Devin The Dude

Devin The Dude – da kann man nicht viel sagen. Der Mann ist unglaublich talentiert, von allen Größen respektiert und wahrscheinlich macht er es jedem Menschen auf dieser Welt unmöglich, ihn zu hassen. Wobei er mich fast schon so weit hatte, denn auch beim Sonnenschein-Dude war die Wartezeit in der Lobby auch nicht angenehmer als bei anderen Künstlern. Ehrlich gesagt wäre ich fast gegangen. Gut, dass ich mich gerade noch zusammenreißen konnte, denn sonst hätte ich nicht nur ein unfassbar witziges Interview verpasst, sondern auch ein wunderbares BBQ bei Westcoast-Customs in der Revalerstrasse, in Berlin Friedrichshain.

rap.de: Wie fandest du deine Show hier in Berlin?

Devin: Es war richtig geil. Das hat mich selber überrascht, es war so gut besucht! Ich war ja noch nie hier. Ich war zum ersten Mal hier und wollte eigentlich einen Buzz kreieren, aber der war schon da. Das war geil.

rap.de: Du warst überrascht? Ich glaube für viele war das ein Pflichttermin. Hättest du gedacht, dass du hier eine so große Fanbase hast?

Devin: Nee, nicht wirklich. War aber eine schöne Überraschung.

rap.de: Wo hast du deiner Meinung nach deine größte Fanbase?

Devin: Hmmm, in Seattle wahrscheinlich. Irgendwo in den Staaten. (lacht glücklich)

rap.de: Wie sieht’s mit deinen Fans in Texas aus?

Devin: Naja, wir haben ja schon eine lange Beziehung zueinander. (lacht wieder glücklich) Ich bin da schon so eine Art Berühmtheit. Wenn ich in Houston in einem Club auftrete, dann ist der gerammelt voll. Ich meine, Houston ist so groß und Texas ist ein riesiger Staat, wenn da ein Club voll ist, dann ist der voll! Aber eigentlich chille ich, wenn ich da bin, am liebsten zu Hause. 

rap.de: Welchen Einfluss hat deine Herkunft Houston auf deine Musik?

Devin: Also, ich bin in St. Petersburg in Florida geboren worden. Aber ich habe mein ganzes Leben in Texas verbracht, bin in Houston aufgewachsen. Es ist eine schöne Stadt, sehr groß aber nicht hektisch. Da ist viel Platz. Es ist jetzt nicht so ländlich, wie man sich das vorstellt, aber auch nicht zu urban. Man kann sich dort quasi seinen Lebensstil aussuchen, es ist für jeden was dabei. Dort kann sich jeder ausleben, wie er mag und mit der Musik ist es da genau so. Es gibt so viele Künstler und es sind so viele Independent Labels überall und das Allerschönste daran ist, dass alle sich gegenseitig unter die Arme greifen und gut zusammenarbeiten. Wir leben gut gemeinsam im Süden, du weißt schon, Southern Hospitality.

rap.de: Kommt daher auch deine relaxte Art?

Devin: Auf jeden Fall. Das bringt der Süden irgendwie mit sich. Aber auch die Musik, die ich als Kind gehört habe.

rap.de: Was für Musik lief bei euch Zuhause?

Devin: Ich bin mit viel Stevie Wonder, Jackson 5, Michael Jackson aufgewachsen, aber auch viel Light-Rock-Sachen wie Ambrosia oder Bootsie, James Taylor, von dem ich auch Tracks verarbeitet habe, wie "Shower The People“.

rap.de: Wie bist du dann dazu gekommen, mit so großen Rap-Namen zusammenzuarbeiten und vor allem, wie hast du sie dazu gekriegt, dich so sehr zu respektieren, wie sie es heute tun?

Devin: Es ist ein Segen. Ich hätte es nie gedacht, dass ich mal mit Dr. Dre oder De La Soul zusammenarbeiten würde. Mann, ich weiß es nicht, es ist bis heute unfassbar geblieben und ich fühle mich unglaublich geehrt. Ich habe sehr viel Liebe für Musik und deshalb auch sehr viel Respekt vor den Künstlern, die sie kreieren. Als ich anfing, haben sie, glaube ich, diesen Respekt  ihnen gegenüber gefühlt. Deshalb respektieren sie jetzt auch mich, ich glaube daran.

rap.de: Du hast in einer Gruppe, im Oddsquad, angefangen Musik zu machen, später warst du Teil von Scarface’s Facemob, dann warst du solo, aber hast eine endlose Featureliste. Bist du gerne Solokünstler oder vermisst du die Bandzeiten?

Devin: Ich liebe es, Teil einer Gruppe zu sein. Bandarbeit ist eine feine Sache, du hast Spaß, du bist produktiv, alles ist cool. Als ich anfing, meine Liebe für Hip Hop zu entdecken, wollte ich sie auch ausdrücken und dies tat ich in einer Breakdance Formation. Mein Bruder und ich hatten locker vier bis fünf Breakdance-Gruppen und später spielten wir Football und dann Basketball. Als ich dann anfing zu rappen, war ich von diesem Teamgedanken geprägt und erst mal auch Teil einer Gruppe. Deshalb auch die ganzen Features, weil ich, wie gesagt, auf Teamwork stehe und Features zu machen, ist da  ein gesunder Mittelweg. Ehrlich gesagt, wurde ich gefragt, ob ich ein Solo-Projekt anfangen wollte, und da war ich erst sehr unsicher.

rap.de: Aber du warst solo erfolgreicher.

Devin: Der Erfolg war nie Priorität. Die anderen in der Gruppe waren immer so heiß drauf, während ich mich eher davon fernhalten wollte. Sie dachten ich wär’ irre, weil ich keinen Bock drauf hatte (lacht), aber so war es. Am Anfang wollte ich mich echt davon fernhalten.

rap.de: Hast du Angst vor dem Erfolg?

Devin: Nein. Ich habe nur Angst davor, dass die Leute vielleicht nicht mehr so locker mit mir reden können oder dass sie mich mit anderen Augen betrachten. Ich will nicht, dass sie mit dem Finger auf mich zeigen und sagen, "Das da ist Devin The Dude“. Ich wollte einfach Devin sein und chillen.

rap.de: Woher kam dann bei dir der Drang, Musik zu machen?

Devin: Meine Mutter hat gesungen, meine Oma hat gesungen und sie hat mich dann auch in den Kirchenchor gesteckt, weil ich immer während der Predigten eingeschlafen bin. Also fand sie einen Weg, mich wach zu halten – sie steckte mich in den Chor. Es war sogar ein Erwachsenen-Chor und ich war das einzige Kind darin. (Gelächter) Es war eine gute Lektion. Ich habe dort gelernt ,als Teil eines Ganzen zu wirken.

rap.de: Was hält deine Familie von deiner Musik und deinen teils expliziten Texten?

Devin: Meine Oma hat erst, kurz bevor sie starb, meine Musik akzeptiert. Davor hat sie immer nur rumgeschrien. "Mh mh mh, boy you’re goin to hell with that devil music“ hat sie immer gesagt. (Gelächter) Aber bevor sie starb, hat sie mir ihr Okay gegeben und mir gesagt, dass sie stolz ist auf mich, weil ich mit dem, was ich am besten kann, das Beste aus mir rausgeholt habe. Als ich meiner Mutter das erste Mal meine Musik vorgespielt habe, war ich total nervös, weil sie auch nicht viel anders zu Rap stand als meine Oma.

rap.de: Kennt deine Mutter "Wanna Fuck“?

Devin. Mhm.

rap.de: Und?

Devin: (lacht) Da hatte sie schon eine dickere Haut. Ich habe sie Stück für Stück an meine Musik gewöhnt. Sie hat mich so Mitte der 90er zum ersten Mal gehört und da war sie wirklich nicht glücklich, aber irgendwann hat sie mir dann einfach nur noch gesagt, was sie mag, denn sie hat gemerkt, dass ich nun mal meinen Style hatte. Bis heute unterstützt sie mich jedoch. Sie ist mein größter Supporter.

rap.de: Du bist ein sehr untypischer Rapper. Du bist gechillt und witzig, du bist absolut Drama-frei, wohingegen die meisten Rapper ein eher toughes Image anstreben. Bist du so oder hast du dir auch teils ein Image ausgesucht?

Devin: Ein Image kann man immer nur eine Zeit lang aufrecht erhalten. Ich bin einfach so. Ich werde für immer so sein wie jetzt. Fakeness ist eine Sache, die zerbröselt und immer schief geht. Ich verstehe nicht, warum manche Menschen überhaupt erst damit anfangen.

rap.de: Gibt es etwas, was dich nervt? Bei dem du krass ausrastest? Jeder Mensch hat doch irgendwas, was ihn zum Ausrasten bringt.

Devin: (lange Pause) Wenn es so was gibt, dann ist wahrscheinlich irgendeine Kleinigkeit und bevor ich da ausraste, horche ich lieber ein wenig in mich hinein und frage mich, ob es das jetzt wert wäre.

rap.de: Flippst du nie aus?

Devin: Vielleicht wenn jemand scheißen war und du gehst nach ihnen rein und sie haben vergessen zu spülen. Dann liegt da ein riesen Haufen und du denkst dir nur "Bah“. (lautes Gelächter) Nein, ganz ehrlich, mir geht es gut. Ich bin Independent momentan, ich mache meine Musik, arbeite mit guten Leuten zusammen, ich bin absolut zufrieden mit meiner Situation. Zusammen mit den Coughee Bros. suche ich momentan einen Home-Distributor, damit wir unsere drei Alben im Jahr veröffentlichen können.

rap.de: Das hören wir gerne. Welche Grassorte rauchst du eigentlich am liebsten?

Devin: Ich würde sagen White Widow ist meine Lieblingssorte, wenn es ordentlich angebaut ist, dann ja. Ein Kollege von mir macht das sehr gut. Bei ihm rauche ich am liebsten.

rap.de: Und wo hast du das beste Gras geraucht?

Devin: In Humboldt County in Kalifornien, dort bauen sie das medizinische Marihuana an. (Pfeifft begeistert)  Aber in Holland habe ich einmal Shiva geraucht, das war auch krass.

rap.de: Ja, oder Super-Shiva. Auch zu empfehlen.

Devin: Ist das Shiva mit Muskeln? lacht

rap.de: Was war das Lebensmüdeste, was du je auf Drogen gemacht hast?

Devin: Oh Gott, ich war auf dem Highway, ich war drauf und bin rumgecruist. Ich hab mich so gut gefühlt, dass ich meine Ausfahrt verpasste, also bremste ich einfach mitten auf dem Highway, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr einfach los. Ich hörte von weitem die Autos hupen, sie gaben mir Lichthupen, alles, aber es ist Gott sei Dank nichts passiert. Seitdem bin ich auf jeden Fall vorsichtiger.

rap.de: Wir sind stolz auf dich. Danke.

Devin: Danke euch!

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