Das Bo

IFA Sommergarten – doch es ist herbst. Trotz allem findet in den Messehallen am Funkturm Europas größte Jugendmesse, die YOU, statt und in den Hallen riecht es nach Cherry Kaugummie, billigem Deo und süßlichem Schweiß. DAS BO ist mit seinem neuen Album "Dumm Aber Schlau“ am Start und ganz sicher sind wir uns nicht, ob ein Auftritt auf der YOU dumm oder schlau ist. Teenager kreischen und so ist ein Interview drinnen nicht möglich. Deshalb haben wir uns in den schnuckligen Garten zurückgezogen, um wie Onkel BO sagen würde, ein entspanntes Interview zu führen. Leider war auch unser Fotograf so wahnsinnig entspannt, dass er vergessen hat, die wahnsinnig schönen Fotos, von der Kamera auf den Rechner zu  übertragen. Deshalb gibt es an dieser Stelle leider nur Videostills. Wir hoffen, ihr könnt uns das nachsehen.
 
rap.de: Dein aktuelles Album heißt "Dumm Aber Schlau“. Was genau willst du uns mit diesem Titel sagen?

Bo: Das ist eine Art Rettung für alle die denken, man müsste entweder dumm oder schlau sein. Ich biete damit die Freiheit, dass alles möglich ist. Wenn man sich hart wegfeiert, muss man sich halt gesund ernähren. "Dumm Aber Schlau“ ist also so YingYang-mäßig. Manchmal sagt man ja auch dumme Sachen, wo dann als Folge daraus etwas Schlaues bei rauskommt. Das ist auch das, was den roten Faden in meinem Leben bildet. Eigentlich ganz einfach.

rap.de: Du sagst auf deinem Album du seist anders als die anderen. Wie sind denn die anderen?

Bo: Die wiederum sind anders als ich. Bei mir isses so, dass ich viel rumgekommen bin. Ich habe bis ich 13 war in Hamburg gelebt, dann sind meine Eltern aufs Dorf gezogen. Ich war also erst ein Großstadtkind, dann aufs Dorf – Komplettverwirrung. Dann Kleinstadt, dann war ich ein Jahr in Amerika. Ich habe also überall mal reingeschnuppert, das ist alles ein Teil von mir und dadurch bin ich zum Beispiel anders als Jemand, der nur in seinem Block aufgewachsen ist und nichts anderes kennt. Ich bin Hamburger, fahre gerne weg, komme aber gerne auch wieder. Es gibt überall beschissene und coole Leute, egal welche Musikrichtung, welche Hautfarbe, welche Sprache und eigentlich will  ich gerne mit coolen Leuten rumhängen. Eigentlich auch ganz einfach.

rap.de: Glaubst du, dass viele innerhalb der Deutschrapszene zu fokussiert auf eine Sache sind und ihnen eben diese Offenheit fehlt?

Bo: Ja schon, aber diese Offenheit kann man auch nicht bekommen, wenn man nicht in einem Umfeld aufwächst, das einem die geben kann. Also natürlich kann man, wenn man älter ist oder bewusster mit den Sachen umgeht darauf hinarbeiten, aber es gibt schon Umstände, die einen daran hindern, offen zu sein. Als ich jünger war, hat mich das komplett verwirrt und meine Jugend auch anstrengend gemacht, aber inzwischen hilft mir das, mit den unterschiedlichsten Leuten klar zu kommen. Für mich ist eigentlich nur wichtig, dass jemand ehrlich zu mir ist. Mein Ansage ist ehrlich. Bushido macht ja auch sein Ding, sagt er ist Geschäftsmann, macht gute Geschäfte und von daher ist das auch ok so. Er macht ja nicht einen auf philosophischen Rapper, sondern ist eins zu eins so, wie er sich gibt und das akzeptiere ich auch. Sogar mehr als jemanden, der nur immer blendet und so tut als ob. Er macht sein Geschäft, ich mach mein Flash. Bei mir gibt’s Gefühle Leute!

rap.de: Welches Ziel verfolgst du also konkret mit deiner Musik?

Bo: Als ich jung war hat Hip Hop mir geholfen; mir ein gutes Gefühl gegeben. Und das ist auch mein Ansatz, nämlich den Leuten, die meine Musik hören, ein gutes Gefühl zu geben. Ich weiß wie scheiße das Leben sein kann, ich bin aber nicht so ein Typ, der sich darin suhlt, sondern ich schieße mich dann ab und feier ein bisschen. Das ist auch mein Ansatz fürs Album. Ein bisschen Entertainment machen, dass man ein bisschen vom Ärger abgelenkt ist.

rap.de: Wie ist das für dich, der du ja schon ziemlich lange dabei bist, zu beobachten, wie sich die ganze Szene so verändert.

Bo: Es ist ja ganz normal, dass sich Sachen ändern. Ich bin auch keiner, der sagt, früher war alles besser, sondern einer der sagt: Heute ist auch gut. Ich mach halt mein Ding und hoffe, dass die Leute da Bock drauf haben. Ich merke auch, dass viele ältere Leute wieder da sind, die nicht mehr so Lust auf diese aggro Schiene haben.
Hip Hop ist immer noch erfolgreich, deswegen ist alles gut. Das zeigt mir, dass ich auch erfolgreich sein kann. Auch wenn ich schon Erfolge hatte, ist es ja immer wieder interessant, Sachen zu machen, bei denen man vorher gar nicht guckt, ob die funktionieren oder nicht. Rumflashen, ausprobieren ist auf jeden Fall mein Ding.

rap.de: War denn jetzt früher alles besser?

Bo: Nee, das meine ich ja. Alle sagen das, aber für mich wars früher zum Beispiel nicht besser und deswegen bin ich froh das "früher“ vorbei ist. Es ist soviel los, es gibt so viele Sachen, es gibt heute viel mehr Möglichkeiten, auch gerade für Nachwuchskünstler. Und wenn da was Gutes dabei ist, dann gibt es für die auch viel mehr Möglichkeiten, über diese Internetgeschichten bekannt zu werden. Es gibt heute mehr Kanäle für das Kreative, die Kunst, für Leute die sich mitteilen wollen. Das ist zwar vielleicht nicht so gut für die Verkäufe, aber es ist wie es ist.
 


 
rap.de: Kannst du von der Musik, die du machst, leben?

Bo: Im Moment ja. Ich mache ja auch noch DJ Gigs am Wochenende, wo ich dann mit DJ Chris Nix oder Miss Leema unterwegs bin und Party mache. Das ist eigentlich mein Hauptziel, dass ich weiter das machen kann, worauf ich Bock habe und nicht noch einen Nebenjob machen muss.

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