Tone

Für Viele ist er der Erfinder des deutschen Battlerap. "Konkret Fin" hieß die Band der Stunde und "Ich Diss Dich" der inoffizielle Hit. Eine ganzer Generation von Battlerappern, inklusive Kool Savas beriefen sich auf das Frankfurter Urgestein und mehr als einer bedauerte, dass vom Projekt und dem charismatischen Frontmann  Tone über längere Zeit nichts mehr zu hören war. 
Jahre vergingen und erst 2005 erschien mit dem Album "Zukunftsmusik" ein MC wieder auf der Bildfläche, der trotz mehrjähriger Pause, den meisten anderen technisch und inhaltlich überlegen war.  Nun sind schon wieder 4 Jahre ins Land gezogen und Tone legt nach. Das neue Album "Phantom" erscheint Anfang April und wir unterhielten uns mit dem Frankfurter über Alkohol, Technik und die Grundlagen von gutem Rap.



rap.de: Viele Rapper aus Berlin und auch Kool Savas sehen dich als ihr Vorbild in Sachen Battlerap. Wann ist der Punkt gekommen, an dem Berlin Frankfurt in der öffentlichen Wahrnehmung als Battle Hauptstadt abgelöst hat?

Tone: Ich denke mal, Kool Savas hat komplett diesen Style geprägt. Es gab dann eine ganze Flut von Rappern, die sich wirklich wie er angehört haben und das war dann der Zeitpunkt, wo der Fokus komplett auf Berlin ging battlemäßig. Dann ging es rüber in diesen Gangsterstyle, was auch sehr lange angehalten hat. Ich hatte immer den Eindruck, dass es sehr Städtebezogen war, was den Fokus der Medien anging.

rap.de: Warum war Berlin als Rapstandort so lange eigentlich nicht da?

Tone: Das weiß ich nicht, das kann ich dir nicht sagen. Ich denke mal, es hat mit Strukturen zu tun in der Szene. Bei uns gab es ganz am Anfang HipHop-mäßig auch keine Strukturen. Unser erstes Lied kam damals auf einem Technolabel raus, weil einfach gar nichts anderes da war.

rap.de: Wie kam das zustande, dass ein Technolabel einen Battelraptrack raus gebracht hat?

Tone: Wir waren damals auf der Suche nach Produzenten, die uns den Sound liefern, nach dem wir gesucht haben und irgendwann sind wir bei jemandem hängen geblieben, der eigentlich Technoproduzent war. Das war dann in Kombination  mit DJ Feedback. Die haben dann Styles gebastelt, die abgingen. Die hatten auf Eigenbasis einen Vertrieb und haben sowieso schon Technoplatten raus gebracht. Das Ding war, dass sie unseren Track als letztes auf einem Technosampler hinten mit raufgeklatscht haben und das war der Move, wie alles ins Rollen gekommen ist.

rap.de: Wie sind die ersten Reaktionen auf “Ich Diss Dich“ ausgefallen?

Tone: Das hat damals schon hohe Wellen geschlagen, weil es einfach etwas war, das es zu der Zeit noch nicht gab. Wir haben uns damals nicht großartig Gedanken gemacht, sondern einfach nur unser Ding, was wir sonst so auf der Straße gerappt haben, auf den Beat geklatscht. Dann natürlich auch die Kombination, dass es auf einem Technosampler war. Man hat sich das Ding angehört und als letzter Song kam dann Deutschrap, Straßenrap, direkt in die Fresse. Das hat natürlich schon für Aufruhr gesorgt.

rap.de: Ärgert dich eigentlich, dass es jetzt so Überhand genommen hat, dass jeder der Meinung ist, das machen zu müssen?

Tone: Es sind natürlich viele dabei, die es einfach nicht können und scheiße sind. Aber im Endeffekt ist viel passiert und das ist im Grunde genommen gut so, weil sich die Sache weiter entwickelt, auch wenn viel Auswüchse dabei sind, die ich nicht brauche, aber die Kultur blüht dadurch. Entwicklung halt.


rap.de. Trotzdem hat es noch lange gedauert, bis du nach diesem “Konkret Finn“ Album dein erstes eigenes Album raus gebracht hast. Warum?

Tone: Als das Konkret Finn Album raus kam, gab es unsere Gruppe schon über drei oder vier Jahre nicht mehr. Das wurde also nachträglich veröffentlicht. Nach der Trennung habe ich mich damit gedanklich beschäftigt, wie es ist, allein auf die Bühne zu gehen. Dann habe ich zu dem Zeitpunkt aufgehört zu saufen, weil das war so ein Hauptding mit Konkret Finn: Wir sind nie nüchtern auf die Bühne gegangen, immer komplett betrunken. Das waren alles so Sachen, da brauchte ich Zeit, um mir das vorstellen zu können. Dann bin ich sehr gemütlich an die Sache rangegangen. Ich hab mich mit Features an die Sache rangetastet und bin dann ganz allmählich dazu übergegangen, ein Album zu schreiben. Ich hab mir gedacht, lass dir Zeit damit, mach es bis du richtig down damit bist, egal ob die Leute jetzt sagen: “Komm, es wird Zeit!“ und dann war es 2005 halt soweit. Der Entschluss ist schon lange vorher gefallen, aber die Dinge laufen ja dann nicht immer so, wie man sich das vorstellt und bis man es dann korrekt an den Start gebracht hat, vergeht auch immer ein bisschen Zeit

rap.de: Warum seid ihr immer betrunken aufgetreten? Hat das zu eurem Lifestyle gehört?

Tone: Ja, das Album hieß ja auch “Reim, Rausch Und Randale“ und das war wirklich unser Motto gewesen, das war einfach so.

rap.de: Dein Album “Zukunftsmusik“ wurde von vielen als Klassiker bezeichnet. Was macht einen Klassiker für dich aus?

Tone: Das kann ich dir eigentlich gar nicht sagen. Aber ich glaube das Hauptding ist, dass man jetzt nicht nur eine Schiene bedient, sondern irgendwie eine Gesamtheit abliefert. Thematisch, von den Flows her und Beatmäßig. Ein komplettes Album ist für mich, wenn ich verschiedene Themen anspreche und nicht nur irgendwelche Battelstyles fahre und erzähle ich sei der Beste. Es war wichtig für mich, eine komplette Palette zu liefern. Ich glaub, wenn man sich ein komplettes Album geben will, in Ruhe und immer wieder, dann  muss Vielfältigkeit auf jeden Fall gegeben sein. Das ist ein Hauptkriterium und natürlich muss es geil sein.

rap.de: Hast du auch viel Autobiographisches verarbeitet oder dich von fiktiven Geschichten inspirieren lassen?

Tone: Nicht wirklich fiktiv… Auf jeden Fall haben sie sich aus eigenen Erfahrungen ergeben. Die Rolle, die ich zum Beispiel bei “Du brauchst mich“ eingenommen habe, ein Song in dem es um Abhängigkeit geht, da hab ich  meinen Abschied vom Alkohol  verarbeitet, habe aber bewusst den Text so geschrieben, dass man ihn auf jede Form von Abhängigkeit beziehen kann. “Schick mir nen Engel“ war auch so ein Schlüsseltrack, in dem ich die Situation vor dem ganzen Wandel in meinem Leben zusammen gefasst habe.

rap.de: Ein Track auf deinem Album heißt “Ekelerregende Raps“. Was sind denn für dich ekelerregende Raps?

Tone: Einmal wenn sie sich sehr schlecht reimen und technisch voll für den Arsch sind, wenn sie inhaltlich komplett scheiße sind und wenn ich demjenigen nicht abnehme, was er da sagt. Das sind für mich ekelerregende Raps.

rap.de. Glaubst du, dass es heutzutage, auch dank MySpace beispielsweise, mehr ekelerregende Raps gibt als früher?

Tone: Ich glaube, man bekommt dadurch mehr ekelerregende Raps zu hören. Weil es größere Plattformen für Dreck gibt, wo sich jeder mit Bullshit representen kann. Ob es mehr sind, weiß ich nicht. Vielleicht waren die vorher auch schon immer da und wir hatten das Glück, sie nicht hören zu müssen.

rap.de: Ist es heute einfacher als Musiker bekannt zu werden als früher? Ist man deswegen vielleicht auch kurzlebiger geworden als Musiker?

Tone: Das kann sein, weil Aufmerksamkeit sich oft auf etwas Negatives oder total Schwachsinniges bezieht. Wenn du etwas sagst, das dumm genug ist, kriegst du dafür Aufmerksamkeit. Ob sich das dann reimt oder der letzte Dreck ist, spielt dann teilweise keine Rolle. Es kann schon sein, dass es in dieser Hinsicht leichter ist für Leute, aber ich würde sie jetzt nicht unbedingt als Künstler bezeichnen, sondern als Leute die einfach Aufmerksamkeit um jeden Preis wollen.

rap.de. Es gibt ja verschiedene Künstler, die junge Rapper unterstützen. Wie sieht es bei dir in der Hinsicht aus?

Tone: Wenn jemand einen Ratschlag braucht, dann gebe ich ihm einen.

rap.de: Was wären denn ein paar Tipps deinerseits an unsere jungen engagierten Leser, die vielleicht auch rappen?

Tone: Das kommt auf jeden Einzelnen an. Was ich auf jeden Fall wichtig finde ist, wenn man eine Überschrift und eine Hook hat, die schon mal ein Grundthema vorgibt. Dann überlegt man sich, wie man in jeder einzelnen dieser drei Strophen sinnvoll auf diese Hook eingeht, sodass es einen Zusammenhang ergibt. Dann kann man sich fragen, wie kann ich das Strophe für Strophe interessanter gestalten. Zum Beispiel: Schleiche ich mich langsam an und komme langsam auf den Punkt oder lasse ich die Katze gleich aus dem Sack? Außerdem ist es ganz wichtig seinen Style zu finden, bei dem man sich wohl fühlt, den man verkörpern kann. Das sich das deckt, mit dem, was man in Wirklichkeit auch darstellt. Wenn es zwischen dem, was man in Wirklichkeit ist und dem, was man versucht darzustellen, in irgendeiner Art und Weis klafft, dann ist es relativ für den Arsch. Um das zu finden, muss man sich langsam rantasten an die Rolle, die einem auf den Leib geschrieben ist, wo alles zusammen kommt und man sagen kann: Das passt zusammen!

rap.de: Also wäre es in Ordnung, wenn jemand eine Rolle spielt, er diese aber so gut spielt, dass man keine Dissonanz hat zwischen dem, was er rapt und dem, was er in der Öffentlichkeit von sich gibt?

Tone: Wenn man seine Rolle so gut spielt und es passt in diesem Moment, dann ist es einfach so. Ich glaube wenn man auf die Bühne geht, zeigt man eine ganz andere Seite von sich, als wenn man in der U-Bahn sitzt oder auf die Arbeit geht. Man kann es Rolle nennen oder man kann es als eine Seite von sich bezeichnen, die man findet, auf die Bühne oder in die Gesangskabine stellt und ein musikalisches Komplettpaket ergibt.

rap.de: Dein neues Album kommt im April, heißt “Das Phantom“ und es ist wieder viel Zeit verstrichen, zwischen diesem und dem letzten Album. Was hast du in den vier letzten Jahren gemacht?

Tone: Ich war auf großer Tournee mit Xavier und habe drei Features auf seinem Album gemacht. Dann hab ich auch an meinem Album gearbeitet und mich in der  Zeit von meinem Produzenten getrennt und das zu einem Zeitpunkt, als die Arbeiten an meinem Album schon recht weit voran geschritten waren. Ich hab mich dann dazu entschlossen alles neu zu machen, neu zu schreiben, neu zu produzieren. Ich habe dem Album ein komplettes musikalisches Facelifting verpasst, mit neuem Produzenten und neuer Energie. Das hat seine Zeit gebraucht und natürlich musste man wieder einen Weg finden, das Album an den Mann zu bringen. Ich wollte sicher gehen, dass es ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit erhält.

rap.de: Wie zufrieden warst du mit den Verkaufszahlen deines letzten Albums?

Tone: Mehr wäre sehr geil gewesen, weil mehr immer sehr geil ist, aber ich habe es so gesehen, dass es mein erster Schritt als Solokünstler nach draußen ist. Auch wenn es scheißlange gedauert hat, war es mein erster Schritt. Dafür, dass kein Video zum Album hoch und runter gelaufen ist, war die Resonanz okay – aus einem realistischen Standpunkt gesehen. Aber ich bin offen für mehr Verkäufe.

rap.de: Kannst du denn von deiner Musik leben?

Tone: Mit allem drum und dran, es gibt ja verschiedenste Einnahmequellen, geht es, ist aber sehr knapp bemessen. Deswegen muss das jetzt alles ins Rollen kommen, den dicken Benz oder Goldketten kann ich mir davon noch nicht leisten. (lacht)

rap.de: Hast du mal überlegt, aus finanzieller Sicht, dass nur hobbymäßig nebenbei zu betreiben?

Tone: Nicht wirklich. Es ist mir klar, dass ich Musik machen will, weil zu viel da ist, was ich raus bringen muss. Zudem glaube ich, dass meine Musik etwas ist, was diesem Rapding etwas beisteuert. “Das Phantom“ ist krass geworden und es wird Spuren hinterlassen. Ob das nun im kommerziellen Sinne sein wird, weiß ich nicht, aber freuen würde es mich schon.

rap.de: Wo liegen die Unterschiede zwischen deinem letzten und dem jetzigen Album?

Tone: Durch den Wechsel des Produzenten ist es ein komplett neuer Sound. Auch stylemäßig hat sich Einiges verändert, also nicht immer dieses komplette Stylemassaker zu fahren. Auch in Bezug auf die Vielfalt, ich habe von A bis Z alles dabei. Ich denke, dass ich bei diesem Album, was die Kontraste angeht, um Einiges kompromissloser war. Das heißt, dass ich bei Tracks die nach vorne gehen und Aussagen haben, auch kein Blatt vor den Mund genommen habe, sondern es einfach komplett raus geballert habe. Bei Tracks, die eher emotional sind, habe ich mich auch nicht zurückgehalten, sondern bin direkt darauf eingestiegen. Ich denke mir, jedes Lied ist wie ein kleiner Film, mit einem gewissen Gefühl. In diesem Moment sieht man etwas aus einem bestimmten Standpunkt und wenn man dann probiert zu relativieren, nimmt das die Intensität weg. Hier bin ich voll in das Gefühl reingesprungen, habe den Film bis zum Schluss gefahren und deshalb kommen die Kontraste sehr krass von den harten zu den weichen Songs. Es wirkt also wie eine Art Achterbahn.

rap.de: Du bist ja dafür bekannt, in deinen Batteltracks keine Namen zu nennen. Ist das eine Einstellung von dir, zu sagen ich bekämpfe einen imaginären Gegner oder wenn ich wirklich ein Problem mit jemanden habe, dann weiß dieser schon, dass ich ihn meine?

Tone: Genau, für mich wird ein Rap dadurch viel universeller. Wenn ich einen Namen nennen würde, würde das ober viel einschränken. Ich disse ja eigentlich menschliche Eigenschaften. Dinge, die nicht nur eine Person macht, sondern sehr viele und deswegen macht das einen Text für mich kompletter, als wenn Namen von Leuten nennen würde, die sowieso raptechnisch unter meinem Niveau liegen.


 

rap.de: Verfolgst du diese ganzen Dissgeschichten, wie bei Eko und Savas oder Samy und Azad?

Tone: Man bekommt es mit. Ich bin allerdings nicht so ein Internetfreak, dass ich reintauchen muss, um zu sehen, wo der aktuelle Hip Hop Tratsch liegt. Das interessiert mich nicht wirklich.

rap.de: Ist Rap eigentlich in manchen Kreisen eine Kinderkultur geworden, wenn man sich ansieht, wie manche Leute nur noch dafür Leben, sich die Dreckwäsche gegenseitig zu zuwerfen?

Tone: Das ist, was ich vorhin meinte. Es gibt halt Künstler, denen es wichtig ist, einen Inhalt zu transportieren oder Leute wie Savas, die sich auf Battlerap spezialisieren und damit dem Handwerk oder der Kunst des Hip Hop ihre Ehre erweisen, weil man sieht, dass er sich oberkrass Mühe gibt und dass er pervers ins Detail geht. Anderseits gibt es Leute, die einfach nur Aufmerksamkeit wollen und Aufmerksamkeit kriegt man heutzutage für jeden Dreck, wenn er nur dumm und schockierend genug ist. Ich denke das ist der Unterschied.

rap.de: Wie kommt es eigentlich, dass jetzt vermehrt die Leute, die kommerziell erfolgreich sind, sich von der HipHop-Kultur distanzieren und sagen, sie haben damit überhaupt nichts zu tun?

Tone: Ich nehme mal an, dass wenn man von einer Seite keinen Respekt bekommt, man anfängt, sich von dieser Seite zu distanzieren und redet sich ein "Das interessiert mich alles nicht!“. Wobei ich es schade finde, wenn man sich von einer Kultur bedient, sich dann aber den negativsten Aspekt raussucht, nämlich den, wofür man die meiste Aufmerksamkeit bekommt. Es ist für mich ein respektloser Umgang mit der Kunstform, die einen eigentlich weiter gebracht hat und aus der man auch etwas positives machen könnte, anstatt nur irgendeine Scheiße zu verbreiten. Man kann ja auch nicht in die Köpfe der Leute reingucken. Vielleicht geben manche wirklich vom Herzen einen Dreck und sagen "Ich habe gar kein Gefühl für diese HipHop-Scheiße, ich nehme mir nur dieses Rapding raus, kacke auf alles und sehe das ganze komplett als Geschäft und habe gar keinen künstlerischen Anspruch“. Das kann ja auch sein. Man weiß es nicht.


rap.de: Du hast ja auch mit ausländischen Künstlern gearbeitet, zum Beispiel mit Savant des Rimes aus Frankreich. Wie ist es dazu gekommen?

Tone: Das kam über die Hitman-Studios in denen ich arbeite. Da hat DJ Release Savant des Rimes aufgenommen. Und über Bodensee Records, die sein Album in Deutschland und der Schweiz verbreiten, kam der Kontakt zustande. Dadurch kam dann die Idee "Hey, das ist so ein Franzose, willst du da nicht mal einen 16er draufhauen?“. Und ich muss sagen, Savant des Rimes ist jemand, der mich komplett weggeflasht hat und in mir ein Feeling hervorgerufen hat, von dem ich gar nicht mehr gedacht habe, das ich das noch kriegen kann. Am Anfang, als N.W.A, Big Daddy Kane oder Kool G Rap noch da waren, da war ich so richtig Fan und bin durchgedreht. Ich war halt in diesem hysterischen Modus, hab mir Platten reingezogen und mir gedacht "Whoah krass, was macht der denn da?“. Das letzte was mich dann noch flashen konnte, war Big Pun, aber dann war alles raus. Amimäßig und Deutschrap sowieso. Ich habe eigentlich nicht mehr gedacht, das jetzt noch was kommt, bei dem ich sage "Jetzt muss ich durchdrehen! Jetzt raste ich aus“. Ich hab halt mein Ding gemacht, und mir gedacht, dass mich für meine eigenen Raps feiere. So ein Flash von außen war halt nicht da, aber als der Savant des Rimes in Frankfurt in der Batschkapp aufgetreten ist, dachte ich, ich seh’ nicht mehr richtig. Er hat da eine Show abgerissen, bei der ich dachte "Was ist da los?“ Ich bin wirklich komplett ausgerastet. Ich hab da meinen 16er mit ihm gemacht, und als es eigentlich an der Zeit war, die Bühne wieder zu verlassen, musste ich den Leuten einfach mal sagen, dass das der perverseste Auftritt war, den ich je gesehen habe und er oberkrass ist. Deswegen jetzt einmal Ultraprops für Savant des Rimes nach Frankreich. Der Typ ist einfach oberkrass.

rap.de: Hast du spezielle Kriterien, für das, was dich flasht? Dass du von dieser oder jener Art von Rap einfach berührt wirst, oder ist das vom jeweiligen Künstler abhängig?

Tone: Ich habe gar keine festen Kriterien. Ich sage nicht "Das muss sich so oder so anhören“. Ich fahr auf alles ab. Wenn sich diese Seite oder die Rolle, die der Rapper da verkörpern will, sich mit dem deckt, was ich wahrnehme, dann fahr ich auch auf den stumpfsinnigsten Straßen- oder Gangsterrap ab. Dann muss ich auch nicht unbedingt mit dem Inhalt übereinstimmen. Wichtig ist, dass es in dem Moment  bei mir ankommt, dann bekomme ich auch meinen Flash. Ein Flash auf einer anderen Ebene ist, wenn ich merke, jemand macht da technische Moves, auf die ich nicht mal im Traum gekommen wäre. Das eine ist dann eher der Konsumentenflash, bei dem man einfach als Hörer drauf achtet, "Kann ich darauf abfahren oder nicht?“ und dann kommt der Fachmann im Hinterkopf, der überlegt, "Ey, was erzählt der denn da?“ oder "Das reimt sich doch gar nicht krass“. Aber rein gefühlsmäßig kann mich alles flashen.

rap.de: Bist du auch immer wieder auf der Suche nach etwas Neuem?

Tone: Nein und ich bereue es auch, dass es so ist, weil ich würde gerne mal wieder in diesen Konsumentenflash reinkommen, dieses "Was gibt es so Neues und was geht ab?“. Aber irgendwie bin ich einem Trott des Selber-Musizierens, dass ich nicht dazu komme. Aber ich bin immer dankbar, wenn mich neues wegflasht. Zum Beispiel eben Savant des Rimes oder 439, die ich auf der Azad-Tour kennengelernt habe. Auf die bin ich sehr abgefahren.

rap.de Kannst du dir vorstellen mit weiteren europäischen Künstlern zusammen zu arbeiten?

Tone: Ja, da gingen mir auch schon einige Konzepte durch den Kopf und vielleicht schaffe ich das auch zu realisieren. Ich finde es interessant zu sehen, wie Rap in verschiedenen Kulturen und Ländern funktioniert.

rap.de: Was für Konzepte?

Tone: Das kann ich dir nicht verraten.

rap.de Das wird eine Überraschung?

Tone: Genau! (lacht)

rap.de: Glaubst du, dass es allgemein besser wäre, wenn Künstler mehr international miteinander arbeiten?

Tone: Auf jeden Fall, weil man sich einfach nur gegenseitig bereichern kann. Mir geht durch den Kopf, wie sehr Musik verbinden kann. Es gibt so viele Kriege auf der Welt, im Balkan zum Beispiel, wo unter verschiedenen Volksgruppen die schlimmsten Dinge vorgehen und ich glaube, auf musikalischer Ebene könnte man viele Brücken schlagen. Ich glaube gerade bei der Jugend funktioniert das durch Rap und man könnte da eine Menge erreichen. Ich finde es deswegen wichtig, dass man beim Rap nicht zu sehr auf diesem Battle-Ding rumreitet. Das ist eine Kunstform, eine Sprache, mit der man alles mögliche auf den Punkt bringen kann. Wieso kann ich nicht auf jemanden zugehen und mit ihm einen gemeinsamen Nenner finden? Auch wenn der sich in einem ganz anderen Lager befindet. Alles andere ist nur für das Ego, fürs Maulaufreißen und einen Coolen schieben. Aber man kann auch mehr machen

rap.de: Ist das der Grund dafür, dass bei der Arbeit mit kriminellen Jugendlichen viel mit Rap gearbeitet wird? Dass man ihnen vorgibt, sich hinzusetzten, ihre Gedanken aufzuschreiben, um Dinge klarer zu strukturieren?

Tone: Auf jeden Fall. Das ist einfach eine Sprache, die für die Jugendlichen funktioniert, einen Ausdrucksform, wo man sagt, okay das ist cool! Würde jetzt ein Lehrer kommen und sagen "Schreibt mal eure Gefühle in Form eines Gedichtes auf“, dann würden die sagen "Ich bin doch nicht schwul!“ Würde er aber sagen “Okay wir machen jetzt alle einen Rap und gehen am Freitag ins Studio, spielen das ein und dann gibt es dafür Noten“, dann würde es die Leute anspornen, sich hinzusetzten und sich Gedanken zu machen. In dem Moment, wo man sich hinsetzt, sich Gedanken macht und ernsthaft etwas zu Papier bringt, was sich reimen soll, was im Takt gerappt sein soll, dann beschäftigt man sich automatisch mit dem, was man da labert.  Wenn dann noch ein Thema vorgegeben ist, dann muss sich derjenige damit beschäftigen und wenn es ihm dann noch Spaß macht, dann gibt es nichts Besseres.

rap.de: Dieses Rapucation-Projekt bei dem Unterrichtsstoff in Rapform an Schulen vorgetragen wird, geht das in die richtige Richtung? Das da einfach Begeisterung geweckt wird?

Tone: Gerappten Geschichtsunterricht stell ich mir eigentlich ziemlich eklig vor.

rap.de: Also, kein komplett gerappter Unterricht, sondern das Daten und Jahreszahlen in gereimter Form eingeübt werden, damit es sich besser verankert.

Tone: Das kann ich mir ehrlich gesagt auch gut vorstellen, dass es durch Reime besser hängen bleibt.

rap.de: Würdest du dich denn auch für ein oder zwei Stunden dafür bereit erklären, wenn jemand anfragen würde?

Tone: Solange es kein Geschichtsunterricht ist, den ich rappen muss, dann ja.

 

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