job, warum nimmt man nicht die? Es gibt wird soviel Geld in die Banken reininvestiert, warum nicht in diese Leute?

rap.de: Kommen wir mal weg von den Problemen der Gesellschaft zu etwas Utopischem. Du sprichst in deinen Tracks vermehrt von Revolution, was heißt das für dich?

Basstard: Revolution heißt, dass ich Staiger als Spitzenkandidat für meine Partei aufstellen möchte, obwohl ich gar kein Wahlrecht habe und deshalb keine Partei gründen darf. Aber wir sind gerade wirklich damit beschäftigt eine Partei zu gründen und zwar ernsthaft. Ich bin wirklich dafür, dass du, Staiger, unserer Spitzenkraft wirst, weil du neutral bist. Du bist nicht auf diesem hängengebliebenen Atzenfilm wie wir. Du bist nicht auf diesem Hardcore-RAF-Film wie ich. Du bist einfach ein neutraler Typ, der auch Verantwortung übernehmen kann und ich liebe dich dafür. Auch wenn es irgendwann mal zwischen MOK und dir oder Bassboxxx und dem Bunker Streit gab, scheiß drauf. Ich bin kein Elefant, der ewig drauf rum reitet.

rap.de: Bin ich ja auch nicht. Aber eine Partei zu gründen und mich zum Spitzenkandidaten zu machen, ist ja noch lange keine Revolution. Mich würde interessieren, was da die konkreten, revolutionären Forderungen sind?

Basstard: Als Erstes muss dieser Erste-Mai-Scheiß aufhören. Vorallem dieser Linke-Typ (Kirill Jermak, Anm. d. Red.) , Alter, der regt mich richtig auf. Ey, dieser 20-Jährige, der regt mich am meisten auf. Scheiß mal auf die Bullen und so, die machen ja alle nur ihren hängengebliebenen Job. Von wegen "Ja, dieses Jahr am 1. Mai machen wir mal so richtig Randale in Kreuzberg“.  Mal ganz ehrlich, das ist der größte Blödsinn überhaupt. Sollen die doch nach Zehlendorf gehen und da mal Villen kaputtmachen, wenn sie so verdammt revolutionär sind. Nee, machen sie aber nicht. Lieber bei uns in Kreuzberg alles zerstören!
Die sollen nach Zehlendorf am 1. Mai. Da einreiten und da alles zertrümmern, meinetwegen auch bei der Merkel. Das ist revolutionär! Und nicht Kreuzberg überfallen in unserer Not, hier wo alles sowieso schon für’n Arsch ist. Die sollen doch die Villen volltaggen und die zerstören, aber das trauen die sich nicht. Die Bullen würden das aber nie zulassen, wenn man Zehlendorf oder Mitte oder so was zerstören wollte.

rap.de: Im Internet schreibst Du, Du würdest gerne eine Baader-Meinhoff Gruppe gründen oder eine RAF – die vierte Generation.

Basstard: Das darf man jetzt aber nicht so verstehen, als wollte ich Bomben legen. Obwohl doch, aber nicht so, dass ich den Axel-Springer-Verlag in die Luft jage.

rap.de: Warum nicht?

Basstard: Na, weil diese Zeiten vorbei sind. Es gibt überall auf der Welt Terrorismus, den muss man jetzt nicht auch noch nach Deutschland bringen. Es reicht, wenn man ein Youtube-Video macht, in dem man zeigt, wie der Staat wirklich ist. Ich meine, guckt euch Frankreich an, wie die Leute dort kämpfen. Die sind auch nicht so schlau und machen ihre eigenen Bezirke platt, aber sie kämpfen wirklich. Sie müssten es bloß ein wenig ausweiten, dann wäre es besser. (lacht) Ich will überhaupt nicht dazu aufrufen, irgendwas kaputtzumachen, aber den Leuten halt vor Augen führen, wie es ist. Vielleicht müssten wir mal eine Zeitschrift machen. Es gibt zu wenige Medien, die neutral berichten.

rap.de: Wo informierst du dich?

Basstard: Na ja, auch im Spiegel, Focus, InfoKrieg.TV. Man kann sich ja informieren, aber das Ding ist ja, dass das alles auch irgendwo gekauft ist.

rap.de: Es gibt ja auch Unterstellungen, dass die dritte Generation der RAF gekauft war.

Basstard: Ja. Keine Ahnung. Ich bin auf jeden Fall nicht gekauft. Ich bin real, Alter. Die haben mir noch nie die Gelegenheit gegeben, was Ordentliches aus mir zu machen. Seitdem ich hier bin, bin ich Asylant mit unbegrenzter Aufenthaltsgenehmigung und mehr kriege ich von denen auch nicht. Egal, ob ich Abitur habe, ob ich seit sieben Jahr selbstständig bin, was ja der Fall auch ist. Egal. Ich darf nicht wählen oder eine Partei aufmachen.

rap.de: Bei diesem Einbürgerungsverfahren kannst du dich nicht anmelden?

Basstard: Die haben mich von vorne bis hinten verarscht, ich schwör’s dir. Mit so 15, 16 hat mein Anwalt, der übrigens umsonst gearbeitet hat, mir gesagt ich soll mich Asyl anmelden gehen, weil ich gar keine Papiere hatte, keinen Pass, keine Geburtsurkunde, gar nichts! Die Frau beim Amt hatte scheinbar keinen Bock zu arbeiten oder so, keine Ahnung, aber sie meinte zu mir, dass ich das machen könnte, aber wenn der Antrag abgelehnt wird, dann würde man mich zwei Wochen danach abschieben. Ich hatte dann Schiss und sie gab mir einen Wisch, auf dem ich unterzeichnen sollte, dass ich auf Asyl verzichte und so würde ich nicht abgeschoben werden, meinte sie. Mein Vater meinte, ich sollte das nicht unterscchreiben und ich habe es doch getan, weil ich Angst hatte. Danach bin ich wieder zum Anwalt und er war außer sich, hat nicht verstanden, wieso ich das gemacht habe und meinte auch, die Alte hat mich verarscht. Das stimmte alles gar nicht. Jetzt habe ich keine Chance mehr an Papiere ranzukommen, ich habe nur diesen Wisch hier und damit kann ich nichts machen. Nicht mal ein Bankkonto eröffnen kann ich damit. Weißt du wie ich mein Konto hier bekommen habe? Ich habe dem Chef der Berliner Volksbank einen Vortrag über mein Label gehalten. Ich habe ihm gesagt, was ich vorhabe und da war grad diese Anfangzeit, in der ich Massiv gesignt hab. Aus dem Grund hat er mir eins gemacht. Er war einfach so cool.
Ich war mein Leben lang Sozialhilfeempfänger und ich habe es gehasst. Sobald ich konnte, also sobald meine Schulzeit zu Ende war, bin ich dahin und habe gesagt, dass ich mich selbstständig machen will. Die haben mir dann einen Kurs gegeben, in dem man lernen konnte, wie man Rechnungen schreibt und all das. Ein paar Monate haben die mich dann noch versorgt mit 600 DM, damit ich über die Runden komme. Zu der Zeit war mein Vater auch schon tot. Die Sachbearbeiterin meinte dann, ich muss einen Businessplan schreiben und dem Chef einen Vortrag halten. Ich habe es alles krass hinbekommen und er hat es mir bewilligt. Ich musste zwar jeden Monat hin und denen zeigen, was ich verdient habe und das haben die dann verrechnet. Irgendwann habe ich dann die Zahlungen gar nicht mehr gekriegt und jetzt bin ich seit sieben Jahren selbstständig.

rap.de: Mit wie viel Jahren bist du nach Deutschland gekommen?

Basstard: Mit Zwei, mein Vater ist damals aus dem Iran geflohen. Er war Guerilla. Er war richtig derjenige, der mit der Kalaschnikow in die Bank gegangen ist, um den Drucker rauszuholen, damit er seine Zeitung drucken konnte. Das war zur Zeit des Ayatollah. Meine Mutter wurde hingerichtet, als ich ein Jahr alt war. Auf meinen Vater war Kopfgeld ausgesetzt und er wollte mich und sich retten.
 
rap.de: Warum wurde deine Mutter hingerichtet?

Basstard: Sie hat Zeitungen verteilt und wurde erwischt. Propaganda gegen den Ayatollah. Sie war Widerstandskämpferin.

rap.de: Das ist traumatisch, oder?

Basstard: Traumatisch… Ich weiß nicht. Für mich ist das Realität. Ich habe davon ja nichts mitbekommen. Ich kenne meine Mutter nicht und du kannst mich auch da nichts fragen, denn ich weiß nicht was da passiert ist. Mein Vater hat sich richtig krass um mich gekümmert. Er hat mich perfekt erzogen. Er hat drauf geachtet, dass ich mein Abitur hier mache, er hat mich von Stress ferngehalten, er hat mich bei den Bullen abgeholt, wenn ich mit den Jungs unterwegs war und Scheiße gebaut habe. Er war ein richtiger Kämpfer.

rap.de: Inspiriert dich die Figur deines Vaters?

Basstard: Ja, natürlich. Er war ja auch Kunstmaler und Musiker. Im Iran war er Dolmetscher, Japanisch-Iranisch, und er hat sozusagen für den Staat gearbeitet, so was wie ein Korrespondent war er. Dadurch hat er den Staat ausspionieren können. Mein Vater war ein fieser, geiler Typ. Ché Guevara Style. Nichts ist mir wertvoller als seine Bilder, die hängen überall bei mir an den Wänden. Ich schaue sie lange an und denke an ihn. Das ist wundervoll. Mein Vater war ein wundervoller Mensch.

rap.de: Kommt daher Deine Faszination für die dunklen Themen des Menschseins?

Basstard: Es sprießt einfach aus mir raus. Keine Ahnung. Ich schaue halt manchmal fern. Vielleicht deswegen. Es ist auch nicht meine Aufgabe zu erklären, warum ich Kunst mache. Die Leute müssen darüber nachdenken, sonst wäre es ja nicht Kunst.

rap.de: Beschäftigt sich das Album "Schwarz“, das bald rauskommt, mit den wirklichen menschlichen Abgründen?

Basstard: Ja, die richtig düsteren, finsteren, richtig miesen Tracks. Das Böseste, was ich je gemacht habe. Sie sind auf jeden Fall indizierungswürdig. (lacht)

rap.de: Was genau ist darauf indizierungswürdig?

Basstard: Hört es euch einfach an, aber dem Cover können sie bei der BPjM zum Beispiel keinen gewissen künstlerischen Wert aberkennen – das geht nicht.
Wenn die versuchen, mein Album zu indizieren, dann werde ich da hingehen und dafür sorgen, dass es die BPjM verfickt noch mal nicht mehr gibt. (wird lauter) Ich werde da hingehen und mich an die scheiß BPjM ketten und tagelang da ausharren. Ist mir kackegal. Jedem, der da hinkommt, werde ich einen Arschtritt geben!

rap.de: Leider ist das in einem Hinterhof und da kommt niemand vorbei. (lacht)

Basstard: Das ist mir egal, dann werde ich da alleine verhungern. Ich werde den ganzen Behinderten da einen richtigen Arschtritt geben. In Bonn ist das, oder? Ich werde meinen Fans sagen, dass die da alle für mich hinkommen sollen. Ich werde einen Bus mieten und wir fahren da alle zusammen hin. Irgendwie machen wir das schon. Egal wie, aber die BPjM wird gesprengt.

rap.de: Sind denn schon Alben von dir indiziert?

Basstard: Eins, ja. Einmal haben sie sich getraut. Und dann auch noch "Obscuritas Eterna“, das künstlerisch Wertvollste. Damals war ich aber auch noch sehr jung und habe keine Beschwerde eingelegt. Wenn ich da mit 18, 19 hingegangen wäre, hätte das auch nicht so viel gebracht. Aber jetzt, jetzt würde das was bringen.

rap.de: Was fasziniert dich an Inhalten wie die Vermischung von Sex und Gewalt?

Basstard: Nichts fasziniert mich daran, aber ich gucke Fernsehen und bin mehr so ein Spiegel. Ich existiere eigentlich gar nicht, auch nicht auf dem Papier. Wenn die Bullen mich anhalten und fragen, wann ich geboren bin, muss ich sagen "0.0.“. Das muss ich tatsächlich sagen. Ich bin nicht da, ich bin einfach nicht existent. Ich bin einfach nur ein Spiegel, der der Gesellschaft ihr wahres Gesicht zeigt. Ich bin die Kamera Obscura.

rap.de: Jetzt ist ein Spiegel ja normalerweise neutral. Bewertest du diese Gesellschaft?

Basstard: Ja und wie ich sie bewerte. Ich verfluche sie! Das ist ein verfickter Sprung im Spiegel. Hier, mein iPhone. Das ist der Beweis dafür! Siehst du das? Es hat einen Sprung. Das ist der Spiegel. (murmelt in sich hinein) Ich bin der verfickte Spiegel… (lacht) Natürlich bin ich mit ihr unzufrieden, sonst würde ich hier ja nicht mit RAF und so weiter so einen Riesenaufriss machen.

rap.de: Ich habe auf jeden Fall noch nicht so ganz rausgekriegt, wie eine Welt aussehen würde, in der du dich wohl fühlen würdest.

Basstard: Da dürfte es auf jeden Fall nicht laut sein und Alkohol wäre verboten! (lacht) Alkohol ist auf jeden Fall der Teufel und Deutschland hat ein riesiges Alkoholproblem. Wenn man sich eher auf so was anstatt auf Kiffen konzentrieren würde, wäre vieles besser. Das ist nämlich gar nicht so schlimm, wer kifft ist ziemlich friedlich. Ich kiffe zum Beispiel tonnenweise. (wird wieder lauter) Weißt du warum? Weil ich so verdammt sauer bin!
rap.de: (laut) Auf was bist du denn sauer?

Basstard: Das habe ich doch erzählt! Ich habe keinen Ausweis, ich bin eigentlich gar nicht existent, obwohl ich so etwas Großartiges mache, obwohl mich so viele Leute feiern. Warum bin ich nicht da? Warum habe ich nicht das Recht dazu? Egal was ich mache, ich darf nicht da sein. Das ist doch scheiße.

rap.de: Ich habe aus diversen Mündern gehört, dass sie dich für einen der besten Techniker und faszinierendsten MCs dieses Landes halten. Fühlst du dich teilweise verkannt?

Basstard
: Ja, sowieso. Diese ganzen MZEE-Forum-Leute feiern diesen Kollegah abgöttisch, aber der ist ein Scheißdreck gegen mich. Der kann mir nicht mal ansatzweise das Wasser reichen, ganz klar. Er hat genau zwei Lieder, die irgendwelchen Sinn machen. Ansonsten erzählt er irgendwas über irgendwelche Mütter. Wen interessieren denn diese Nuttengeschichten, das kauft ihm doch eh keiner ab, dass er Zuhälter war! Auch dass er Drogen handelt – der hat vielleicht mal einen Zehner vertickt, aber der hat keine Drogen gehandelt. Drogenhändler würden so was niemals erzählen. Die halten die Füße still, weil sie damit Geld machen.

rap.de: Wie geht es jetzt bei dir künstlerisch weiter? Was haben wir denn von "Weiß“ zu erwarten?

Basstard
: Ach, da werden mich alle lieben. Da werden sie alle sagen "Ooooch, der ist ja doch ganz cool und das tut uns alles leid.“ – wie bei Frauenarzt. Erst hassen sie ihn, weil er Pornorap macht, dann schreiben irgendwelche Fans einen von seinen Songs um und das wird zur Fußballhymne. Jetzt loben ihn alle und sagen „Ach, das ist ja so ein Genie und der macht so gute Beats. Unser Frauenarzt, unser deutscher Held…“. Vorher war er der ekelhafte Pornorapper, der die Jugend verrückt macht – bei mir wird es genau so sein. Erst finden mich alle krank und nach "Weiß“, wo die ganzen Hits drauf sind, werden sie mich super finden. Ich weiß es, es wird so passieren, aber mir ist das eigentlich egal. Egal ob die Leute es feiern oder sich darüber aufregen, ich werde immer weiter machen. Ich bin steinhart wie Kruppstahl, verfickte Scheiße.

rap.de: Wie lange willst du noch weitermachen?

Basstard: Bis ich sterbe, ich habe ja sonst nichts anderes. Ich bin Rapper, ich bin Erzähler. Ich werde Bücher schreiben und ich werde erst damit aufhören, wenn ich nicht mehr atmen kann. Vielleicht bin ich sogar so hartnäckig, dass ich wiedergeboren werde und weitermache.

rap.de: Du hast gesagt, dass die schlausten Köpfe des Landes in deinem Forum vertreten sind.

Basstard
: Ja genau, was für ein Zufall. Bei dieser Parteigründung, wo du übrigens Spitzenkandidat bist, egal ob du dich wehrst oder nicht, sind die gerade dabei, alles zu organisieren. Ich bin ja nicht da, ich darf das nicht.

rap.de: Wie soll die Partei heißen?

Basstard: Ich bin ja für SPA – Sozialistische Partei der Atzen. Das ist einfach ein cooler Name, mit dem sich die Jugend identifizieren kann.

rap.de: Hast du denn eine Vorstellung davon, was für ein Wahlziel sich so eine Partei setzen sollte?

Basstard: Freiheit und Gerechtigkeit. Die ganzen anderen Parteien sind käuflich, aber wir nicht. Wir sind die Eisenharten, die Nicht-Käuflichen, und kämpfen nur für unsere Ideale. Ich bin bereit zu hungern. Ich habe 4000 Euro in mein aktuelles „Monster Monster“-Video gesteckt und habe dafür zwei Wochen lang gehungert. Das ist mir egal, ich kämpfe für meine Ideale und das ist mir wichtiger als Essen.

rap.de: Würdest du auch aufhören zu Kiffen?

Basstard: Nein, das nicht. (Gelächter) Damit kann ich nicht aufhören, da raste ich aus. Das hält mich noch einigermaßen ruhig und sonst müsste ich irgendwelche Medikamente nehmen und die benebeln das Hirn zu sehr. Kiffen macht zwar einigermaßen dumm und vergesslich, aber es ist noch ertragbar. Ich nehme keine Medikamente. Ich bin auch seit drei Jahren nicht mehr krankenversichert. Seitdem ich Massiv herausgebracht habe. Da konnte ich mir dann die Krankenversicherung nicht mehr leisten. Jetzt könnte ich es zwar wieder, aber dieser Bürokratie-Quatsch dauert Monate. Ich habe da einmal angerufen, ob die mir die Unterlagen zuschicken können, die haben es nicht gemacht und jetzt habe ich auch keinen Bock mehr drauf. Da bezahle ich den Arzt lieber bar.

rap.de: Willst du mit Massiv überhaupt noch sprechen?

Basstard: Ich habe sogar versucht, ihn auf diesen "Viva La Revolution-Track zu kriegen. Einfach um ein Zeichen zu setzen. Ich habe ihm sogar eine SMS geschrieben, weil ich ihn nicht erreicht hatte, in der stand "Wenn du dich jetzt nicht meldest, brauchst du dich nie wieder melden“ und er hat sich nicht gemeldet. Also ist das jetzt für mich gegessen, Massiv ist für mich tot. Ich bin jetzt auch nicht menschlich enttäuscht oder so. Ich kämpfe jetzt einfach für eine Sache, bei der es mir wichtig war, dass er sich meldet – auch wenn er das vielleicht nicht wusste. Er hat es aber nicht gemacht, also hält er nichts von mir und deshalb halte ich jetzt auch nichts mehr von ihm. Natürlich war es auch vorher sehr angespannt und vor kurzem hat er mich angerufen und sich entschuldigt und gesagt, dass er jetzt in drei Songs erwähnt hat, dass ich doch alles für ihn getan habe. Dann hat er noch ganz stolz erzählt, dass er jetzt Techno macht. Ich habe ihm dann gesagt "Ey, warum machst du das jetzt? Bist du wahnsinnig? Wer hat dir diesen Scheiß eingelabert?“ und er hat ja damit jetzt auch wirklich verkackt. Vorher hat er 20.000 Alben von "Blut Gegen Blut“ und "Ein Mann Ein Wort“ verkauft, jetzt von dem neuen irgendwie nur 4.000. Durch dieses Techno-Lied, bei dem im Video irgendwelche Metrosexuellen rumtanzen, hat er seine Fanbase verloren und jetzt macht er auf supercool, anstatt barfuß und in Lumpen rum zu laufen, wie ich es ihm beigebracht habe. Er macht jetzt auf High Society, so habe ich ihn nicht erzogen.

rap.de: Was hast du damals in ihm gesehen, als er noch als "Pitbull“ seine Demos verschickt hat?

Basstard: Einfach die krasse Stimme. Diese harte Stimme, die über Powerbeats gesetzt werden muss und eben auch politisch und sozialkritisch ist. Ich habe dafür gesorgt, dass er geile Beats hat, dass er aufnehmen kann und er hat ja auch ein einigermaßen solides Album hinbekommen. Ich habe das dann aber auch krass promotet. Ich habe JUICE-Seiten im Wert von 10.000 Euro gekauft, wir haben an seinem Video eine Woche lang auf 8mm-Film gedreht und das hat ein richtiges Vermögen gekostet. Weil ich beim Schnitt nicht dabei war, wurde ich dann in dem "Blut Gegen Blut“-Video nicht eine Millisekunde gezeigt, dafür sieht man aber, wie er Godsilla Handshake gibt oder so. Er hat in irgendeinem Gespräch mal gesagt, dass ich nicht die Leiter wäre, auf der er hochsteigt, aber genau das war ich. Das Bild war schon mal das Richtige.

rap.de: Hast du jemals was dafür bekommen?

Basstard: Nee, überhaupt nicht. Ich musste sogar dafür kämpfen, dass ich das Mixtape weiter raus bringen kann, damit ich kein Minus mache. Dieses Horrorkore-Mixtape, was wir zusammen gemacht hatten. Daran habe ich noch ein bisschen verdient, aber das hat nicht ansatzweise das gedeckt, was ich in ihn investiert habe.

rap.de: Hast du überhaupt noch Lust auf dieses Musikgeschäft?

Basstard: Klar, ich werde da alles auseinander nehmen. Aber es wäre ja doof von mir, wenn ich jetzt sage, wie ich das mache. Ich werde es machen, es wird bald passieren, aber wie sage ich natürlich noch nicht. Es hätte vielleicht auch irgendwann mal was mit Falco zu tun gehabt. (lacht)

rap.de: Du hast vorhin ja schon im Gespräch gesagt, dass Falco der Krasseste ist.

Basstard: Ich verehre Falco wirklich so, wie man einen Musiker nur verehren kann. Ich bin sein größter Fan und ein verdammter Groupie und er war seiner Zeit einfach mal 30 Jahre voraus.

rap.de: Was fasziniert dich an so einem Wiener Schickeria-Kokser?

Basstard: (lacht) Das war einfach ein cooler Typ, weißt du? Der war locker, der war entspannt, der hat gesagt, was los ist, und er war ein arrogantes Arschloch und hatte allen Grund dazu.
 

rap.de: Wen verehrst du noch?

Basstard: Es gibt da so ein paar Leute. Herbert Grönemeyer oder Muhabbet zum Beispiel. Gerade seine Alben, die jetzt nicht so in die Öffentlichkeit gekommen sind, wie "In den Straßen“. Das sind sehr, sehr sozialkritische Alben und das ist alles wirklich top gesungen. Der wird sehr unterschätzt. Man sagt, dass er wegen diesem "Sie Liegt In Meinen Armen“ ein One-Hit-Wonder ist, aber das war absolut nicht sein größter Hit. Ich lege allen Leuten ans Herz, mal in sein neues Album reinzuhören, was jetzt bald kommt.

rap.de: Wen von deinen Rapper-Kollegen schätzt du?

Basstard: Prinz Pi, das ist auf jeden Fall ein guter Mann. Dann dieser KAAS, den finde ich auch geil. Savas, sowieso. Deutschland muss ich für seine Rapper ja nicht schämen. Aber es sollte hier halt mehr Back to the Roots gehen und nicht wie bei den Amis auf diesem Schicki Micki-Film hängen bleiben. Ich meine, wieso rappt Fler die ganze Zeit über seine Frisur, das ist doch Schwachsinn. Wen interessiert denn, wie seine blöde Frisur aussieht!
Scheiß Christian Audigier. Ich hab letztens einen vom Aggro-Radio getroffen, der hatte so ein
Christian Audigier-Shirt an. Ich kenne den ja auch eigentlich von Sprühen, aber da war der mir echt unheimlich.

rap.de: Du hast doch in deinem Blog auch gesagt, dass du deinen Fans auf Grund der Schweinegrippe abrätst, sich an öffentlichen Plätzen oder in der U-Bahn aufzuhalten.

Basstard: (lacht) Ach, das war nur ein Scherz. Ich wollte mal dasselbe machen, was die Presse immer macht. Panik verbreiten.

rap.de: Das ist schön. Vielen dank für dieses Gespräch.
 

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